Von Engeln und Nussknackern

Von Engeln und Nussknackern

SCHALKENMEHREN. Besondere Advents- und Weihnachts-Atmosphäre herrscht bei den Hausfrauen Monika Maas und Marlies Lenerz in Schalkenmehren: Monika Maas sammelt mit Begeisterung Nussknacker- und Räuchermännchen; bei Marlies Lenerz ist eine große Engelschar zu bewundern. Die beiden unermüdlichen Sammlerinnen stellen Interessenten ihre Schätze auch gern während des ganzen Jahres vor, und dann wird Vorweihnachtsfreude geweckt.

Ein Stück Erzgebirge: Auf die Nussknacker- und Räuchermännchen hat Monika Maas schon vor 20 Jahren ein besonders Auge geworfen, als sie noch als Verkäuferin diese Gesellen in die Regale stellte. Nun hat sie mehr als 250 Stück zwischen fünf und 40 Zentimetern im gesamten Treppenhaus verteilt, und jeder "hölzerne Hausmitbewohner" hat stets seinen festen Platz. Zwei 40-Zentimeter-Männer bildeten die "Keimzelle" des lustigen Völkchens, das besonders durch seine Vielfalt auf sich aufmerksam macht: In der "Parade" stellen sich unter anderem Jäger- oder König-Nussmänner vor, und bei den Räuchermännchen sind nicht nur viele Berufsstände wie Gärtner, Bauer, Schmied oder Holzfäller, sondern auch Angler und andere Naturkameraden zu entdecken. "Die feine Machart und der exakte Zusammenbau faszinieren mich", begründet die 52-Jährige ihre Leidenschaft an der bunten Welt, zu der ihr Fahrten zum Stritzelmarkt nach Dresden, in den Bayerischen Wald oder ins gesamte Bundesgebiet verholfen haben. Natürlich fehlen auch Eifel-Exemplare nicht. "Ich habe mit den Figuren noch nie eine Nuss geknackt, weil sie zu schade zum Gebrauch sind, und jeden Sonntagmorgen ist Putzdienst mit Zahnbürste und Pfeifenputzer. Dann werden auch die schlohweißen Haare gekämmt, die herrlich bunten Körperteile poliert", erklärt Monika Maas, deren Sammelwut sich nicht bändigen lässt. Hat sie einen persönlichen Ehrentag, oder steht ein Jahresfest an, befindet sich unter ihren Geschenken garantiert ein noch fehlendes, buntes Sammelstück. Besonders stolz ist sie auf den "Jean Todt-, den Ferrari- Chef-Knacker", denn sie ist auch ein großer Motorsportfan. Ihr ganzes Repertoire hat sie sich bestens eingeprägt, auch wenn Enkelin Oma Monika bei jeder Gelegenheit mit neuen Gaben versorgt. "Wir helfen gerne beim Sammeln, aber für mich fallen oft pingelige Kleinreparaturen an", äußert sich Ehemann Walter mit verhaltener Freude. Sohn Thorsten, ein Allroundhandwerker, wird demnächst einen Spezialauftrag erhalten. "Er muss mir einen lebensgroßen Nussknackermann bauen, den wir aus Platzmangel vom Erzgebirge nicht nach Schalkenmehren transportieren konnten", wünscht sich die sammelfreudige Frau aus dem Drei-Maare-Dorf Schalkenmehren, die sich zudem mit antiken Kaffeemühlen beschäftigt.Eine Engelschar wie auf dem Hirtenfeld

Bei Marlies Lenerz am anderen Dorfende haben fast 100 verschiedene Engel in verschiedensten Variationen in einer Extra-Vitrine und im gesamten Wohnbereich ihre Heimat gefunden, deren Standorte sich in der Advents- und Weihnachtszeit jedoch ändern können. Marlies Lenerz sammelt seit 1981 die Himmelsboten, seitdem sie sich in einer Bäckerei zum Kauf von zwei Engeln mit himmelblauen Gewändern entschlossen hatte. "Alle Engel gefallen mir mit ihren verschiedenen Gesichtern und den vielsagenden Gesichtsausdrücken", erklärt die Hausfrau ihr Hobby. "International" ist die Engelschar, denn ihre Mitglieder stammen aus der Heimat, aus Spanien, Südtirol, Ungarn, Frankreich, Italien oder Sizilien. Die 70-Jährige kennt jeden ihrer "Beschützer", hat jedoch zur Sicherheit auf den Sockel der Engel "Stammdatum" und Herkunft geschrieben. Es gibt viel zu sehen: da gesellen sich zu Terrakotta-Figuren handgeschnitzte Holzexemplare oder Göbel-, Porzellanengel, Engeltassen, pausbäckige singende und musizierende, rothaarige, verliebte, weinende, tröstende Engel, sitzend, stehend, liegend oder hockend. Auch ein schwarzer, afrikanischer Geselle ist dabei, ein Engel mit echter Glocke, einer mit Uhr und einer mit Melodienspielwerk. Und auf der Eckbank steht das Buch mit einem Schutzengel und mit dem Titel "Engelsbotschaften der Gesundheit". Um die Aufstockung ihrer Schätze braucht sich die Schalkenmehrenerin nicht zu sorgen. "Ich selbst sorge für Nachschub, und meine Familie und Bekannte, Freunde und Nachbarn wissen stets, was ich mir noch wünsche", freut sich der Engelfan, der auch eine erlebnisreiche Geschichte erzählt. "In einem alten Bauernhaus hatte ich einen Engel entdeckt, der unbeachtet schon tiefes Schwarz angesetzt hatte und dessen Alter auf mehr als 100 Jahre geschätzt wird. Dieses besondere Stück hatte es mir angetan, aber ehe ich doch noch unerwartet durch ein Geschenk zur Eigentümerin wurde, verging noch viel Zeit. Nachdem ich den antiken Burschen in ein Spezialbad gesteckt hatte, leuchtete und strahlte er mit alter Kraft, und natürlich hat er einen Ehrenstandort. Dort strahlt er in ehrfürchtiger, besonderer Schönheit." Noch ist im Wohnhaus "Zum Scheid 7" Platz, und Marlies Lenerz hält bei jeder Gelegenheit weiter Ausschau nach Zuwachs für ihr "himmlisches Sortiment". Enkelkind Vanessa, die bisher Pferde sammelte, hat schon gefragt: "Oma Marlies, darf ich deine Engel nachher einmal erben?" Nussknacker- und Engelliebhaber sind im Hause Maas und im Hause Lenerz in Schalkenmehren herzlich willkommen.

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