Von unsinnigen Zirkelschlägen

Von unsinnigen Zirkelschlägen

Ein Mensch im fernen Mainz sitzt vor einer Karte des Landes Rheinland-Pfalz, und vermutlich hat er einen Zirkel in der Hand und misst damit Entfernung - Luftlinie versteht sich. Er sieht Traben-Trarbach und Bernkastel-Kues, der Zirkelschlag zeigt: Die Entfernung ist nicht allzu weit.

Und so wird gesagt, dass sich die beiden Orte bei Entwicklungsprojekten wie Wohnen und Versorgung abstimmen müssen. Auch Bitburg und Neuerburg liegen von oben betrachtet nicht allzuweit von einander entfernt, und da müssen die doch kooperieren. Langer Rede kurzer Sinn: Vermutlich ist genau so die vierte Auflage des Landesentwicklungsprogramms (LEP IV) zu Stande gekommen. Fest steht, dass die dafür verantwortlichen Planer vermutlich nie an der Mosel entlang oder durch die Eifel gefahren sind. Denn anders sind die starren Vorgaben des Programms und Gebote, die völlig unterschiedliche Orte zur Abstimmung ihrer Entwicklungsprojekte zwingen wollen, nicht erklärbar. Sie sind absurd. Dabei steht außer Zweifel, dass es sinnlos ist, dass jedes Kaff wild Bau- und Gewerbegebiete ausweist. Das kostet unnötig Steuergeld und wird angesichts der demografischen Entwicklung nur Planer reich machen, den Orten aber kein relevantes Wachstum bringen. Auch wenn Ortsbürgermeister immer wieder auf die angeblich hohe Zahl junger, bauwilliger Menschen verweisen, denen Raum geboten werden müsse: Ihre Zahl, wenn sie denn wirklich hoch war, wird schrumpfen. Dass auch das Ausweisen Gewerbeflächen am Ende vor allem enttäuschte Hoffnungen erzeugt, zeigt sich entlang der A60 schon heute. Koordination, die angesichts weitverbreitenden Kirchturmdenkens auch erzwungen werden muss, tut Not. Sie darf jedoch nicht an allen strukturellen Unterschieden vorbei nach willkürlich wirkenden Parametern erfolgen. Denn dies führt, wie LEP IV eindrucksvoll zeigt, zu Widerständen, so dass am Ende jeder weiter vor sich hinwurschteln wird, Bau- und Gewerbegebiete ausweist und im schlimmsten Fall sogar erschließt, nur um festzustellen, dass die Nachfrage fehlt. Dafür, daran gibt es keinen Zweifel, haben die Kommunen nicht genug Geld.