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Von einem, der auf den Hund gekommen ist und hilft

Von einem, der auf den Hund gekommen ist und hilft

Seine Hunde haben schon vielen Menschen geholfen - auch in der Eifel. Der TV stellt den Mann vor, der mit seinen Vierbeinern gelähmte Kinder, Senioren, aber auch Traumapatienten fördert und therapiert. Zu Besuch bei Hundetherapeut Gerd Thiel.

Brauneberg. Ein Holzhaus mit Blick in die Weinberge. Im Ofen knistert das Feuer, in der Ferne Hundegebell. Im Therapiezentrum von Gerd Thiel in Brauneberg an der Mosel steht in einer Ecke ein großes Schaumstoffbad und Hängematten schaukeln von der Decke. "Wir arbeiten sehr viel mit Hängematten. Die Bewegung stimuliert das Gehirn", erklärt der 43-jährige Hundetherapeut, der auch vielen Menschen in der Eifel hilft. Hauptsächlich arbeitet Thiel mit schwerst geistig- und körperbeeinträchtigten Menschen und Patienten im Wachkoma. Und dabei kommen nach dem Prinzip "Natur heilt" seine Hunde zum Einsatz.
In der "Therapiebegleitung auf vier Pfoten" legen die Tiere sich neben die Patienten, lassen sich streicheln oder lecken Hände. Thiel berichtet, dass sich oft innerhalb von wenigen Minuten Verkrampfungen lösen, Hände sich öffnen. Wichtig sei, die Hunde nicht durch Befehle zu steuern, sondern mit ihren Eigenarten zu arbeiten "Wir begrenzen kein Lebewesen, um einem anderen über Grenzen zu helfen."
Erst hatte er Angst vor Hunden


Als Therapiehund eignen sich grundsätzlich laut Thiel alle Rassen. Wichtig ist, dass das Tier gerne mit Menschen arbeitet. Jeder Hund habe andere Eigenschaften und werde entsprechend eingesetzt. Da ist zum Beispiel Paula, eine Münsterländer-Springer-Spaniel-Mischung. Sie sei eigenständig, oft unnahbar, sehr abhängig von ihrer Tagesform - und mit diesem Verhalten ideal zum Einsatz bei autistischen Kindern. Ganz anders Marie, eine Australian-Shepherd-Hündin, sein Sonnenschein, wie er sagt: Sie habe ein weiches Fell, zeige Menschen den Ruhepunkt und sei geeignet für den Einsatz bei Trauma-Patienten.
Gerd Thiel hatte als Kind Angst vor Hunden. Wenn sein Opa mit dem Hund kam, flüchtete er. Seinen Schulweg suchte er so aus, dass ihm unterwegs hoffentlich keiner der Vierbeiner begegnete. Doch gleichzeitig faszinierten ihn Hunde schon immer. So kam eines Tages Welpe Cindy ins Haus, eine Windhund-Dackel-Foxterrier-Mischung. 19 Jahre begleitete sie den 43-Jährigen durchs Leben. Nach Cindy kommen weitere Freunde auf vier Pfoten ins Haus: Jacky, dann Emma, Paula und Marie.
Doch damals kam es Gerd Thiel nie in den Sinn, die Hunde zum Beruf zu machen. Hubschrauberpilot wollte er werden und machte zunächst eine handwerkliche Ausbildung sowie den Segelflugschein. Doch nach einem Absturz hebt er nie mehr ab. Eine Ausbildung zum Bürokaufmann folgt, und die Erkenntnis: "Das ist noch immer nicht das Richtige. Ich will mit Menschen arbeiten."
Sie wollte nicht mehr leben


Thiel macht Abitur, studiert Sozialpädagogik und begegnet während eines Praktikums in der Kinder- und Jugendpsychiatrie einem Mädchen, das bereits mehrere Suizidversuche hinter sich hat. Über ihrem Bett hängt ein Foto von einem Dackel - Aufhänger für erste Gespräche und damit einen Zugang zu dem Mädchen.
Kurzerhand packt Thiel den kleinen Münsterländer Jacky in eine Tasche und schleust ihn immer wieder in die Einrichtung. Das Mädchen lebt auf - und Gerd Thiel wird rausgeschmissen. Seit dieser Erfahrung verfolgt er ein neues Ziel: Hundetherapie. Er lässt sich über mehrere Jahre ausbilden und ist inzwischen ein gern gesehener Gast in vielen sozialen Einrichtungen in der Eifel wie an der Mosel. wiwExtra

Mit seinem patentierten Therapiekonzept "DogTher" hat Gerd Thiel aus Brauneberg die Arbeit mit Vierbeinern professionalisiert. Zum bundesweiten Netzwerk von DogTher gehören 28 Therapeuten, darunter Logopäden, Pädagogen und Heilerziehungspfleger. Gerd Thiel besucht mit seinen Hunden etwa die Westeifelwerke, das Seniorenzentrum Limbourg\\'s Garten in Bitburg, die Treverer Schule Trier sowie den Kinderschutzbund. Zu ihm nach Brauneberg kommen Einzelpatienten und Gruppen. wiw