Von Plastikmüll, Inklusion und Papierfliegern

Jugend forscht : Von Plastikmüll, Inklusion und Papierfliegern

Die Besucher der Wettbewerbe „Jugend forscht“ und „Schüler experimentieren“ konnten über viele interessante Projekte und Experimente staunen. Für die Sieger geht es nun in die nächste Runde.

Wie muss ein Papierflieger aussehen, um möglichst weit zu fliegen? Diese Frage hat sich Joshua Thelen von der gestellt und insgesamt sechs Papierflieger in drei verschiedenen Faltweisen gebastelt. Jeweils mit 80 Gramm und mit 100 Gramm starkem Papier. Damit die Resultate jedes Mal gleich sind und nicht etwa vom Wurf abhängen, hat er eine Abschussrampe gebaut. Am besten hat sich der Klassiker unter den Papierfliegern geschlagen. Mit über sieben Metern bei Windstille erzielte er die längste Weite.

Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Spiel, ist eigentlich ein physikalisches Experiment. Joshua Thelen weiß einiges über aerodynamische Prozesse, die hinter seinem Versuch stecken, und zeigt auch bei der Auswertung seiner Daten wissenschaftliche Genauigkeit.

Die Stadthalle in Bitburg war voll von Kindern und Jugendlichen wie Joshua, die Alltägliches genauer unter die Lupe nehmen wollen. Davon zeigt sich auch Jan Niewodniczanski beeindruckt. Für den Bitburger Brauereichef, der selbst aus einer Wissenschaftlerfamilie stammt, ist der Wettbewerb eine Herzensangelegenheit. „Ich finde wichtig, dass es für wissenschaftlich begeisterte Jugendliche eine Veranstaltung gibt, bei der sie sich austoben können“, sagt er.

Wissenschaft sei schließlich wichtig für unser Land und unsere Zukunft: „Wir wollen den Nachwuchs-Fachkräften zeigen, dass Wissenschaft und Technik keine trockene Materie, sondern spannende Themen sind, denen gerade in Zeiten des Klimawandels höchste Bedeutung zukommen. Wer sich für eine Laufbahn in diesen Bereichen entscheidet, wird vielleicht die Welt verändern und hoffentlich wieder geradebiegen können.“

In diesem Jahr stehen tatsächlich viele Projekte im Zeichen der Nachhaltigkeit. Maya Merkelbach, Schülerin des Thomas-Morus-Gymnasiums Daun, hat sich des Problems des Plastikmülls angenommen. Speziell geht es um Wegwerfprodukte im Schreibwarenbereich. Füllerpatronen, Einwegkullis und -tintenroller. Sie hat selbst Daten an ihrer Schule erhoben, die sie ausgewertet und auf ganz Deutschland hochgerechnet hat. So werden laut der Schülerin jedes Jahr 354 Millionen Einweg-Tintenpatronen an Schulen in Deutschland benutzt. „Mit der Tinte kann man drei Striche über die gesamte chinesische Mauer ziehen“, erklärt Maja Merkelbach. Sie macht auf ein Problem aufmerksam, für das es, zumindest im Bereich der Tintenpatronen, eine Lösung gibt. Nämlich einige Firmen bieten bereits wiederbefüllbare Patronen, sogenannte Konverter, und Tintenfässchen für ihre Füller an. Sie hat für ihr Projekt einen Apparat gebaut, mit dem der aufwendige Prozess des Auffüllens automatisiert werden kann.

Das Projekt von Noah Schmitt vom Thomas-Morus-Gymansium Daun widmet sich einem gesellschaftlichen Problem mit Technik. Er hat ein Klettergerüst speziell für Behinderte konzipiert, für das die Nutzer lediglich die Arme benötigen. Beim Klettern würden sie dann von einem Lift assistiert. Der Schüler hat dafür ein voll funktionales Modell gebaut und programmiert, das seine Idee gut umsetzt.

Leider war es einigen Schülern wegen des Sturms nicht möglich, die Veranstaltung zu besuchen. Dennoch waren viele Teilnehmer vor Ort. 68 Jugendliche stellten insgesamt 38 Projekte vor. Die Gewinner sind:

Schüler experimentieren (Altersklasse bis 14): Fachgebiet Arbeitswelt: „Tintenfass 2.0 – Umweltschutz mit dem guten alten Tintenfass“ von Maya Merkelbach, Thomas-Morus-Gymnasium, Daun. Fachgebiet Biologie: „Kleine Insekten große Architekten“ von Merle Stamer und Finlay Kraus, St.-Matthias-Schule, Bitburg. Fachgebiet Chemie: „Kann eine Creme aus natürlichen Substanzen die Bedürfnisse der Haut effektiv erfüllen?“ von Felix Dervillez, St.-Willibrord-Gymnasium, Bitburg. Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften: „Wie können wir Wasser so filtrieren, dass wir es wieder trinken können?“ von Charlotte Kraus und Dóra Molnár, St.-Willibrord-Gymnasium, Bitburg. Fachgebiet Mathematik/Informatik: „Alles Nullen und Einsen“ von Cajus Amadeus Zanoth, Max-Planck-Gymnasium, Trier. Fachgebiet Physik: „Anaglyphen: Dreidimensionale Bilder“ von Felix Turmann und Leon Grüber, St.-Matthias-Schule, Bitburg. Fachgebiet Technik: „Ferngesteuertes Kettenfahrzeug“ von Nicolas Weyand, Moseltal-Realschule plus, Trier.

Jugend forscht (Altersklasse 15-21): Fachgebiet Biologie: „Das flatternde Insektizid – Fledermäuse“ von Constantin Fuchs, Freiherr-vom-Stein Realschule plus, Bernkastel-Kues. Fachgebiet Chemie: „Saures aus dem Gemüsebeet… – Oxalsäure im Rhabarber“ von Anna-Lena Ostermann, Regino-Gymnasium, Prüm. Fachgebiet Technik: „No Eye? Smart Eye!“ von Silas Thölkes, Jan Lichter und Yannick Weiers, Regino-Gymnasium, Prüm.

Die Erstplatzierten dieses Regionalwettbewerbs treten nun im Landeswettbewerb gegen Schülerprojekte aus den übrigen Regionen von Rheinland-Pfalz an. Die Sieger von „Schüler experimentieren“ am 7. und 8. Mai in Ingelheim am Rhein, die „Jugend forscht“-Gewinner vom 31. März bis 2. April in Ludwigshafen.