Von Wänden, Mauern und Membranen

Seit einer Woche laufen die Arbeiten im zweiten Bauabschnitt der Prümer Bahnhofstraße/B 410 (der TV berichtete). Noch offen ist die genaue Gestaltung des geplanten Sichtschutzes zwischen den Märkten und der Straße.

Die Grafik ganz oben zeigt als Gestaltungsvorschlag, wie die künftige „Membran“ zwischen dem Gehweg an der Bahnhofstraße und dem Parkplatz neben dem Plus-Markt aussehen könnte.Die kleine Grafik darunter zeigt eine von vielen möglichen Varianten, die an Fußball- oder Werkstore erinnert. Auf dem Foto rechts ist die Fläche zwischen Gehweg und Lidl-Parkplatz zu sehen, wo später auch eine Membran stehen soll.Grafiken (2): Planungsbüro Heinz Jahnen Pflüger, TV-Foto: Marcus Hormes

Prüm. Die Verwandlung des Stadteingangs aus Richtung Niederprüm geht weiter. Zum 1. Oktober zieht der Lidl-Markt aus Niederprüm ins neue Gebäude hinter der Post um.

Im zweiten Abschnitt der B-410-Erneuerung laufen derweil die Ausschachtungsarbeiten durch die Baufirma Thelen. Am heutigen Samstag ist kein Abtransport möglich, da die Sondermülldeponie in Plütscheid (für leicht belastetes Erdreich) geschlossen ist.

Im Randbereich ist noch eine wichtige Gestaltungsfrage zu klären. Entlang der Fahrbahn schreibt der vom Stadtrat beschlossene Bebauungsplan nämlich eine sogenannte Membran vor (siehe Extra). Sie soll "den Straßenraum definieren" und "Einblick gewähren" auf die Parkplätze. Eine irritierende Formulierung, denn es geht wohl eher um das Gegenteil: Aus städtebaulichen Gründen solle der Blick auf parkende Autos vermieden werden, heißt es. Also, was denn nun?

Schlimme Befürchtung aus der Gerüchteküche: Es solle eine hohe Wand oder Mauer entlang der Straße entstehen. Ein neues Beton-Monument des Anstoßes, kahl und wie geschaffen für Farb-Schmierereien?

Durchgehender Sockel zwischen den Stelen



Offizielle Gestaltungsentwürfe zur Membran links und rechts vom Plus-Markt zeichnen ein anderes Bild. Demnach geht es um einzelne Stelen (Säulen), die jeweils im Abstand von drei Auto-Stellplätzen gesetzt werden. Diese Stützen sind allerdings mindestens zwei Meter hoch und mehr oder weniger umfassend miteinander verbunden. Es gibt 14 Varianten. Die meisten haben einen durchgehenden Sockel zwischen den Stelen. Die Verbindung am oberen Ende der Säulen ist je nach Variante dünner oder dicker. So entsteht eine Art Gatter wie beim Springreiten. Der Zwischenraum bleibt grundsätzlich offen, kann aber durch Gitter stäbe ergänzt und durch Kletterpflanzen begrünt werden.

Auch die Lidl-Zufahrt rechts neben dem Postgebäude soll zu beiden Seiten von einer Mem bran eingefasst werden. Diese würde allerdings teilweise verdeckt durch Bäume. Zum Bau des Trennelements verpflichtet sind die privaten Grundstückseigentümer.

"Wie die Membran tatsächlich aussehen soll, kann noch keiner so genau sagen", erklärt Frank Neunkirchen, zusammen mit Manfred Anders Investor des Lidl-Markts. "Wir werden uns das zunächst mit Städteplanern und Behördenvertretern vor Ort anschauen."

Michael Frey vom Aachener Planungsbüro Heinz Jahnen Pflüger war am Freitag für nähere Auskünfte krankheitsbedingt nicht erreichbar.


Liebe Leserinnen und Leser, was halten Sie von der Idee einer Membran entlang der Bahnhofstraße? Wie sollte diese Begrenzung aussehen? Ist sie überhaupt notwendig? Mailen Sie uns bitte Ihre Meinung an eifel-echo@volksfreund.de. Name und Anschrift nicht vergessen.


Meinung

Autos hinter Gittern

Sagen wir es positiv: Es hätte schlimmer kommen können. Eine geschlossene "Prümer Mauer" entlang der Bahnhofstraße wäre die Bausünde schlechthin gewesen - das geteilte Berlin und der Wittlicher Knast lassen grüßen. Doch auch die gültigen offenen Varianten der Membran stimmen nachdenklich. Ist der Anblick parkender Autos so schlimm, dass sie hinter Gitter müssen? Lohnt sich der bauliche Aufwand? Verbessert eine zwei bis drei Meter hohe Abtrennung wirklich die Optik, oder wirkt das nicht beklemmend? Und weiß der Stadtrat überhaupt, was er da beschlossen hat? Der Grünstreifen selbst ist auf jeden Fall eine gute Idee und ließe sich ansprechend gestalten. Alles andere sollte dringend auf den Prüfstand, so lange es nicht zu spät ist. m.hormes@volksfreund.de

EXTRA Festsetzungen des Bebauungsplans: "Entlang der Bahnhofstraße muss die Grundstücksgrenze außerhalb der Zufahrten, soweit sie nicht bebaut ist, als zwei bis drei Meter hohe "Membran", bestehend aus Kombinationen von Mauer, Gitter und Rankgerüst, ausgebildet werden. ( ) Auf der Innenseite der Membran ist außerhalb der Zufahrten eine ein Meter tiefe private Grünfläche anzulegen." (cus)