1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Von einem hochmütigen Schultheiß und einem listigen Abt

Geschichte : Von einem hochmütigen Schultheiß und einem listigen Abt

Welch böse Folgen Hochmut und Arroganz haben können, hat ein Eifeler Schultheiß im späten Mittelalter am eigenen Leib erfahren.

  Hochmut kommt vor dem Fall. Ein Paradebeispiel für die Wahrheit, die in diesem Spruch steckt, ist eine Geschichte aus dem späten Mittelalter, die in der Eifel spielt.

Sie findet sich in der Prümer Chronik von Pater Servatius Otler aus dem Jahr 1623, übersetzt von Aloys Finken (Prüm) im Jahr 2008. Der erheiternde Bericht über den findigen 42. Prümer Abt Robert von Virneburg (1476 bis 1513) zeigt, dass es stets einen gibt, der gegen Hochmut und falschen Stolz eine passende Antwort weiß.

Die Geschichte ereignet sich in dem kleinen Ort Salm nahe Mürlenbach im heutigen Landkreis Vulkaneifel. Dieser besteht nur aus einer  Handvoll Bauernhäuser, die zu Beginn ihres Bestehens der Abtei Prüm gehören. Im Güterverzeichnis der Abtei (803) wird der Ort Salmene oder Salmana genannt.

Das Prümer Kloster setzt zur Verwaltung ihres Lehens in Salm einen Schultheißen (Meier, Verwalter) ein, der für Recht und Ordnung, für die Einhaltung von dörflichem Frieden und vor allem für die Einziehung von Lehns- oder Pachtgeldern, vom sogenannten Zehnten, zu sorgen hat. Dafür erhält dieser mittelalterliche Bürgermeister anteilmäßig Lohn und Vergütungen, was ihn zu einem vermögenderen und einflussreicheren Mann von Salm macht.

Doch die Abtei Prüm verliert ausgangs des 15. Jahrhunderts immer mehr an Macht, Ansehen und Einfluss. In der Eifel breiten die Ritter und Burggrafen zu Manderscheid ihre Macht aus, erwerben viel Besitz in Salm, tendieren zunehmend zum protestantischen Glauben und machen dem Prümer Kloster seinen Einfluss streitig.

Der Schultheiß von Salm – es wird möglicherweise der „ehrbare Claßen Johann“ gewesen sein — wittert wohl Morgenluft und fühlt sich schon als kleiner selbstständiger Herrscher, was er in seinem Hochmut auch dem Prümer Abt beweisen will. So lädt der Großprotz auf provokante Weise seinen Herrn, den Fürstabt Robert von Virneburg ein –  ein Ereignis, über das in der Prümer Klosterchronik berichtet  wird.

Der sehr vermögende Schultheis von Salm empfängt und bewirtet den Prümer Abt mit sei­nem Gefolge aufs Beste. Es wird sogar ein Feuer mit Duftaromen entzündet.  Am Ende des Mahls fragte der stolze und arrogante Mensch den Herrn Abt noch, ob es ihm ein Vergnügen bereite, wenn ein schöner Tanzreigen gezeigt werde. Der Abt antwortete mit Ja. Da lässt der Schultheis die Schafställe öffnen, und einige hundert Lämmer springen her­aus.

Als diese da durcheinanderlaufen und Unordnung in der Gesellschaft verursachen, fragt der Schultheiß abermals auf ironische Weise: „Und? Fehlt noch etwas, was ich zur Unterhaltung beitragen kann?“ Da antwortete der Abt: „Ja, es fehlen noch ein Strick und ein Pfahl, um den Schultheis vor seinem Hoftor aufzuhängen! Denn das, was ich hier sehe und was mir dargeboten wird, beweist ein sehr großes Vermögen! Das allein hat er, der Schultheiß, sich nicht allein und auf rechtmäßige Art und Weise aneignen können.“ Das konnte nur geschehen, indem der Schultheiß ihn, den Abt, und die Abtei betrogen habe.

 Abt Robert von Virneburg reist verärgert ab. Doch damit nicht genug. Fortan lässt er also den Salmer Schultheißen und seine Lehnsabgaben überaus sorgfältig kontrollieren. Er entzieht ihm immer mehr Macht und Privilegien, kürzt Lehnsgüter oder nimmt sie gar weg. So lange,  „bis jener begriff, dass es einem Bauern nicht zustehe, sich über einen Fürsten lustig zu machen“.

Fürstabt Robert (Ruprecht) von Virneburg stirbt am 8. April 1513 bei einem Besuch in Schleiden. Er wird nach Prüm überführt und in der Klosterkirche bestattet. Seine Grabplatte befindet sich heute in der Marienkapelle der Prümer Basilika.