Vor der Bio-Milch kommt der Papierkram

Vor der Bio-Milch kommt der Papierkram

Augenscheinlich lassen sich Bio-Milch und konventionell hergestellte Milch wohl nicht unterscheiden. Den Unterschied machen indes die vielen kleinen Dinge aus, die den Alltag des Öko-Bauern Matthias Brandt bestimmen.

Schlausenbach. Nachdem Matthias Brandt 1991 den Milchviehbetrieb des Vaters übernommen hatte, erhielt er wenige Jahre später die Gelegenheit, einen Nachbarbetrieb zu pachten und somit seine Landfläche zu verdoppeln.

Er beschloss deshalb, seine rund 90 Hektar Land nun nicht mehr so intensiv zu bewirtschaften, sondern stattdessen auf ökologische Landwirtschaft umzustellen. Nach einer zweijährigen Umstellungszeit wurde sein Bauernhof 2003 schließlich zum anerkannten Bio-Betrieb.

Dennoch wurde die Milch seiner Kühe zunächst weiterhin als konventionelle Milch verkauft, weil es für ökologisch hergestellte Produkte noch keinen ausreichenden Absatzmarkt gab. Seit April 2006 steht nun allerdings auch "Bio" drauf, wo "Bio" drin ist.

Der eigentliche Tagesablauf des Öko-Bauern unterscheidet sich vielfach kaum von dem eines konventionell wirtschaftenden Landwirts. Auch für Brandt beginnt die Arbeit morgens gegen 6.30 Uhr mit dem Gang in den Stall. Dort werden die 75 Milchkühe gemolken und ebenso wie die etwa 70 Jungtiere gefüttert. Auf dem Bio-Bauernhof bekommen die Kälber keine Milchaustausch-Futtermittel, sondern Vollmilch. Die Milchkühe fressen unterdessen überwiegend Gras und Heu sowie etwa 10 Prozent ökologisch produziertes Kraftfutter.

Im Anschluss an die Stallarbeit kümmert sich Brandt um Reparaturen an den Maschinen oder am Haus. So musste er kürzlich eine Wasserleitung am Wirtschaftsgebäude ersetzen und will nun noch einen Zaun erneuern, nachdem der Boden angesichts der etwas milderen Temperaturen wieder bearbeitet werden kann. "Das sind alles Dinge, für die man im Sommer keine Zeit hat, wenn man auf dem Feld ist", sagt der Landwirt.

Ein erneuter Gang in den Stall steht spätestens am frühen Abend auf dem Programm. Die Kühe werden dann zum zweiten Mal gemolken und bekommen nochmals Futter.

Vieles sei einfacher gewesen, als er noch konventionell gewirtschaftet habe, erklärt Brandt. Heute muss er einen Großteil seiner Arbeitsschritte dokumentieren und sich im Alltag an zahlreiche Vorgaben halten. Der Öko-Bauer darf beispielsweise keine mineralischen Dünger mehr einsetzen. Als Ersatz für den früher verwendeten Stickstoff baut er deshalb heute verstärkt Klee als natürlichen Stickstoffsammler an.

Klare Regeln gibt es auch hinsichtlich der Tierhaltung. Die Rinder dürfen nicht angebunden sein und müssen im Stall eine bestimmte Mindestfläche pro Kuh zur Verfügung haben. "Das ist bei der Rindvieh-Haltung aber nicht so ein Problem wie bei Schweinen oder Hühnern", sagt Brandt. In den Sommermonaten müssen die Tiere zudem auf der Weide stehen - auch für die Tiere ist die Sonne also der Lockruf ins Freie.