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Wandern für alle - Naturpark Südeifel will mehr barrierefreie Wege schaffen

Wandern für alle - Naturpark Südeifel will mehr barrierefreie Wege schaffen

Orchideenschutz, barrierefreie Angebote, digitaler Entwicklungsplan, neue Homepage und Ausbau der Infrastruktur sind die Schwerpunkte, mit denen sich der Zweckverband Naturpark Südeifel in diesem Jahr beschäftigen will. Dafür wird ein Zuschuss von 435 115 Euro erwartet. Heiß diskutiert wurde über die Abschaffung der Wanderwoche. Der Zweckverband möchte stattdessen ein neues Format anbieten.

Bitburg. Wer mit Rollstuhl, Rollator oder auf Krücken die Natur erkunden möchte, steht oft vor einem Problem: Da sind Treppen zu steigen, holprige Wege zu gehen oder Anhöhen zu bewältigen. Die Eifel barrierefrei zugänglich zu machen, wird deshalb in diesem Jahr ein wichtiges Ziel des Zweckverbands (ZV) Naturpark Südeifel sein.

Schon im vergangenen Jahr hatte der ZV an den Stauseen in Bitburg und im Irsental barrierefreie Rundwege angelegt. "Der Weg um den Stausee Irsental ist ein Vorzeigebeispiel", sagt Daniela Torgau, Geschäftsführerin des ZV Naturpark Südeifel.
Auch die Förderung ist schon gesichert. Denn zusammen mit dem Naturpark Nordeifel haben die Südeifeler am Wettbewerb "Tourismus für Alle", ausgeschrieben vom Wirtschaftsministerium, gewonnen und können so mit zusätzlicher Unterstützung rechnen.80 Bänke werden aufgestellt


Fortgeführt wird auch die touristische Landschaftsnutzung, bei der man Wanderwege zusammen mit den Ortsgemeinden verbessert. In diesem Jahr werden 80 Routen mit insgesamt 832 Kilometern Länge fertig werden. Dazu sollen noch 80 Bänke, zehn Tische und 20 Infotafeln aufgestellt werden.
Alle neuen Wege sind online auf der Internet-Seite www.naturpark-suedeifel.de abrufbar. "Das ist der Tod der Kartenhersteller", orakelt Joachim Streit, Landrat und Verbandsvorsteher. Ganz so schlimm werde es nicht, denn es würden gleichzeitig auch neue Wanderkarten aufgelegt, versichert Daniela Torgau.

Weiterhin gehegt und gepflegt werden die Orchideen im Naturpark Südeifel, wo 30 unterschiedliche Arten zu finden sind. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es insgesamt 60, in Europa 200. Somit stellt die Dichte der Arten in der Südeifel schon eine Besonderheit dar.

Kontrovers diskutiert wurde der Plan des ZV, die 2008 eingeführte Wanderwoche abzuschaffen und stattdessen ein neues Angebot auszuprobieren. "Wir haben die Wanderwoche auf den Prüfstand gestellt und wollen, bevor die Zahl der Teilnehmer abnimmt, ein neues Format ausprobieren", sagt Daniela Torgau. Ein weiterer Grund sei, dass die Ausarbeitung der Wanderwoche zu personalintensiv sei. Ihr schwebt vor, stattdessen einen Wandertag in einer Ortsgemeinde anzubieten. Im vergangenen Jahr hatten insgesamt 443 Gäste an den Wanderungen teilgenommen, die an vier Tagen angeboten wurden.

Bei Andreas Kruppert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld, kamen die neuen Pläne nicht gut an: "Ich bin nicht begeistert. Die Wanderwoche ist bei uns supergut gelaufen. Die Teilnehmerzahlen sind sehr stabil, deswegen ist es viel zu früh, das Angebot jetzt schon zu canceln." Er bot den Organisatoren deshalb die Unterstützung seiner Mitarbeiter an.

Auch Josef Junk, Bürgermeister der VG Bitburger Land, möchte gerne an dem Angebot festhalten. Moritz Petry, Bürgermeister der VG Südeifel, war für das neue Konzept des Wandertags. "Wir kommen ohne die Wanderwoche zurecht, da wir in unserer VG schon ein sehr großes Angebot in diesem Bereich anbieten."

Michael Billen (CDU) insistierte: "Wenn etwas gut läuft, sollte man das nicht voreilig killen." Auch Carsten Lenz, der auf dem Nengshof in Wißmannsdorf Ferienwohnungen anbietet, fände es schade, wenn das Angebot wegfiele. Da es zu keinem Kompromiss kam, einigten sich die Anwesenden darauf, das Thema noch mal mit den Touristikern vor Ort zu besprechen. "Ich bin gerührt, wie um die Wanderwoche gekämpft wird", sagt Daniela Torgau. Einmütigkeit herrschte aber darüber, das Handlungsprogramm für 2016 abzusegnen, wobei sich Streit für die Zukunft mehr institutionelle Förderung vonseiten des Landes wünschen würde, "denn die stagniert seit 1984".Extra

Handlungsprogramm 2016Touristische Landschaftsnutzung: 160 000 Euro, Zuschuss: 128 000 Euro, Eigenanteil: 32 000 Euro. Wanderwoche, Ranger, Exkursionen: 5000 Euro, Zuschuss: 4000 Euro, Eigenanteil: 1000 Euro. Orchideenschutz: 47 000 Euro, Zuschuss: 38 000, Eigenanteil: 9000 Euro. Ausbau Infrastruktur: 20 000 Euro, Zuschuss: 16 000 Euro, Eigenanteil: 4000 Euro. Instandsetzung Butzerbachtal: 94 000 Euro, Zuschuss: 75 000 Euro, Eigenanteil: 19 000 Euro. Digitaler Managementplan: 125 000 Euro, Zuschuss: 100 000 Euro, Eigenanteil: 25 000 Euro. Modernisierung Homepage: 30 000 Euro, Zuschuss: 24 000 Euro, Eigenanteil: 6000 Euro. Streuobstbüro Leader: 65 000 Euro, Zuschuss: 52 000 Euro, Eigenanteil: 13 000 Euro. Barrierefreie Angebote: noch kein Haushaltsansatz. Die Naturparks Süd- und Nordeifel können durch den Gewinn beim Landeswettbewerb "Tourismus für Alle" Fördermittel vom Wirtschaftsministerium beantragen. sn