Von Spätbarock bis Wiener Klassik

Von Spätbarock bis Wiener Klassik

GEROLSTEIN. Erste Probe im Mai 2005, erstes Konzert im Januar 2006: Das von Dekanatskantor Wolfgang Merkes gegründete und dirigierte Sinfonieorchester Gerolstein hat sein Debüt in der St.-Anna-Kirche vor etwa 250 Zuhörern mit Bravour gemeistert.

"Das ist das Beste, das Gerolstein musikalisch seit langem passiert ist", bringt es Josef Simons beim Verlassen des "Konzertsaals" St.-Anna-Kirche auf den Punkt. "Mir hat das Konzert sehr gefallen, und die Initiative von Wolfgang Merkes ist höchst lobenswert", sagt der pensionierte Schulleiter. 70 Minuten zuvor hatten 25 Jugendliche, Frauen und Männer vor der Orgel Platz genommen, und Wolfgang Merkes hatte zum ersten Mal vor Publikum seinem Sinfonieorchester den Einsatz gegeben. Offensichtlich mit Freude, Frische und Unbeschwertheit. Merkes' angestammten Platz an der Weimbs-Orgel nahm Gerd Pitzen ein; der Kantor des Dekanats Remagen gab einen ausgezeichneten Vorgeschmack auf sein Orgelkonzert an gleicher Stelle am 19. März. Gerade mal acht Monate istes her, dass sich Instrumentalisten aus der Eifel zur ersten Probe um den Dekanatskantor versammelt hatten (der TV berichtete). Sehr kurze Vorbereitungszeit

Die Orchesterliteratur für das jetzige Konzert lag erst seit Oktober auf den Notenständern. Gespielt wurden Stücke aus der Zeit vom Spätbarock bis zur Wiener Klassik, aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, aus der Feder der Komponisten Franz Xaver Brixi, William Boyce, Franz Christoph Neubaur, Karl Blasius Kopriva und -wichtigster Einflussgeber auf den jungen Mozart - Johann Christian Bach. Klug war die Komposition des Programms: Da die ausgewählte Musik stilistisch relativ einheitlich ist, wurde die Besetzung im Laufe des Konzerts mehrfach geändert. Die volle Besetzung spielte am Anfang und am Schluss, dazwischen wurden von den Solisten Judith Willmes, Willi Glössner, Karin Feils und Karl Feils (Violine) sowie Mechthild Roller (Querflöte) Kammermusikwerke aufgeführt. "Die Musik macht mir Spaß, und das Orchester macht mir Spaß", sagt Wolfgang Merkes. Der 46-Jährige ist seit 1983 musikalisch im Gerolsteiner Land tätig, aktuell als Organist in zwei Pfarrgemeinden, als Leiter von fünf Chören und eines Bläserkreises, als Kantor im Dekanat Gerolstein-Hillesheim und nun als Dirigent eines Sinfonieorchesters. Letzteres auf die Beine zu stellen, war ein lang gehegter Wunsch Merkes'. "Es war sehr interessant zu erleben, wie sich ein Ensemble findet, und es blieb spannend bis zum Schluss, wer beim Konzert tatsächlich mitwirkt", erklärt er. Angesichts des heftigen Beifalls und der vielen Komplimente bleibt Wolfgang Merkes bescheiden, kann aber seine Genugtuung nicht verhehlen: Er strahlt vor Freude. Dass ihr Vater der Dirigent des Sinfonieorchesters ist, findet Dorothea Merkes toll. Die 17-Jährige spielt Querflöte in dem Ensemble.Noch Stellen im Orchester zu besetzen

Die Zusammenarbeit mit zwei Dutzend weiteren Instrumentalisten mache ihr nach mehrjährigem Einzelunterricht sehr viel Spaß, sagt sie. Ähnlich geht es dem 14-jährigen Damian Rütz aus Birgel. Obwohl er schon länger bei den Hubertus-Bläsern seines Heimatdorfes mitmache, sei das Bariton-Spielen im Sinfonieorchester eine völlig neue, sehr wertvolle Erfahrung. Allem Erfolg des ersten Konzerts zum Trotz: Wolfgang Merkes hat noch einige "Planstellen" in seinem Orchester zu vergeben. Er sucht noch Geigen, Celli, Oboen und ein weiteres Fagott. Die Proben sind samstags von 10 bis 12 Uhr im Pfarrheim Gerolstein. Kontakt: Wolfgang Merkes, Telefon 06591/983816.