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Vor 25 Jahren: Tornado wütet in Prüm

Vor 25 Jahren: Tornado wütet in Prüm

Entwurzelte Bäume, abgerissene Dächer: Vor 25 Jahren wütete ein Tornado in der Stadt Prüm und in vielen weiteren Orten der Eifel. Er hinterließ eine Spur der Verwüstung und Sachschäden in Millionenhöhe.

Prüm. Auf den Tag genau 25 Jahre ist es her, dass ein Tornado in Prüm wütete. Neben heftigen Regengüssen traten Böen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern auf. Der Trierische Volksfreund schrieb damals von einer Katastrophe und von Verwüstungen wie nach einem Bombenangriff. Schätzungen der Behörden zufolge lag der Gesamtschaden in der Eifel bei mehr als zweieinhalb Millionen Euro. Bauern erlitten erhebliche Verluste: Viele Tiere, die zum Zeitpunkt des Unwetters auf dem Feld waren, verletzten sich schwer, weil sie in Panik gerieten und über Gräben springen wollten. Sie mussten notgeschlachtet werden.
"Der Himmel färbte sich gelb, und auf einmal war alles schwarz", erinnert sich Monika Rolef aus Prüm, "man hörte ein lautes Pfeifen, es war richtig gespenstisch. Keiner wusste, was los war." Nach dem plötzlichen Wüten der Windhose bot sich den Bewohnern ein Anblick der Verwüstung. Häuser und Stallungen wurden abgedeckt, Bäume entwurzelt oder zerfetzt. Unzählige Autos waren schwer beschädigt oder völlig demoliert. Ganze Fensterfronten wurden durch den Sturm zerstört, die Straßen waren durch Trümmer blockiert.
Das Neubaugebiet Wenzelbach, die Post am Bahnhof, die Stadthalle und das südwestliche Stadtgebiet mit dem Schulzentrum waren besonders schwer getroffen. Teile des Flachdaches der Kaiser-Lothar-Realschule und der Turnhalle wurden abgedeckt. "Wir teilten die Klassen zeitweise auf umliegende Schulen auf", sagt der damalige Konrektor Heinz-Albrecht Becker. Nach dem Sturm habe die Schule ein geneigtes Dach erhalten, das gegen solche Unwetter besseren Schutz bietet. Hinzu kam, dass die Prüm stellenweise deutlich über das Ufer trat. "Als der Sturm vorbei war, sammelten sich alle Leute. Überall lagen Glasscherben herum, an denen sich freilaufende Tiere ihre Beine aufrissen", erzählt Monika Rolef.
Das Technische Hilfswerk (THW), das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und Feuerwehren halfen, die Schäden zu beseitigen. Die ausgefallene Straßenbeleuchtung erschwerte die Aufräumarbeiten. Auch das Telefonnetz war längere Zeit gestört. Aber durch die zahlreichen Hilfskräfte waren bereits 20 Stunden nach dem Sturm alle beschädigten Häuser mit Notdächern versehen.
Der Wirbelsturm von 1986 blieb in der Eifel kein Einzelfall. 2003 gab es beispielsweise einen Tornado in Schlausenbach, der einen Schaden von mehreren Hunderttausend Euro hinterließ. Ein Dutzend Dächer von Wohnhäusern und Stallungen wurden fortgewirbelt. Umgestürzte Bäume blockierten die Straßen, so dass das Eifel-Dorf zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten war. Die Feuerwehr teilte mit, dass ein Teil des Dorfes nicht betreten werden durfte, da Stromleitungen auf den nassen Straßen lagen. Verletzte gab es keine.
Das bekannteste Gebiet für das Auftreten von Wirbelstürmen ist laut dem Deutschen Wetterdienst die sogenannte "Tornado Alley" im Mittleren Westen der USA. Die starken Temperaturunterschiede bilden dort besonders gute Voraussetzungen für die Entstehung eines Tornados. Trocken-kalte Luft aus dem Norden trifft hier auf die feucht-warme Luft aus dem Golf von Mexiko. In Mitteleuropa kommt es kaum zu so starken Luftmassenunterschieden, so dass laut dem Deutschen Wetterdienst im Jahr nur zwanzig bis sechzig Tornados zu beobachten sind, die auch Schäden anrichten.Wirbelstürme mit einer verheerenden Zerstörungskraft seien selten.
Vor allem zu Gewitterzeiten im Sommer können Tornados entstehen. Bei großen Temperaturunterschieden zwischen Boden und höheren Luftschichten entstehen in Gewitterwolken heftige Aufwinde auf engstem Raum. Durch starke Windrichtungsänderungen und unterschiedliche Windgeschwindigkeiten beginnt die Luft zu rotieren. Diese Zirkulation setzt sich auch unterhalb der Wolke fort, und es entsteht eine schlauchartige Luftsäule aus Staub und Wassertropfen. Dieser Schlauch wirbelt bis auf den Boden. An seinem Rand können Windgeschwindigkeiten von mehreren Hundert Stundenkilometern auftreten. Da Tornados eine kurze Lebensdauer haben und in der Regel kleinräumig auftreten, ist ihre Früherkennung sehr schwierig. Zur Schadensklassifikation entwickelte Dr. T. Theodore Fujita 1971 eine 13-stufige Einteilung, die Fujita-Skala. Die Wirbelstürme werden anhand ihrer Geschwindigkeit in die einzelnen Klassen eingestuft, um ihre Zerstörungskraft kalkulierbar zu machen. Tornados unter 120 Stundenkilometern werden der Stärke F0 zugeordnet. Sie demolieren Schornsteine und stoßen flach wurzelnde Bäume um. Eine Windhose von ungefähr 300 bis 400 Stundenkilometern ist ein F4 und richtet bereits verheerende Schäden an. Autos werden durch die Luft gewirbelt, Häuser mit schwachen Fundamenten werden komplett verschoben. Die Stufen F6 bis F12 sind theoretische Werte, da sie bisher noch nicht beobachtet wurden. ksp