Waldbauernverband aktiv gegen Pilzdiebe

Waldbauernverband aktiv gegen Pilzdiebe

Sie kommen in den frühen Morgenstunden mit Stirnlampen, Trillerpfeifen und Funkgeräten und haben es auf hochpreisige Spezialitäten abgesehen: Pilze. In den Eifeler Wäldern sind gewerbliche Pilzsammler unterwegs. Nun hat der Waldbauernverband Nordrhein-Westfalen eine Offensive gestartet.

Bad Münstereifel. In Scharen kommen sie in früher Morgenstunde in die Eifeler Wälder. Sie sind schnell und offenbar aggressiv: Pilzdiebe. Abgesehen haben sie es auf die begehrten Steinpilze. Daher fordert der Waldbauernverband Nordrhein-Westfalen erstmalig für Herbst 2014 eine konzertierte Aktion gegen die gewerblichen Pilzsammler. In Anlehnung an den "Blitzmarathon", bei dem die Polizei öffentlichkeitswirksam Jagd auf Temposünder macht, haben die Waldbauern ihre Forderung "Pilzmarathon Eifel" getauft.
"Die Förster können doch der gut organisierten Pilzsammeltruppen allein nicht Herr werden. Helfen könnte eine konzertierte Aktion aller Ordnungskräfte von Polizei, Kommunen und Landesbetrieb Wald und Holz", sagt der Verbandsvorsitzende Philipp Freiherr Heereman.
Genauso sieht es Dietrich Graf von Nesselrode, der Geschäftsführer der Bezirksgruppe Waldeifel ist. "Ohne staatliche Unterstützung wird es nicht gelingen, dem ausufernden Absammeln der Wälder Einhalt zu gebieten", sagt der Mechernicher, der auf die inzwischen zu beobachtende Gewaltbereitschaft der Sammler verweist.
Privatförster wurde angefahren


Die musste zuletzt auch ein Privatförster erfahren. Bei Bad Münstereifel-Scheuren war er auf vier Männer aufmerksam geworden, die auf einem Waldparkplatz große Mengen von Pilzen in ein Auto verluden. Beim Versuch, die Personalien zu ermitteln, wurde der Förster mit einem Messer bedroht und anschließend mit dem Auto angefahren, so dass er sich verletzt ins Krankenhaus begeben musste.
Von Nesselrode bietet einen Erklärungsversuch für diese Aggressivität: Es gehe ums Geld. Bei einem derzeitigen Kilopreis von 50 Euro beliefe sich die "Beute" der Sammler oft auf mehrere Tausend Euro. Dieses Geld würden sich die Sammler natürlich ungerne streitig machen lassen wollen. "Steinpilze sind Mykorrhiza-Pilze: Diese gehen Partnerschaften mit anderen Pflanzen, auch Bäumen ein, was für die Waldbäume durchaus Vorteile hat", erklärt Dietrich Graf von Nesselrode. Und Mykorrhiza-Pilze können eben kaum oder gar nicht gezüchtet werden. "Das macht sie so teuer, da sie in freier Natur gesucht und gesammelt werden müssen", so von Nesselrode. Diese Umstände führten dazu, dass ganze Waldgebiete von gewerblichen Pilzsammlern regelrecht ausgeplündert würden.
"Die Pilzsammler treffen sich in den frühen Morgenstunden, teilweise bei Dunkelheit, um ihre als ,Frische Steinpilze aus der Eifel\' deklarierte Ware rechtzeitig auf den Märkten in der Region verkaufen zu können. Sie sind mit Stirnlampen, Trillerpfeifen und Funkgeräten ausgestattet", sagt von Nesselrode. Die Aktion "Pilzmarathon Eifel" soll eine Herzensangelegenheit sein: "Wir meinen, ein solcher Versuch sollte das Land seinem Wald, dessen Pflanzen und Tieren und auch seinen vielen ehrlichen Bürgern, die gerne mal ein paar Pilze im Wald sammeln wollen, schon schuldig sein."