Von fliegenden Augen ausgespäht

Kostenpflichtiger Inhalt: Eifeler Polizei ermittelt wegen illegaler Drohnenflüge : Drohnen über der Eifel: Von fliegenden Augen ausgespäht

Sie schauen in Krankenzimmer und Privathäuser, stören Wildtiere und den militärischen Flugbetrieb: Auch in der Eifel werden private Drohnen zum Problem, weil sie über verbotenem Terrain fliegen. Die Suche nach den Piloten gestaltet sich für die Polizei allerdings schwierig.

„Da, draußen fliegt eine Drohne.“ Sigrid Heinemann hält es zunächst für einen Scherz, als ihr Mann ihr von dem Fluggerät in ihrem Garten erzählt. Bis sie das schnarrende Ding selbst sieht, keine fünf Meter vom Haus entfernt. Heute findet sie die Sache überhaupt nicht mehr zum Lachen. „Man fühlt sich nicht wohl, wenn man beobachtet wird“, sagt die Herforsterin.

Denn es blieb nicht bei einem ungebetenen Besuch. Seit dem Vorfall Anfang Januar hat die Ortsbürgermeisterin das fliegende Auge einige Male in Herforst gesehen. Und auch andere Bürger berichten von dem Mini-Helikopter mit den roten und grünen Lämpchen, der surrend wie ein Wespenschwarm über Wäldern, Feldern und Dächern kreist.

Es ist nicht das erste und nicht das einzige Mal, dass private Drohnen in der Eifel für Ärger sorgen. Immer wieder steigen die Fluggeräte über verbotenem Terrain in die Lüfte. Dazu zählen laut Drohnenverordnung zum Beispiel Wohngebiete, wie in Herforst, Naturschutzgebiete, militärische Anlagen, Gefängnisse, Kraftwerke und Krankenhäuser.

Auch die Marienhaus-Klinik in Gerolstein hat vergangenes Jahr schlechte Erfahrungen gemacht (der TV berichtete). Einige Male spähte ein Flugroboter in Krankenzimmer hinein. Im August 2019 beschwerten sich Einwohner des Wohngebietes Am Brückelchen über eine Drohne, die ihren Häusern etwas zu nahe gekommen war. Die Piloten konnten laut Polizei Daun nicht ermittelt werden.

Der Bitburger Dienststellenleiter Christian Hamm bestätigt: Die meisten Drohnen hätten zwar nur eine geringe Reichweite. Dennoch sei es oft schwierig, die Menschen am Steuer zu ermitteln.

Dass Bürger bei der Inspektion anriefen und sich über Drohnen beklagten, komme hin und wieder vor. „Im Sommer fühlten sich einige Eifeler beim Sonnenbaden im Garten gestört“, erinnert sich der Polizeichef. Auch der Flugplatz Spangdahlem habe sich mehrfach an die Polizei gewandt, als Drohnen zu dicht an die Base herangekommen seien.

Die Tendenz solcher Vorfälle: „Eher steigend“, sagt Hamm. Denn weil die Geräte günstiger werden, nutzen immer mehr Menschen die Technologie. „Das wird uns in Zukunft sicher noch mehr beschäftigen“, meint der Dienststellenleiter, für den die Drohnen eine zwiespältige Angelegenheit sind.

Auf der einen Seite hätten die Geräte für die Ermittler praktischen Nutzen – etwa bei der Suche nach Vermissten oder bei der Einschätzung eines Unfallgeschehens aus der Luft. Aber es gebe eben auch die Kehrseite, dass Privatleute mit den Geräten in die Privatsphäre von Personen, Einrichtungen und Unternehmen eindringen können.

Doch nicht nur Menschen fühlen sich durch Drohnen gestört, sondern auch Tiere. Für Rothirsche, Rehe oder Wildschweine etwa seien die Geräte „ein erheblicher Beunruhigungsfaktor“, sagt Bernhard Dickmann vom Nationalpark Eifel: Wenn sich einer der surrenden Roboter nähere, ergriffen sie die Flucht. Was besonders jetzt im Winter problematisch sei, wenn die Vierbeiner eigentlich Kraftreserven schonen müssen.

Auch der seltene Schwarzstorch fühle sich durch die kleinen Helikopter bedroht. Durch die Geräte könnten die Vögel sogar davon abgehalten werden, auf bekannte Horste zurückzukehren.

Deswegen ist es verboten, Drohnen über Naturschutzgebieten wie dem Nationalpark fliegen zu lassen. Doch laut Dickmann gibt es Piloten, die sich nicht an Regeln halten: „Insbesondere im Bereich der Dreiborner Hochfläche sind in jüngster Zeit immer wieder mal Überflüge beobachtet worden.“

Wenn jemand dabei erwischt wird, kann es teuer werden. Ein Sprecher des Landesbetriebs Mobilität Rheinland-Pfalz schreibt: Solche Ordnungswidrigkeiten könnten in Einzelfällen mit bis zu 50 000 Euro Bußgeld geahndet werden. Doch dafür muss man die Täter erst mal ausfindig machen.

Auch Sigrid Heinemann hatte bislang wenig Glück bei der Suche nach dem Spion. Einmal sei sie der Drohne eine Weile lang gefolgt. Doch irgendwann habe sie die Spur verloren. Das Fazit der Herforsterin: „Es ist aussichtslos.“