Von weißen Riesen und blutigen Nasen

Von weißen Riesen und blutigen Nasen

PRÜM. Landwirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage (FDP) sieht die rheinland-pfälzischen Bauern zunehmend als zeitgerechte Manager ihrer Betriebe. Bei der Jahreshauptversammlung des Kreisbauernverbands Bitburg-Prüm stellte der Politiker den Eifeler Landwirten am Montag weiterhin die Unterstützung des Landes in Aussicht.

Alle müssen sparen. Auch Hans-Artur Bauckhage ist dazu angehalten, in seinem Superministerium kleine Brötchen zu backen. Bei der Jahreshauptversammlung des Kreisbauernverbands Bitburg-Prüm tat er dies jedoch nur bedingt; zumindest sparte er nicht mit Lob. Als den "Milch- und Fleischtopf" von Rheinland-Pfalz bezeichnete er am Montag den Kreis Bitburg-Prüm, der auf landwirtschaftlichem Terrain die wichtigste Säule des Landes darstelle. "Hier zeigt sich wie in kaum einem anderen Landkreis die Bedeutung der Landwirtschaft für den Erhalt der Kulturlandschaft", unterstrich der Minister. Hinsichtlich des Umsetzens der EU-Agrarreform gehe es für das Land nun darum, seine Bauern in eine neue agrarpolitische Ära zu begleiten, betonte Bauckhage. Dabei gehöre Rheinland-Pfalz bei der Umsetzung der EU-Richtlinien zu den Gewinnern der Reform. Bisher sei das Land bei den Ausgleichszahlungen zusammen mit dem Saarland Schlusslicht gewesen; nun aber werde der Grundstock um immerhin 16,5 Millionen Euro erhöht. Gleichzeitig lobte der Minister die "hervorragende Molkereistruktur", besonders die Spitzenposition bei den Auszahlungspreisen. Diesen Ball nahm Günther Schartz, Präsident der Landwirtschaftskammer, gerne auf. Zwar sei er mit dem Thema Fusion schon einmal auf die Nase gefallen, trotzdem plädiere er erneut dafür, dass die Molkereien "näher zusammenrücken". Er empfahl die Wiederaufnahme von Gesprächen. Schartz forderte Hans-Artur Bauckhage auf, die Molkereichefs zu entsprechenden Sondierungen einzuladen. Kreisbauernpräsident Michael Horper reagierte prompt auf den Hinweis, die "weißen Riesen" zusammenzuführen. Er räumte ein, dass solche Gespräche wichtig seien, wünschte dem Minister jedoch, dass er sich dabei keine blutige Nase hole. Horper: "Ich wünsche jeder Molkerei viel Erfolg; jeder auf ihre Art." Während einer anschließenden Betriebsbesichtigung bei der Milch-Union Hocheifel (Muh) gab sich Minister Bauckhage an diesem Punkt äußerst zurückhaltend. Im Endeffekt müssten die Unternehmenschefs selbst entscheiden, welche die richtige Lösung sei, sagte er dem TV . Muh-Direktor Rainer Sievers erteilte dem Schartz-Vorschlag derweil eine kategorische Absage. Er bezeichnete diesen Vorstoß als abwegig, allein deshalb, weil die Hochwald-Molkerei Thalfang und die Milch-Union Pronsfeld eine "völlig unterschiedliche Unternehmensphilosophie" verfolgten. Der Präsident des Winzerverbands Rheinland-Nassau, Leo Blum, kritisierte am Montag unterdessen unter anderem eine ungerechte Rückerstattung für Agrar-Diesel. Die deutschen Bauern seien diesbezüglich gegenüber den Nachbarn in Belgien, Frankreich und Luxemburg klar benachteiligt, schimpfte der Funktionär. Blum forderte die Bundesregierung auf, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, um diese Ungleichbehandlung und Wettbewerbsnachteile zu beseitigen.

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