Wahrzeichen, Denkmal und Gotteshaus

Wahrzeichen, Denkmal und Gotteshaus

PRONSFELD. Die Geschichte der alten Remigiuskirche in Pronsfeld reicht wohl bis ins 8. Jahrhundert zurück. Vor 50 Jahren erhielt sie dank einer aufwändigen Renovierung ihr heutiges Gesicht und wurde unter Denkmalschutz gestellt. Die Ruine dient seither als Kriegergedächtnisstätte.

Die ehemalige Mutterkirche auf dem Berghang gilt für die Pronsfelder Bevölkerung und die angeschlossenen Filialdörfer als Wahrzeichen. Weithin sichtbar ragt sie aus der Landschaft in die Höhe, der Blick von hier oben reicht über das Prümtal hinaus bis nach Belgien und auf den Schneifelrücken. Von hier setzte vor 13 Jahrhunderten die Besiedlung ein, ausgehend von einem fränkischen Gehöft und ersten Bewohnern. Um das ehemalige Gotteshaus herum breitet sich der Bergfriedhof aus, der, terrassenförmig angelegt, eine bildschöne Anlage ist. Hier bestatten seit Menschengedenken die Pronsfelder, Pittenbacher, Matzerather, Orlenbacher und Schlosshecker Menschen ihre Verstorbenen. Der Friedhof ist zudem ein Ort der Begegnung und Kommunikation. Die alte Remigiuskirche birgt im Inneren wertvolle Kleinode, so etwa die sandsteinerne Grabplatte des Priesters Batholomäus Reuland, der im 16. Jahrhundert Dechant des Dekanates Bitburg-Prüm-Kyllburg mit Sitz in Pronsfeld war. Dieses Zeichen ist ein Hinweis auf das wichtige Pfarrzentrum Pronsfeld, dem viele Gemeinden pfarrlich zugewiesen waren. Historisch wie symbolisch von großer Bedeutung ist der so genannte Okulus, ein Rundfensterchen an der Nordseite der Kirche. Es ist eingelassen in eine Mauernische mit nur 15 Zentimeter im Durchmesser. Das Auge symbolisiert die Verbindung zwischen den Lebenden in der Kirche und den Verstorbenen auf dem Gottesacker. Dieses Denken entsprang der karolingischen Glaubensart, nach der Tote und Lebende eine Trauergemeinschaft bilden.Im Krieg ein Bild des Grauens

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Remigiuskirche in Pronsfeld größtenteils zerstört. Den Menschen bot sich ein Blick des Grauens: Das Langschiff war dem Erdboden gleichgemacht, es blieb nur die Ruine des aus dem Jahre 1498 stammenden Ostchores. Dieses Fragment zu sichern und nicht abzureißen war das Verdienst des damaligen Pastors Nikolaus Kyll und der gesamten Dorfgemeinschaft. In einer beispiellosen Solidaritätsaktion wurde das ruinöse Bauwerk stabilisiert und so für die Nachwelt gerettet. Aus der Pfarrchronik geht hervor, dass die Pfarrgemeinde erst zehn Jahre nach Kriegsende in der Lage war, das Werk zu beginnen, "da die erste Sorge dem Wiederaufbau der ebenfalls zerstörten Pfarrkirche in der Dorfmitte galt". Chronist Kyll schreibt im Trierischen Volksfreund 1953: "Von Jahr zu Jahr mehren sich die Witterungsschäden, Anträge auf Unterstützung aus Mitteln der Denkmalpflege blieben leider erfolglos". Jedoch blieben die Pfarrangehörigen nicht untätig - zu wichtig war ihnen der Erhalt ihrer Mutterkirche. So wurde in freiwilliger Arbeitsleistung das Chor hinter dem zerstörten Turm überdacht. Kyll: "Auch den Plan, diese alte Eifelkirche wieder aufzubauen, hat man nicht fallen lassen". Heute wissen die Gläubigen, dass es zu diesem Wiederaufbau nicht kam. Der Friedhof wurde ebenfalls vor 50 Jahren erneuert und beträchtlich erweitert. Eine zwei Meter hohe Ringmauer gab ihm Geschlossenheit und Einfriedung. "Einer alten Pronsfelder Sitte entsprechend wurden Familiengräber beibehalten", schreibt der Chronist Kyll 1957. Die Gesamtanlage wurde zudem mit einem reich gegliederten Wegenetz versehen. Zwei große schmiedeeiserne Tore geleiten die Besucher von der "Oberdorfstraße" auf den Friedhof, "während an der Südseite das Matzerather Pförtchen noch etwas ahnen lässt von den Kirchenpfaden zu den 17 Filialen", so Kyll. Heute können die Pronsfelder mit Stolz auf das Gemeinschaftswerk von 1957 zurückblicken. Der Fleiß und die Opferbereitschaft retteten trotz größter Nachkriegsnot die Ruine und schufen eine Friedhofsanlage voller Schönheit und Würde. Bis heute fühlt man sich diesem Flecken besonders verbunden, denn vor Jahren hat es erneut eine große Sanierungaktion der ehemaligen Mutterkirche St. Remigius gegeben.

Mehr von Volksfreund