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Waldarbeiten in Mikado-Manier

Waldarbeiten in Mikado-Manier

Von guten Erfahrungen sollte man profitieren: Nach Einsätzen in Auw/Kyll und St. Thomas in den vergangenen Jahren, haben die Verantwortlichen des Forstamts Bitburg erneut den Fällkran einer Eppsteiner Firma geordert, um Sicherungsarbeiten im Wald auszuführen. Der TV hat das ungewöhnliche Gerät, von dem es nur drei Stück in Deutschland gibt, in Kyllburg bei der Arbeit beobachtet.

Kyllburg. Es erinnert an Mikado spielen: Der Spieler versucht, mitten aus einem Haufen Stäbchen ein einziges zu fassen, mit ruhiger Hand herauszuziehen, ohne dass die anderen wackeln, und dann behutsam an die Seite zu legen. Genau so lässt sich die Arbeit von Andreas Niebergall beschreiben.
Seit fünf Jahren sitzt er auf dem Bock eines Fällkrans der Firma MB-Baumdienste aus Eppstein/Taunus und bedient den Steuerknüppel. Vom Kabinenaufbau auf seinem Tadano-Faun-Lastwagen hat er den optimalen Überblick.
Minutenschnelles Baumfällen


Geschickt nimmt er den nächsten Baum ins Visier und steuert den bis auf 24 Meter ausfahrbaren Kran dicht an den Stamm heran. Etwa fünf bis sechs Meter unter der Krone setzt er die in alle Richtungen drehbare Greifzange an, packt den Stamm und setzt die unmittelbar darunter installierte Säge in Betrieb. Anschließend zieht er die Zange mit der abgeschnittenen Krone vorsichtig heran, senkt sie ab, kippt sie zur Seite und legt das Holz am Wegesrand ab. Dann ist das nächste Stück vom Stamm dran. Das alles geht in Minutenschnelle. "Ein Großteil dieser Bäume könnten unsere Mitarbeiter nicht von Hand fällen", erklärt Albert Der, Leiter der technischen Produktion im Forstamt Bitburg und damit auch zuständig für den Hahnwald. "Oder nur mit hohem Aufwand und großem Risiko."
Auf jeden Fall wäre es teurer geworden, betont Forstamtsleiter Karl-Heinz Heyne. "Hier an der Straße zum Schwimmbad, direkt an der Bahnlinie, müssten wir Leitplanken abbauen und die Bahnstrecke sperren oder mit Sicherungsposten arbeiten."
Kran kostet 400 Euro pro Stunde

 Albert Der vom Forstamt Bitburg zeigt, dass viele der gefällten Bäume zwar äußerlich intakt sind, aber innen faul. Dabei kann es sich um Wurzelfäule handeln, die den Stamm innen hoch zieht, oder um Fäule aufgrund einer äußeren Verletzung (links). Mit Schnelligkeit, Präzision und ohne andere Bäume zu beschädigen, zieht der Fällkran die abgesägten Bäume portionsweise aus dem Wald. TV-Fotos (2) Wilma Werle
Albert Der vom Forstamt Bitburg zeigt, dass viele der gefällten Bäume zwar äußerlich intakt sind, aber innen faul. Dabei kann es sich um Wurzelfäule handeln, die den Stamm innen hoch zieht, oder um Fäule aufgrund einer äußeren Verletzung (links). Mit Schnelligkeit, Präzision und ohne andere Bäume zu beschädigen, zieht der Fällkran die abgesägten Bäume portionsweise aus dem Wald. TV-Fotos (2) Wilma Werle Foto: Wilma Werle


Die 400 Euro, die der Einsatz des Fällkrans pro Stunde kostet, rechnen sich seiner Meinung nach. Die Schnelligkeit der Maschine und ihre Präzision beeindrucken die Verantwortlichen. Etwa 1000 Festmeter Holz werden innerhalb der acht Arbeitstage, für die der Kran gebucht ist, geschnitten. "Die Stämme werden am Waldrand gestapelt und später als Brennholz an Privatpersonen verkauft. Kronen und dürres Holz werden noch heute hier vor Ort von einem privaten Unternehmen zu Holzhackschnitzeln verarbeitet und abtransportiert", sagt Heyne und zeigt auf gefällte Stämme, die von außen gesund aussehen, innen aber bereits faul sind.
"Sinn dieser Maßnahme ist nicht die Holzernte," so Heyne weiter. Es geht um Sicherungsmaßnahmen. Im Winter musste die Bahnstrecke gesperrt werden, weil Bäume unter der nassen Schneelast auf die Gleise gestürzt waren. Dem soll damit vorgebeugt werden. "Bei Extrem-Wetter können auch gesunde Bäume zur Gefahr werden", betont Der.
"Es ist wichtig, das Risiko zu minimieren." Regelmäßige Kontrollen zweimal pro Jahr haben gezeigt, dass auch die enge Straße durch den Wald zwischen St. Thomas und Bruderholz ein solches Risiko birgt. Dort kommt der Fällkran in dieser Woche zum Einsatz. So zieht er weiter, der Kran, von Wald zu Wald, quer durch ganz Deutschland. Auch wenn es manchem so scheinen mag: Für die Natur bedeutet das keinen Kahlschlag. Sie wird sich binnen kurzer Zeit erholen.