Wald-, Abtei- und bald auch Karolingerstadt?

Wald-, Abtei- und bald auch Karolingerstadt?

Gestern hat das Karolingerjahr begonnen. Überall in Europa wird mit Feiern und Programmen an den Todestag Karls des Großen vor 1200 Jahren gedacht. Auch die Stadt Prüm, die als möglicher Geburtsort gehandelt wird, feiert mit. Der Stadtrat muss demnächst darüber abstimmen, ob zusätzlich zu den Beinamen Abteistadt und Waldstadt auch der Titel Karolingerstadt geführt werden soll.

Prüm. Bittere Kälte hat den Karolingerweg zu Füßen der ehemaligen Abtei und der Basilika fest im Griff. Reif glitzert in der klirrend kalten Morgenluft auf den Statuen der karolingischen Kaiser. Sieben Schornsteinfeger huschen von Skulptur zu Skulptur, um Neujahrsgrußfotos zu machen. "20 Jahre Arbeit stecken in diesem Weg. Mit Beginn des Karolingerjahres wird er für Prüm eine noch größere Bedeutung erlangen, als er eh schon hat", sagt Monika Rolef, Gründerin der Initiative Frauenschuh. Mit dem Jahreswechsel starten die umtriebigen Damen nicht nur in das Jahr ihres zwanzigsten Geburtstags. Die Gruppe hat sich auch vorgenommen, 1200 Jahre nach dem Tod Karls des Großen die Bedeutung Prüms für die Dynastie der Karolinger weiter in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken (der TV berichtete). "Als Schornsteinfeger wollen wir einen Neujahrsgruß an alle Prümer aussprechen und symbolisch viel Glück für das angebrochene Karolingerjahr wünschen", sagt Rolef. In ganz Mitteleuropa von den Pyrenäen bis nach Ungarn und Italien gilt Karl der Große als einer der Väter der europäischen Kultur und der gemeinsamen Geschichte. Das Karlsjahr 2014 wird dementsprechend in ganz Europa gefeiert - so soll es nach Wunsch der Frauen auch in Prüm sein.
Zu bedeutend sei die Abteistadt für die Karolinger gewesen, als dass man das Karlsjahr ignorieren könnte. Denn die Prümer Abtei wurde von Karls Eltern Pippin und Bertrada 752 neu gegründet und galt als das Hauskloster der Karolinger. So zog sich Kaiser Lothar - ein Enkel Karls - nach seiner Abdankung dorthin zurück und wurde in Prüm begraben. Die sogenannte "Goldene Kirche" - ein Vorgänger der heutigen Basilika - soll im Beisein Karls eingeweiht worden sein. Außerdem könnte der Herrscher ein gebürtiger Eifeler sein. Er kam möglicherweise in Mürlenbach zur Welt.
Rat stimmt über Idee ab


Gezielt versuche die Initiative Frauenschuh mit Führungen in der Basilika und besonders über den Karolingerweg zu beweisen, dass Prüm den Beinamen "Karolingerstadt" durchaus verdient hat. Mit Nachdruck verfolgt Monika Rolef ihre Idee. "In einer der nächsten Stadtratssitzungen wird über einen von mir gestellten Antrag abgestimmt. Im Moment sieht es gut aus. Ich habe wohl die Mehrheit der Ratsmitglieder für die Benennung Prüms zur Karolingerstadt hinter mir", sagt Rolef. Ihr Wunsch: Zum Wandalbertfest am 11. Mai soll der neue Beiname offiziell ausgerufen werden.
Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy lobt den Einsatz der Frauen. "Prinzipiell ist natürlich zu begrüßen, dass sich jemand um solche Themen kümmert", sagt sie. Ob Prüm bald auch Karolingerstadt werde, darüber müsste nun der Rat bestimmen. Aber auch ohne neuen Beinamen sei sie bereits in Sachen Karolingerjahr aktiv geworden und habe im Rathaus der Kaiserstadt Aachen nach einer möglichen Kooperation gefragt. "Leider ohne Erfolg. Es kam keine befriedigende Antwort", merkt sie mit Bedauern an. Die Zurückhaltung sei zwar schade, aber gemeinsam mit dem Geschichtsverein werde das Geburtsjahr Karls des Großen gebührend gewürdigt. "Im Februar wird unser neues Programm erscheinen. Wir haben drei größere Termine mit Bezug aufs Karolingerjahr vorbereitet", sagt Volker Blindert (siehe Extra). Er ist gespannt darauf, wie sich die Ratsmitglieder entscheiden werden. "Wichtig ist halt auch zu bedenken, wie man nach dem Karlsjahr mit dem Namen Karolingerstadt weiter umgehen möchte", sagt er. aff
Extra

Freitag, 7. Februar: Jahreshauptversammlung mit Lesung von Martina Kempff aus dem historischen Roman "Die Gabe der Zeichnerin", Casino der Kreissparkasse, 19.30 Uhr. Freitag, 9. Mai: Themenabend "Karl der Große", Vortrag von Max Kerner zum Thema "Mythos Karl - Wie die Nachwelt Karl den Großen sieht" und mittelalterliche Musik von der Gruppe "Capella Aquisgrana". Gemeinschaftsveranstaltung mit der Stadt Prüm, Fürstensaal des Regino-Gymnasiums, 19.30 Uhr. Samstag, 19. Juli: Tagesfahrt nach Aachen, Leitung: Hanns-Georg Salm, Anmeldung und Informationen unter Telefon 06551/3799. aff

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