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Von Leipzig zurück in die Eifel

Von Leipzig zurück in die Eifel

Mathieu Molitor, geboren 1873 in Pickließem bei Bitburg, war gefragter Auftragskünstler in Leipzig, er schuf unter anderem die dort als Kultobjekt geltende Skulpturengruppe Faust und Mephisto. Anlässlich seines 80. Todesjahres ist erstmals eine umfassende Werkschau des zwischenzeitlich vergessenen Malers, Bildhauers und Grafikers zu sehen - im vor 80 Jahren gegründeten Kreismuseum Bitburg. Heute wird die Ausstellung eröffnet.

Bitburg. Mathias Molitor wurde am 23. Mai 1873 als ältestes von neun Kindern des beim Eisenbahnbau tätigen Tagelöhners Johann Molitor und seiner Frau Marie, geb. Bruch im kleinen Eifelort Pickließem geboren - nicht die besten Voraussetzungen für eine Künstlerkarriere. Seine Mutter erkannte und förderte zwar sein Talent, mit dem Vater aber kam es darüber zum Bruch.

Molitor erkämpfte sich den Weg zur Kunst



Als 17-Jähriger verließ er daher die Heimat, arbeitete bei einem Kölner Dekorationsmaler, ging dann an die Kunstschule Weimar und ließ sich schließlich 1898 als Auftragskünstler in Leipzig nieder. "Er musste sich seinen Weg zur Kunst erkämpfen", sagt die Kuratorin der Ausstellung, Birgit Hartung, vom Museum für bildende Künste in Leipzig, das einen Großteil der Exponate zur Verfügung gestellt hat und eine Rolle in Molitors Leben spielte. Denn dessen Direktor um 1900, Professor Julius Vogel, verhalf dem Künstler zu einem Stipendium für Studien der antiken Plastik in Rom 1904 bis 1908, in deren Folge er - zurück in Leipzig - mit großen Aufträgen wie der berühmten Skulpturengruppe "Faust und Mephisto" am Auerbachs Keller betraut wurde. Sein Schaffen war vielseitig. Er malte, zum Beispiel die dank Unterstützung des Lexus-Forums Bitburg restaurierten und der Ausstellung zugeführten Porträts seines Mäzens und Mitinhabers des Musikverlags Breitkopf und Härtel, Ludwig Volkmann und dessen Frau Henriette.

Ruhm blieb zu Lebzeiten aus



Früher als andere verkörperte er den Typus des Designers, entwarf Möbel, Vasen oder Tafelaufsätze, sogar ganze Villenausstattungen und arbeitete als Werbegrafiker. Der stellvertretende Leiter des Museums für bildende Künste Leipzig, Richard Hüttel, schreibt dazu im Katalog: "Ohne dass er dem 1907 gegründeten Deutschen Werkbund angehört hätte, löste er dessen Ziel eines Zusammenwirkens von Kunst, Industrie und Handwerk ein."

Sein den Formidealen der Zeit, Jugendstil und Neoklassizismus verpflichteter Stil war sehr gefragt, doch sein Einzelgängertum erschwerte Molitor den Erfolg. Hüttel schreibt: "Obwohl man seine Entwürfe zur Ausmalung des im Jahre 1900 vollendeten Künstlerhauses in der Leipziger Bosestraße für die besten hielt, bekam er nicht den Auftrag - er war nicht Mitglied des Leipziger Künstlervereins."

Auch Nachruhm blieb aus. Schon als er am 13. Dezember 1929 in der Pflegeanstalt Leipzig-Dösen an einem Gehirnschlag starb, war er weitgehend vergessen. Ein Großteil seines Werks ging im Zweiten Weltkrieg unter; was blieb, ist bis Südafrika verstreut. Die in Kooperation von Kreismuseum, Medienzentrum und Volkshochschule des Eifelkreises Bitburg-Prüm mit dem Leipziger Museum entstandene Ausstellung will Molitor endlich angemessen würdigen.

Werke sind bis Südafrika verstreut



Mit über 100 zum Teil nach akribischen Recherchen zusammengetragenen Exponaten erschließt sie nach Aussage ihres Gesamtleiters, Burkhard Kaufmann, vom Kreismuseum Bitburg-Prüm, "ein Werk, das bislang noch nie in diesem Umfang zu sehen war".

Die Ausstellung wird heute (29. April) um 19.30 Uhr im großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung und anschließend im Kreismuseum Bitburg eröffnet und ist bis zum 16. August zu sehen.

Weitere Informationen zu der Werkschau im Kreismuseum Bitburg-Prüm, Trierer Straße 15, 54634 Bitburg, Telefon 06561/683888, im Internet unter www.kreismuseum-bitburg-pruem.de. Öffnungszeiten: täglich (außer dienstags) 14 bis 17 Uhr sowie montags, mittwochs, donnerstags, freitags 10 bis 13 Uhr. Führungen: sonntags, 3. Mai, 17. Mai, 14. Juni, 12. Juli und 16. August, jeweils um 15 Uhr.