1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Vordenker für eine europäische Eifel

Europabeauftragter : Vordenker für eine europäische Eifel

Der Kreis Bitburg-Prüm hat Ralf Britten zum Europabeauftragten ernannt. Der möchte das Thema in der Region beleben.

Er muss ziemlich schnell Auto gefahren sein, denn eine Viertelstunde vor dem Termin hat Ralf Britten noch telefonisch seine Verspätung angekündigt. Er habe noch im Gespräch mit Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission, festgesteckt, erzählt er, als er dann doch pünktlich erscheint. Das zeigt zwei Dinge: Der 54-Jährige ist flott unterwegs und, was das Thema Europa angeht, augenscheinlich – und wahrscheinlich nicht nur da – gut vernetzt. Das ist gut, denn der Direktor des Trifolions in Echternach ist der neue Europabeauftragte des Eifelkreises Bitburg-Prüm. Und seit April ist er auch der neue Vorsitzende des Kreisverbands der Europa-Union.

Warum aber braucht der Eifelkreis plötzlich einen Europabeauftragten? „Das war ein Wunsch der Staatskanzlei, die den Kreis darum gebeten hat“, sagt Landrat Joachim Streit. Seine Wahl sei auf Britten gefallen, weil dieser fließend Französisch, Englisch und Luxemburgisch spreche, was im Grenzraum perfekt sei. Zudem habe er gute Beziehungen zu europäischen Politikern und kenne sich gut mit Fördermöglichkeiten aus. Dass er nun auch noch zum neuen Kreisvorsitzenden der Europa-Union gewählt wurde, sei ideal, sagt Streit. Der neue Posten sei ein reines Ehrenamt, Geld bekommt Britten dafür keins.

Das ficht ihn jedoch nicht an. Britten brennt für Europa. Ihm bereite Sorgen, dass die Menschen heute so vieles als selbstverständlich erachten: offene Grenzen, eine Währung und freie Märkte. „Die Leute schätzen das alles heute nicht mehr wert“, sagt er. „Es ging uns noch nie so gut in Europa wie jetzt. Wir hatten noch nie so lange Frieden. Dennoch ist der Blick der Menschen auf Europa katastrophal. Hier läuft doch irgendetwas schief.“

Und das möchte er ändern. Ideen hat er auch schon. Wenn zum Beispiel der Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach Echternach zum Bürgerdialog kommt, möchte er auch deutsche Schüler dazu einladen. „Die Schüler sind unsere Wähler von morgen“, sagt Britten, der diese für Europa begeistern will. Deswegen plädiert er dafür, dass Kinder mehrsprachig unterrichtet werden, so wie in Luxemburg. „Das ist zwar extrem anspruchsvoll, bringt aber auch einen Wettbewerbsvorteil.“ Sprache schaffe Nähe, Vertrauen und Freundschaft. Will man die europäische Idee in den Köpfen der nächsten Generation verankern, gehe das seiner Meinung nach nur über perfekt organisierte und durch die EU finanzierte Schüleraustauschprogramme, bei denen man in Gastfamilien wohne und so andere Kulturen kennenlerne. Denn der Mensch sei ein haptisches Wesen, das nur verinnerliche, was es selbst gefühlt, erlebt, geschmeckt oder erfasst hat.

Das aktive Erleben sei viel wichtiger als die Theorie. Britten, der einen Hang dazu hat, Menschen für seine Ideen zu begeistern, verspüre  selbst oft das Verlangen, Dinge, die er nicht kenne, kennenzulernen.

„Wir müssen viel früher anfangen, ein gutes Bild von Europa zu zeichnen. Das ist wie bei der Baukultur. Man muss den Leuten zeigen, wo die Vorteile liegen“, sagt Joachim Streit. Schon jetzt gibt es eine Vielzahl an grenzüberschreitenden Projekten wie Abwasserverbände, den Naturpark Südeifel im Dreiländereck Deutschland, Belgien, Luxemburg oder den gemeinsamen Bau eines Schwimmbads. Für Britten eine „tolle Sache“, dass man die Entscheidung dahingehend treffe, dass sich Infrastrukturen nicht doppeln.

Britten will keinen kurzfristigen Show-Effekt. Er möchte sich vier Monate Zeit nehmen, um ein Programm für die kommenden zwei bis drei Jahre aufzustellen. Denn eins wird es mit ihm sicher nicht geben: „Ich will keine ausgetretenen Pfade weiter beschreiten, die sich als wirkungslos erwiesen haben.“