Wandern auf den Spuren des Westwalls

Wandern auf den Spuren des Westwalls

ROTH/OUR. (ka) Seit dem Jahr 2000 gibt es die Westwall -Wanderungen des Förderkreises "Alt Roth". In zweijährigem Turnus finden sie statt. Dabei geht es nicht um den Westwall als Bastion, um Heldenverehrung oder um Patriotismus.

Die inzwischen von der Natur zurückeroberten Westwall-Relikte sprechen für sich. Still und unberührt, vielfach geradezu idyllisch, bieten sie seltenen Pflanzen und Tieren Schutz und Lebensraum. Ein Paradies für Wanderer und eine Oase der Ruhe. Zum Nachdenken - nicht nur über den Sinn einer Bunkeranlage - bestens geeignet. Besonderer Anziehungspunkt der diesjährigen Westwall-Wanderung war eine Ausstellung historischer deutscher und amerikanischer Militärfahrzeuge im Umfeld eines völlig erhaltenen, "reizvoll" zwischen Roth und Gentingen gelegenen Mannschaftsbunkers. Es ist, als betrete man eine Gruft. Drangvolle Enge, Nässe, Kälte, stickige Luft, keine Heizung, kein elektrisches Licht, kein fließendes Wasser, keine Toiletten und ständig den Tod vor Augen. Stimmung der Besucher ist gedämpft

"Wer heutzutage immer noch glorreichen Zeiten und verpassten Siegen nachtrauert, sollte sich das hier ansehen", befindet eine sichtlich beeindruckte ältere Dame. Die Stimmung der Besucher allgemein ist gedämpft. Allerdings hat es im Bereich des Westwalls kaum größere Kampfhandlungen gegeben, weil sich die von der Nazi-Propaganda als unbezwingbar gepriesene Verteidigungslinie ebenso wie ihr französisches Pendant, die Maginot-Linie, eher als strategischer Blindgänger erwies. Die vorrückenden Truppen beider Seiten ließen die schwer befestigten Bunker einfach links liegen, oder auch rechts. Wieder am Tageslicht, geht es zwanglos und heiter, immer aber im angemessenen Rahmen zu. An einem Getränkestand herrscht reger Betrieb. Im angrenzenden Zelt wird der Hunger gestillt. Für die Kinder ist das alles hochinteressant. Besonders die Militärfahrzeuge haben es ihnen angetan. Aber ihr Spiel ist irgendwie anders als sonst. Sie spüren, dass da etwas Ernstes mitschwingt. "Die Soldaten haben alle geschossen, und viele waren tot", antworten der siebenjährige Frank Klotz aus Vianden, Oliver Burg aus Körperich und Pit Baatz aus Bettendorf, beide sechs Jahre alt, auf die Frage, warum sich die Leute die Autos und Bunker ansehen. Vater Karl-Horst Klotz hat Sohn Frank zur Westwall-Wanderung mitgenommen. Derweil ist das Informationsangebot der Veranstalter über das Wander-Geschehen allgemein - insbesondere aber in Sachen Militärfahrzeuge (es waren deutlich weniger als angekündigt) nicht gerade üppig. Ansonsten jedoch ist die Resonanz bei Wanderern und Besuchern durchweg positiv. "Die Westwallwanderungen zeigen auf beeindruckende Weise, dass es möglich ist, die Hinterlassenschaften des Krieges sinnvoll und zum Wohle von Mensch und Tier zu nutzen - ohne sie gleich in die Luft zu sprengen oder zu befürchten, sie würden zu Stätten der Märtyrerverehrung mutieren", sagt einer der Teilnehmer.

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