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Von Knochenschüttlern und stolzen Kindern

Von Knochenschüttlern und stolzen Kindern

PRÜM. Der autofreie Erlebnistag "Lustiges Prümtal" ist und bleibt ein Publikumsmagnet: Bei strahlendem Sonnenschein sind tausende Teilnehmer bei der neunten Auflage des Spektakels zwischen Olzheim und Waxweiler durch das Prümtal geradelt, geskatet oder geritten.

Sonntags, halb elf, zwischen Pronsfeld und Watzerath: Das Prümtal zeigt sich von seiner idyllischsten Seite - die Sonne strahlt, und am Himmel ist keine einzige Wolke zu sehen. Hier und da sind Fahrradfahrer unterwegs, während in den Bäumen die Vögel zwitschern. Ansonsten herrscht noch absolute Stille. Um die Kurve kommt ein Lastwagen der Milchunion den Radelnden entgegen. Moment mal: Hieß es nicht, die Strecke sei für Kraftfahrzeuge gesperrt? Nun ja, die Milch im Kaffee möchte morgen früh auch niemand missen, und so drücken die Radfahrer, Skater und (wenigen) Wanderer ausnahmsweise ein Auge zu. Waschbrett-Musikanten und Monty Python

Je später es wird, desto turbulenter und lebendiger wird der autofreie Erlebnistag. Der Musikverein "Lyra" Waxweiler spielt im eigenen Dorf, während in Pronsfeld die "Waschbrett-Musikanten" aus Belgien gastieren. Ein besonderes Highlight erwartet die Teilnehmer in Prüm: "Bob Kerr and his Whoopee Band" liefern mit ihrem Tribut an die britischen Komiker von "Monty Python" eine witzige und verrückte Show. Der meistfotografierteste Mann des Tages ist trotzdem eindeutig Georg Konder. Wo der Trierer mit seinen nostalgischen Fahrrädern "wie anno dazumal" auftaucht, sind ihm erstaunte Blicke sicher. Mit dem Nachbau eines Fahrrads von 1880 mit riesigem Vorderrad und winzigem Hinterrad radelt er zwischen Prüm und Pronsfeld hin und her. Wer Lust hat, kann am Ortseingang von Prüm auch selber ran, sei es auf dem Hochrad, dem Laufrad oder dem Fahrrad mit acht Rädern. Für manchen Interessierten entpuppt sich allerdings schon der Aufstieg auf diese skurrilen Gefährten als unüberwindbares Hindernis. Konders Hochrad stößt überall auf Begeisterung - das Logo einer saarländischen Brauerei auf der Lenkstange findet aber weitaus weniger Sympathisanten. Donnie Suszka kümmert das recht wenig. Sie kommt aus dem niederländischen Enschede und ist bei Verwandten in Niederprüm zu Besuch. Furchtlos setzt sie sich auf Konders hölzernes Laufrad, das eine Vorstufe des heutigen Fahrrads ist und im Jahr 1817 erfunden wurde. Nach ein paar Metern ist die Fahrt jedoch schon vorbei, und das Laufrad - auch "Knochenschüttler" genannt - wird von ihr als "mehr als unbequem" eingestuft. Den autofreien Erlebnistag hingegen findet sie ausnahmslos gut: "Bei uns in Holland ist man ja an Fahrradfahrer gewohnt, hier sieht man das sonst eigentlich weniger. Heute sind keine Autos unterwegs, das Wetter ist toll und die Gegend wunderschön - einfach herrlich." Besonders charmant findet Donnie Suszka die Stände mit kulinarischen Leckerbissen an den Straßenrändern: "Das verbreitet so eine gemütliche Atmosphäre." Ob das auch für die rund 60 Forellen gilt, die an einem Stand in Watzerath an einer Schnur aufgefädelt sind und nun darauf warten, geräuchert zu werden? Bereits kurz hinter dem Ortsschild strömt den Teilnehmern Forellenduft entgegen. Da erübrigt sich Werbung für diesen Stand von ganz alleine. Gerade in Watzerath angekommen ist der sechsjährige Florio Frensch aus Prüm. Ganz offensichtlich ist er stolz wie Oskar: Zum ersten Mal fährt er mit seinem eigenen Fahrrad mit. Zwar war er schon ein paar Mal beim Lustigen Prümtal dabei, "doch bisher immer nur auf dem Kindersitz", wie Papa Berthold erzählt. In Prüm sind sie gestartet, und bis Watzerath hat es Florio mit eigener Muskelkraft schon geschafft. Klar, dass es ihm "richtig gut" gefällt. Fahrräder und Inlineskates sind übrigens nicht die einzigen Fortbewegungsmittel an diesem Tag. Zwischen Niederprüm und Weinsfeld ist eine Gruppe Reiter hoch zu Ross unterwegs, und in Prüm und Pronsfeld ist Ponyreiten angesagt. In Pronsfeld wird zudem ein Heißluftballon aufgeheizt. Aus der Luft muss das ein Anblick sein, den die Mitfahrenden nicht alle Tage haben: Mehr als 20 000 Menschen rollen, radeln und reiten zwischen Olzheim und Waxweiler.