Von Tasten und Talenten

Junge Talente zeigen beim Bitburger Klavierwettbewerb am ersten Oktoberwochenende wieder ihr Können. Was Kulturamtsleiter Herbert Fandel vor mehr als 20 Jahren ins Leben rief, hat heute unter Pianisten-Nachwuchs internationale Bedeutung.

Bitburg. Flügel müsste man sein. Und zwar einer der beiden, die am ersten Oktoberwochenende im Festsaal des Hauses Beda stehen, wenn sich dort wieder junge Pianisten einfinden, um an den Tasten miteinander zu wetteifern. Dann entginge einem nicht ein einziger Ton.
Denn die sind wirklich hörenswert: Die kleinen Spieler, die beim Bitburger Klavierwettbewerb mitmachen, haben's richtig drauf. Und der jüngste ist gerade einmal sechs Jahre alt. Bereits mehr als 30 Anmeldungen aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland gebe es, erzählt Kulturamtsleiter Herbert Fandel.
Es ist ein Wettbewerb, der seinem Gründer sehr am Herzen liegt: Erstmals sind im Jahr 1993, als Fandel noch stellvertretender Leiter der Kreismusikschule war, junge Menschen angetreten - damals handelte es sich noch um ein Angebot nur für die Klavierschüler der Einrichtung. "Wir haben aber bald gemerkt, dass wir in Bitburg die Möglichkeiten für etwas ganz Großes haben", erzählt Fandel. Und so wurde Mal aufs Mal das Niveau höher, bald kamen die Teilnehmer von überall her. Heute zählt der Bitburger Klavierwettbewerb, der alle zwei Jahre ausgerichtet wird, laut Fandel zu den bedeutendsten im Land. "All die jungen Menschen kommen zu uns, um sich zu messen. Ein schöneres Kompliment kann es doch nicht geben", sagt Fandel, der selbst Pianist ist.
Worauf sich die jungen Menschen einlassen, das ist ein zwei Tage langes Wetteifern, bei dem jeder der Beste sein will. Mitmachen darf, wer in keiner musikalischen Berufsausbildung steht und maximal 19 Jahre alt ist. "Und jeder muss etwas von Johann Sebastian Bach spielen", sagt Fandel - dabei gehe es schlicht um die Vergleichbarkeit der Leistung in den insgesamt sieben Altersstufen.
Wettbewerb als Qualifikation


Aber die jungen Leute suchen genau das: "Sie wollen sich qualifizieren über Wettbewerbe wie diesen", erzählt Fandel. "Und dabei auch für sich schauen, ob sie nervenstark genug sind." Es ist immerhin eine Prüfungssituation - jedoch, und darauf legt Fandel wert, in Bitburg eine besondere. Gerade die familiäre Atmosphäre mache die Veranstaltung aus: "Wir sind hier nicht in einer Großstadt. Das ist ein bodenständiger Wettbewerb - auf Top-Niveau!"
Alle Klavierlehrer der Kreismusikschule, insbesondere Wolfgang Klesius, sind in die Vorbereitung und Gestaltung des Wettbewerbs involviert. Neben Fandel sitzen Ludmilla Alexandrowa aus Wittlich, eine erfahrene Klavierpädagogin, und die international tätige Musikerin Susanne Lang in der Jury.
Zu gewinnen gibt's natürlich auch etwas: Neben Preisen im Gesamtwert von 1000 Euro sowie einem Sonderpreis für die bestbewertete Darbietung dürfen die Erstplatzierten einer jeden Altersgruppe montags beim großen Preisträgerkonzert eine Auswahl ihres Wettbewerbsprogramms präsentieren - es ist zugleich der Abschluss des Bitburger Klavierwettbewerbs.
Doch nicht erst dann sind Zuhörer willkommen: "Der Wettbewerb ist auch ein öffentliches Vorspielen", sagt Fandel. Und damit ein Vergnügen, das nicht nur dem Bösendorfer-Konzertflügel und dem Steinway vorbehalten ist: Wer möchte, kann am Samstag oder Sonntag, 1. und 2. Oktober, zwischen 10 und 18 Uhr einfach im Haus Beda vorbeischauen und den jungen Pianisten lauschen - so lange er möchte.Extra

Das Eröffnungskonzert am Vorabend ist Tradition: Am Freitag, 30. September, spielen Susanne Lang aus Basel, als Jurorin beim Wettbewerb dabei, und Wolfgang Klesius aus Rittersdorf, Klavierlehrer an der Musikschule und dort seit 2000 Leiter des Fachbereichs, gemeinsam im Festsaal von Haus Beda. Beginn ist um 19 Uhr. Erwachsene zahlen zehn Euro, Schüler haben freien Eintritt. Das Preisträgerkonzert wird dieses Jahr wieder in Form einer Matinee den Abschluss des Bitburger Klavierwettbewerb bilden. Termin ist am Montag, 3. Oktober, um 11 Uhr im Festsaal des Hauses Beda. Dann ist auch die Preisverleihung. eib

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