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Von Rot auf Grün: Badem nimmt Fahrt auf

Von Rot auf Grün: Badem nimmt Fahrt auf

In Badem tut sich was: Ortsbürgermeister Bernhard Klein (CDU) hat nicht viel Zeit, sich in sein neues Amt einzuleben, denn die ersten Projekte stehen an. Zurzeit wird die 30 Jahre alte Gemeindehalle für rund eine Million Euro erweitert, modernisiert und energetisch saniert.

Badem. Die Bademer haben ihre Schockstarre nach der geplatzten Bürgermeisterwahl im Juli überwunden. Nachdem der urgewählte Kandidat Albert Weber sein Amt nicht angetreten hat, stellte sich Bernhard Klein (CDU) zur Wahl und wurde mit überwältigenden 90,1 Prozent der abgegebenen Stimmen belohnt.
Doch der selbstständige Unternehmer für Heizungs-, Sanitär- und Umwelttechnik hatte nicht lange Zeit, sich auf den Vorschusslorbeeren auszuruhen, denn Badem nimmt seit eineinhalb Jahren am Dorferneuerungsprogramm teil. "Ein sehr ernstes Thema", sagt Klein, denn Badem habe sich in den vergangenen 25 Jahren sehr im Außenbereich entwickelt, 120 neue Baustellen wurden angelegt, die sehr schnell an den Mann gebracht worden seien. Dafür bestehe aber im Innenbereich Nachholbedarf.
Späte Dorfentwicklung


"Im alten Ortskern gibt es eine Menge Bauernhäuser, in denen viele ältere Menschen leben. Da kommt eine Lawine von Leerständen auf uns zu, wie in vielen anderen Dörfern auch", befürchtet Klein. "In einem Dorf sollte um die Kirche herum noch alles in Ordnung sein - bei uns steht die Ampel auf Rot. Meiner Meinung nach haben wir mit der Dorfentwicklung zehn Jahre zu spät angefangen."
Das sind deutliche Worte des neuen Dorf-Chefs, der kommunalpolitisch gesehen ein alter Hase ist. Seit 1984 engagiert er sich im Gemeinderat, davon seit 22 Jahren als Erster Beigeordneter. "Die Stimmung im Rat ist im Moment sehr positiv", sagt der 58-Jährige, der froh ist, dass nun alle Posten in den Ausschüssen einvernehmlich besetzt worden sind.
Für die neue, verjüngte Mannschaft gibt es viel zu tun. Momentan wird die 30 Jahre alte Gemeindehalle für rund eine Million Euro energetisch saniert und erweitert. "Die Halle wird täglich von unserem Kindergarten und den Vereinen genutzt", erklärt Klein. Da es im Ort keine Gastronomie mehr mit einem großen Saal gibt, wird ein etwa 100 Quadratmeter großer Raum angebaut, der für private Feiern genutzt werden kann. Das Land hat in Aussicht gestellt, die Kosten mit 60 Prozent zu fördern. 60 000 Euro müssen an Eigenleistung erbracht werden. Klein rechnet damit, dass der Umbau bis Oktober 2015 fertig sein wird.
Um die Betriebskosten für die Halle möglichst gering zu halten, veranstalten die 14 Vereine jährlich ein Brunnen- und Backfest, dessen Erlös für die Nebenkosten verwandt wird. "Ein beeindruckender Zusammenhalt, da stehen alle auf der Matte", lobt Klein.
Neben der Gemeindehalle sollen noch drei innerörtliche Straßen ausgebaut werden. Zunächst werden Auf Langgarten und Stollergarten auf Vordermann gebracht, später die Poststraße. Außerdem soll im alten Ortskern ein großer Spielplatz angelegt werden. Die vielen kleinen Spielflächen im Außenbereich würden dann dafür reduziert. "Den neuen Spielplatz wollen wir attraktiv gestalten, damit die jungen Familien wieder vermehrt den Weg ins Dorf finden", sagt Klein.
Defizit im Haushalt


Entwicklungsbedarf sieht der gebürtige Bademer auch im Gewerbegebiet (IGZ) Badem, das dem Ort jährlich 80 000 Euro Zinslast beschert. Die Vermarktung sei in der Vergangenheit sehr schwierig gewesen, doch die Ansiedlungen kleinerer Handwerksbetriebe im vergangenen Jahr lassen Klein hoffen.
Das wäre auch gut für den Haushalt, denn der weist ein Gesamtdefizit von 2,3 Millionen Euro aus. Viel zu tun für den neuen Mann und seine Mannschaft. "Im Augenblick habe ich mehr als drei Stunden täglich mit den Belangen der Ortsgemeinde zu tun", sagt Klein, der aber optimistisch in die Zukunft blickt. Schließlich sei er Idealist. "Irgendwann möchte man Verantwortung übernehmen - da ist einem nicht mehr alles egal, was im Ort passiert."Extra

Die Gemeinde Badem hat knapp 1200 Einwohner. Im Dorf befinden sich unter anderem ein Kindergarten mit drei Gruppen, zwei Allgemeinmediziner, ein Zahnarzt, eine Apotheke, zwei Banken, ein kleiner Supermarkt, ein Sportplatz und eine Gemeindehalle. Insgesamt gibt es rund 50 Gewerbebetriebe. sn