Vorbei am täglichen Brot

Mit Fertigstellung und Inbetriebnahme der Wolsfelder Umgehungsstraße vor wenigen Wochen können die Menschen im Ort endlich wieder aufatmen. Das Fahrzeugaufkommen hat nach Jahrzehnten des Durchgangverkehrs deutlich abgenommen. Das spüren auch einige der Händler vor Ort.

Wolsfeld. Reifenhändler Wolfgang Krütten hat der Europastraße viel zu verdanken: "Wir sind jetzt zwölf Jahre hier, und die Straße hat uns den Anfang schon sehr erleichtert." Erleichtert deshalb, weil Krüttens Betrieb unmittelbar an dieser Europastraße liegt. Die heißt deshalb so, weil sie bislang Teil der Bundesstraße 257 war, und diese Bundesstraße wiederum ist Teil einer internationalen Verkehrsachse, die Skandinavien mit Südeuropa verbindet.

Ungefähr 10 000 Fahrzeuge sind zuletzt jeden Tag durch Wolsfeld gefahren, doch nachdem die lang ersehnte Umgehung im Dezember eröffnet wurde, wird der Verkehr jetzt umgeleitet.

Dass damit auch potenzielle Kundschaft am Ort vorbei geschleust wird, dessen ist sich Reifenhändler Krütten bewusst. Doch spüren werde er das frühestens in einigen Monaten, da das Geschäft mit den Winterreifen für diese Saison größtenteils gelaufen sei. "Wir müssen jetzt einfach abwarten", sagt er.

Ähnlich sieht das auch Annelie Görgen aus der Metzgerei Haas. Ihr Geschäft ist in der Holsthumer Straße und war damit bereits zu Zeiten des Transitverkehrs etwas abgelegen.

Dass der Verkehr abgenommen hat, spüre sie an der Ladentheke bislang noch nicht so sehr, sagt sie, und wenn, "dann höchstens bei der Laufkundschaft". Die Stammkunden hingegen kämen nach wie vor. "Das Ganze wird sich sicherlich erst noch entwickeln", sagt Görgen.

Bei Rita Nickels sieht das anders aus. "Die Umgehung hat sich bei uns bereits am ersten Tag bemerkbar gemacht", sagt Nickels. Sie arbeitet in der "Albert Brotstube", deren Standort wiederum an der Europastraße ist. "Die Laufkundschaft ist weg", resümiert sie, und dadurch sei auch der Umsatz seit Eröffnung der Umgehung um 50 Prozent eingebrochen.

Von Abwarten bis Umsatzeinbruch



Für die ortsansässige Gastronomie war bereits vor Eröffnung der Umgehung klar, dass sich die Zeiten ändern werden. Rainer Maus vom "Hotel zur Post" und Elisabeth Junk vom schräg gegenüber liegenden "Gasthaus Schneider" glauben jedoch, dass die neue Straße nicht nur Nachteile mit sich bringt. Schließlich werde es durch die Abnahme des Verkehrs beispielsweise für die Gäste ruhiger, hatten sie im Herbst auf TV-Anfrage gesagt. So wie andere Wolsfelder wünschen sich die Gastronomen zudem Hinweisschilder auf die Angebote im Ort.

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