Waldbauverein Prüm vor schwierigem Jahr

Waldbauverein Prüm : Bloß keine neue Trockenheit

Ein schwieriges Jahr ist vorüber, ein problematisches hat begonnen: Der Waldbauverein Prüm und seine 3500 Mitglieder kämpfen nach Hitze und Dürre vor allem gegen Schädlinge.

Der Borkenkäfer ist ein bisschen wie der durchschnittliche Tourist: Er hat es gern trocken, sonnig und warm. Und deshalb bot das vergangene Jahr dem Käfer beste Bedingungen (der TV berichtete). Groß sind die Schäden, die er in den Wäldern und in den Beständen der Privatbesitzer anrichtete – und selbstverständlich ist die Bekämpfung des Käfers ein Thema bei der Jahreshauptversammlung des Waldbauvereins Prüm am Montag in der Karolingerhalle.

Denn in der ältesten und größten Vereinigung dieser Art landesweit – 1922 gegründet, 3500 Mitglieder, viele mit kleinen Parzellen – sind entsprechend auch die Schäden hoch, die der Käfer hinterließ. Und das Jahr 2018, sagt Peter Wind, Forstamtsleiter in Prüm und Geschäftsführer des Vereins, „war nur der Beginn. So eine Borkenkäferkalamität ist eine Sache von mehreren Jahren.“

Vor dem bangen Blick in die unmittelbare Zukunft aber noch die Konsequenzen aus dem vergangenen Jahr: Nur 50 Euro für den Kubikmeter „Käferholz“ erhielten die Waldbesitzer, der Durchschnittspreis für gesundes, planmäßig geschlagenes Holz liegt bei mehr als 90 Euro. Schon das: ein Verlust.

Der auf den ersten Blick aber nach Gewinn aussieht: Denn insgesamt vermarktete die vereinseigene „Prümer Wald- und Holz GmbH“ im Jahr 2018 sage und schreibe 75 000 Kubikmeter Holz. „So viel wie noch nie“, sagt Aloysius Söhngen, Vorsitzender des Vereins und Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm. Nur eben habe man „nie und nimmer“ so viel verkaufen wollen. Aber Sturmtief „Friederike“ zum Jahresbeginn und dann der Käfer zwangen die Besitzer dazu, all das ge- und befallene Holz zu ernten und zu verkaufen.

Die geschlagene Menge, sagt auch Jens Jacob, Chef der Landesforsten, sei „ein Griff ins Vermögen“ gewesen. Deshalb brauche es „dringend Reinvestitionen ins Waldvermögen“. Immerhin stellt zwar der Bund auch Förderung in Aussicht. Leider nur so wenig, dass die Landesregierung im Bundesrat darum kämpfe, die bereitzustellende Summe noch aufzustocken.

Kurz: „2018“, sagt Söhngen, „war in der Tat ein hartes Jahr für uns“. Und der Ausblick für 2019 lässt nicht unbedingt eine Besserung erhoffen: Denn die Borkenkäfer konnten, weil es ihnen so gut ging, drei Generationen bilden. Und werden weiteres Schadholz verursachen. „Das Hauptproblem“, sagt deshalb Peter Wind, „wird es nicht sein, den Preis hochzuhalten, sondern das Käferholz überhaupt verkaufen zu können.“

Deshalb rät er den Waldbesitzern dringend dazu, „jetzt schon draußen zu schauen, wo der Käfer überwintert hat. Und dann gucken, dass diese Bäume möglichst bald aus dem Wald rauskommen. Und beten und eine Kerze anzünden, dass wir ein feuchtes und kühles Frühjahr bekommen.“

Ein bisschen Lobbyismus in eigener Sache muss natürlich auch sein: „Es gibt keine Eigentumsart, die die gleiche positive öffentliche Wirksamkeit hat wie der Waldbesitz“, sagt Söhngen. Und, ganz klar, dieser Besitz müsse auch bewirtschaftet werden: „Manchmal hat man ja den Eindruck, dass Bäume nur dann gut sind, wenn sie Urwald sind.“ In Mitteleuropa aber „muss der Wald bewirtschaftet werden. Vor allen Dingen, wenn er einen Klimaeffekt haben soll.“ Was wiederum auch eine erfreuiche Zusatzwirkung habe: Nämlich „dass auch der Nachbar etwas davon hat“.

Oder der, der mit Hund oder Mountainbike durch die Wälder streife, wie Michael Billen ergänzt. Der CDU-Landtagsabgeordnete ist als Vertreter von Landrat Joachim Streit nach Prüm gekommen. Zu den Mitbenutzern zählten auch die Jäger („aber die zahlen ja auch dafür“) – und alle, die nicht wollen, „dass ihnen ein Ast auf den Kopf fällt“. Denn das werde dann dem Besitzer angelastet – und sei deshalb ein weiteres Argument für die Waldbewirtschaftung.

Zurück zum Sorgenthema Klima: Was das für die Waldbesitzer bedeutet, damit befasst sich Hans-Werner Schröck von der Landesforschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft. Ganz schwindelig wird einem, wenn man in seinem Vortrag erfährt, welche Schädlinge neben dem Käfer es, begünstigt auch durch die seit den 50er Jahren stetig steigenden Temperaturen, auf die Bäume abgesehen haben. Deshalb gebe es auch keinen Wunderbaum, dem nichts etwas anhaben könne. Beispiel: die Tanne. Zwar hat die ein tiefreichendes Wurzelwerk und hält Stürmen deshab besser stand. „Aber sie ist extrem verbissgefährdet.“ Sein Rat: „Vitale Bäume fördern, fördern, fördern“. Und er empfiehlt eine „maximale Risikostreuung“. Das bedeute: „Je mehr Baumarten, desto geringeres Risiko.“

Was eine Waldflurbereinigung bringen kann, erläutert Edgar Henkes vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum. Und warum sie überhaupt nötg ist: Denn immer noch existieren, oft infolge der ehemals gebräuchlichen Realteilung, schwer zu bewirtschaftende, ungünstig geformte Parzellen, die zudem nicht über Wege zu erreichen sind. Henkes legt an anschaulichen Beispielen dar, wie aus einem zersplitterten Flächenmosaik durch Tausch oder Zukauf Parzellen entstehen können, auf denen sich besser arbeiten lässt – und Geld verdienen. Das hört man, angesichts all der aktuellen Sorgen, gern beim Waldbauverein Prüm.

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