Warum die Fußgängerzone warten muss

Bitburg · Die Freie Bürgerliste (FBL) fordert, dass Bitburgs Fußgängerzone saniert wird, bevor die Bit-Galerie eröffnet. Doch so schnell geht das nicht. Die Stadt muss bei dem 2,5-Millionen-Euro-Projekt gewisse Spielregeln einhalten - dazu gehört auch ein Architektenwettbewerb, der 2013 starten soll.

 Zahlreiche Stolperfallen gibt es im Zentrum von Bitburg. Doch mit der Sanierung dauert es noch etwas. TV-Foto: Frank Göbel

Zahlreiche Stolperfallen gibt es im Zentrum von Bitburg. Doch mit der Sanierung dauert es noch etwas. TV-Foto: Frank Göbel

Bitburg. Das Pflaster in der Fußgängerzone birgt so manche Stolperfallen. An etlichen Stellen sind Steine rausgebrochen und die roten Ziegel können, vor allem wenn sie nass sind, ganz schön rutschig sein. Das Pflaster ist in die Jahre gekommen. Gebaut wurde die Flaniermeile in den 70er Jahren. Aus dieser Zeit stammen auch Lampen wie Blumenkübel sowie der Großteil der Sitzbänke, die teils schon rostig sind.
Druck wegen der Bit-Galerie


Unstrittig ist seit Jahren unter Kommunalpolitikern wie Kaufleuten und Bürgern, dass die Hauptflaniermeile durchaus ein Lifting gebrauchen könnte. Nur wurde das Projekt, bei dem die Stadt grob mit Kosten von rund 2,5 Millionen Euro kalkuliert, immer wieder verschoben. Denn so schlimm ist der Zustand der Geschäftsmeile dann doch nicht.
Nun aber macht die FBL angesichts des Einkaufszentrums Bit-Galerie, das an der Ecke Trierer Straße/Karenweg geplant wird, Druck. "Wir wollen, dass die Fußgängerzone fertig ist, bevor die Bit-Galerie eröffnet", sagt Fraktions-Chef Manfred Böttel und erklärt, dass es Geschäftsleuten, Bürgern wie auch Kunden nicht zuzumuten sei, wenn mit Bit-Galerie und Fußgängerzone gleich zwei Großbaustellen die Innenstadt lahmlegen. Die Fußgängerzone erst im Anschluss an die Galerie zu sanieren, findet Böttel unglücklich: "Uns geht es darum zu verhindern, dass die Kunden in die Galerie abwandern, weil die Fußgängerzone eine Baustelle ist." Ursprünglich hat die FBL deshalb gefordert, den Ausbau 2013/2014 anzugehen.
Doch so schnell, das erklärte Bauamtsleiter Heinz Reckinger, geht das nicht. "Zunächst müssen wir die Fußgängerzone mal erst vermessen und bestenfalls können wir 2013 noch den Architektenwettbewerb anstoßen, der nach Auskunft der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion unumgänglich ist bei einem öffentlichen Projekt in dieser Größenordnung." Heißt: Erst nach Abschluss des Wettbewerbsverfahrens könne geplant und ausgeschrieben werden.
Je nach Umfang werde dabei eine europaweite Ausschreibung der Arbeiten nötig - samt der dabei üblichen Fristen. Ergebnis: "Ein Beginn der Bauarbeiten wäre frühestens 2015 denkbar", sagt Reckinger. Genau das Jahr 2015 hält Bürgermeister Joachim Kandels aber nicht für geeignet, um die Hauptstraße aufzureißen, weil die Stadt dann ihr großes Jubiläum anlässlich der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 715 feiert. Die 1300-Jahr-Feier. Geht aber der Plan der Projektentwickler der Bit-Galerie auf, soll das Einkaufszentrum Ende 2015 eröffnen (der TV berichtete).
Keine Baustelle zum Stadtfest


Am Ende beschloss der Stadtrat bei vier Gegenstimmen von SPD und FDP, 169 000 Euro für den nötigen Architektenwettbewerb im Haushalt 2013 einzuplanen. Weder SPD noch FDP sind grundsätzlich gegen einen Ausbau der Fußgängerzone (siehe Extra). Dreh- und Angelpunkt der Diskussion war die Frage, ob die Stadt sich angesichts eines Schuldenbergs von knapp 20 Millionen Euro ausgerechnet bereits 2013 einen solchen Wettbewerb leisten soll.
Leser-Echo: Was ist Ihre Meinung zur Sanierung der Fußgängerzone? Dringend notwendig oder alles in Ordnung? Was müsste Ihrer Ansicht nach getan werden, um die Hauptstraße samt Seitengassen attraktiver zu machen? Mailen Sie uns Ihre Meinung in wenigen Sätzen an eifel-echo@volksfreund.de (Name und Wohnort nicht vergessen).
Extra

In der Sitzung des Stadtrats lieferten sich die Ratsmitglieder eine große Debatte zur Sanierung der Fußgängerzone. Ein Auszug: Stephan Garçon (SPD): "Nach den Vorberatungen für unseren Haushalt verstehe ich nicht, warum wir bei der Fußgängerzone jetzt unbedingt einen Schnellschuss machen müssen. Ich sehe einfach nicht, wo das Geld herkommen soll. Möglich wäre zu prüfen, was zeitnah auch mit kleinem Budget umgesetzt werden kann." Peter Wagner (CDU): "Das Schulden-Argument kann ich grundsätzlich verstehen. Aber es geht ja nun zunächst mal darum, den Architekten-Wettbewerb anzustoßen. Gebaut werden soll ja ohnehin erst nach dem Stadtjubiläum 2015. Über die Höhe der Ausbaukosten und etliche Details bei der Sanierung der Fußgängerzone wird noch gesondert zu reden sein." Marie-Luise Niewodniczanska (FDP): "Ich bin dagegen, dass wir jetzt damit anfangen. Mich entsetzt die langfristige Investitionsplanung der Stadt. Wir kommen von unseren Schulden doch einfach nicht mehr runter, wenn wir so weitermachen." Agnes Hackenberger (FBL): "Eine Fußgängerzone ist das Aushängeschild der Innenstadt. Es geht bei uns auch um eine Anbindung an den neu gestalteten Postplatz. Da gibt es sicher auch kostengünstige Möglichkeiten, aber es muss was passieren." Rudolf Rinnen (Liste Streit): "Wann und ob die Bit-Galerie gebaut wird, haben wir nicht in der Hand. Aber bei der Fußgängerzone sitzen wir am Steuer. Wir müssen die Fußgängerzone sanieren, bevor die Galerie eröffnet. Es kann doch nicht sein, dass die Galerie glänzt, während die Fußgängerzone eine einzige Baustelle ist." Sigrid Steffen (SPD): "Wir sind grundsätzlich dafür, dass was passiert. Aber wir wollen nächstes Jahr auch den Zen-tralen Omnibusbahnhof angehen, da ist die Lage verheerend und für die Schüler gefährlich. Dagegen ist die Fußgängerzone Gold. Das gefährliche Pflaster müsste saniert werden, aber mit einem Architekten-Wettbewerb setzen wir zum jetzigen Zeitpunkt ein völlig falsches Signal." scho

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