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Warum geht die Sanierung dreier Bitburger Hochhäuser nicht voran?

Hinter Gittern : Warum geht die Sanierung dreier Bitburger Hochhäuser nicht voran?

Die drei Hochhäuser in der Bitburger Eifelstraße sind seit gut drei Jahren mit Bauzäunen eingerüstet. Die Bewohner der Gebäude fühlen sich eingesperrt. Doch die Bauarbeiten lassen weiter auf sich warten. Was ist da los?

„Das hier ist unser Knast“, sagt Anneliese (*Name geändert), gestützt auf ihren Rollator, und zeigt auf den Turmbau hinter ihr. Denn auch die Seniorin lebt hinter Gittern. Irgendwie. Zwei Meter hohe Bauzäune versperren den Weg zum Hochhaus in der Eifelstraße und zur Wiese rundherum. Früher, sagt die ältere Dame, hätten Bewohner sich auch draußen aufgehalten. Doch das Gelände ist inzwischen Sperrgebiet. Am Zaun prangt ein schwarzes Ausrufezeichen auf gelbem Grund.

Wovor gewarnt wird, ist augenfällig. Die Fassade bröckelt. Die Betonschicht zwischen den Stockwerken des Hauses „Hilda“ ist an einigen Stellen aufgeplatzt. Auch die beiden Nachbartürme, die die klangvollen Namen „Wilhelmine“ und „Ella“ tragen, wurden umzäunt, damit Passanten nicht von herabfallenden Brocken getroffen werden.

Drei Jahre sind vergangen, seit die Zäune aufgestellt wurden. Passiert ist wenig. Mit der Sanierung scheint es nicht voranzugehen. Zwar wurden 2017 alle augenscheinlich losen Betonteile abgeklopft. Seitdem fragen sich die Bewohner aber, wo die Bauarbeiter bleiben. Und warum sie nach wie vor „eingesperrt“ sind, wie Anneliese es formuliert.

Antworten kann nur der Besitzer der Gebäude liefern: die Stiftung Bürgerhospital Bitburg. Diese gemeinnützige Organisation hat  sich das Ziel gesetzt, für Menschen wie Anneliese, mit kleiner Rente oder schmalem Portemonnaie,  erschwinglichen Wohnraum zu schaffen (siehe Info). Vorsitzender des Hospitalausschusses, der die Entscheidungen trifft, ist Bürgermeister Joachim Kandels. Um das Tagesgeschäft kümmert sich Armin Seiwert, Mitarbeiter des Rathauses.

Der bestätigt: Im Auftrag der Stiftung wurden die Zäune vor drei Jahren aufgestellt. Und dort sollen sie, weil nach wie vor Teile abfallen könnten, bis Start der Bauarbeiten stehenbleiben. Doch wann wird das sein?

Offenbar hat sich die Planung der Sanierung in die Länge gezogen. Ein vor Jahren beauftragtes Ingenieurbüro habe einen aus Stiftungssicht viel zu teuren Vorschlag für die Renovierung unterbreitet. Demnach hätte die Organisation pro Gebäude rund 1,8 Millionen investieren müssen, insgesamt also mehr als fünf Millionen.

Diese Kosten wären aber nicht zu stemmen gewesen, sagt Seiwert: „Weil wir einen gemeinnützigen Zweck verfolgen, können wir anders als andere Vermieter nicht die vollen Kosten auf die Mieter umlegen.“ Schließlich wolle man deutlich unter ortsüblichen Mieten bleiben.

Das ist derzeit der Fall: Der Quadratmeter in der Eifelstraße kostet aktuell 4,5 Euro. Im Rest von Bitburg zahlen Mieter im Schnitt acht Euro, also fast das Doppelte. Abgesehen von den 36 mietgebundenen Sozialwohnungen in der Stadt und den weiteren 31 Stiftungswohnungen im Messenweg und der Rittersdorfer Straße: ein unschlagbares Angebot.

Dieses wäre aber nicht zu halten gewesen, meint Seiwert, hätte man so teuer saniert, wie vom Ingenieurbüro angedacht: „Schließlich haben wir auch den Auftrag, das Stiftungsvermögen nicht zu schmälern.“

Man habe aber auch „kein Flickwerk“ machen wollen. Also wurde im vergangenen Jahr ein neues Planungsbüro beauftragt, das zusammen mit der Stiftung eine Lösung erarbeiten sollte. Die Idee: Man wolle die Häuser nun nacheinander sanieren. Erneuert werden müssten Betongeschossdecken, Fenster und gegebenenfalls die Lüftungsanlage.

Abgesehen davon seien die Gebäude aber in gutem Zustand. Fast alle Wohnungen wurden modernisiert, die Flachdächer saniert, Treppenhäuser und Aufzug erneuert. Seit 2001 habe die Stiftung in jedes Hochhaus eine Million Euro gesteckt, sagt Seiwert.

Wie teuer die anstehenden Arbeiten werden, stehe hingegen noch nicht fest. Rücklagen seien aber vorhanden, die Beantragung von Fördermitteln und Aufnahme von Krediten geplant. Auch der Start der Bauarbeiten ist laut dem Rathausmitarbeiter noch nicht terminiert: „Wir gehen aber davon aus, dass es dieses Jahr losgehen wird.“

Wichtig sei der Stiftung dabei,  „dass die Gebäude in ihrer jetzigen Optik erhalten bleiben“, sagt Seiwert, der sogar soweit geht, die Türme als „Charakterbauwerke“ und „architektonisches Kleinode“ zu bezeichnen.

Charakteristisch sind sie wohl. Denn von Weitem betrachtet, gehören sie zu den ersten Gebäuden, die man von der Bitburger „Skyline“ sieht. Doch selbst aus einiger Entfernung würden wohl die wenigsten in den Hochäusern „architektonische Kleinode“ sehen – zumindest nicht im aktuellen Zustand. Oder wie Anneliese es ausdrückt: „Das hier ist das Ghetto von Bitburg.“

Wenn sie das nötige Kleingeld hätte, würde sie der Eifelstraße daher am liebsten den Rücken kehren. Doch einen Umzug kann sie sich, wie viele andere Bewohner, nicht leisten.