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Wirtschaft im Eifelkreis: Was Banken und Wirtschaft in der Krise umtreibt

Wirtschaft im Eifelkreis : Was Banken und Wirtschaft in der Krise umtreibt

Vom vollständigen Lockdown zurück zu einer immer noch fragilen Normalität: Nach sechs Monaten Corona-Pandemie ist die Eifeler Geschäftswelt weitestgehend intakt.

Als Anfang Mai die Geschäfte wieder öffnen durften und wenig später die Gastronomie folgte, hatten alle Gewerbetreibenden umfangreiche Einnahmeverluste zu beklagen. Nicht alle Händler und Dienstleister haben die coronabedingten Schließungen unbeschadet überstanden, die allermeisten leiden auch noch im September an den Folgen.

„Wir kämpfen“, sagt Daniela Haas, Vorsitzende des Gewerbevereins Prüm Eifelstark. „Doch im Großen und Ganzen sind unsere Mitglieder noch verschont geblieben, niemand musste schließen.“ Überbrückungshilfen und Kurzarbeitergeld hätten geholfen, mehr oder weniger unbeschadet durch die Corona-Krise zu kommen, sagt Haas. „Die aktuelle Ankündigung der Bundesregierung, das Kurzarbeitergeld länger auszuzahlen, ist eine gute Nachricht. Wir werden das in Prüm weiterhin gut gebrauchen können.“

Nach einer ganz schlimmen Phase habe sich die Situation deutlich verbessert, sagt Lars Messerich, Vorsitzender des Gewerbevereins Bitburg. „Doch von einer Normalität sind wir noch weit entfernt.“ Es existiere keine Umfrage zu drohenden Insolvenzen unter den Mitgliedsbetrieben, sagt Messerich. „Ich sehe aber, dass die Geschäftsinhaber sehr viel Solidarität und Rückhalt aus der Bevölkerung erfahren. Es wird verstärkt regional eingekauft.“ Auch die Touristenzahlen seien angestiegen - für die Gewerbetreibenden in der Bitburger Innenstadt sei dies ein bedeutender Faktor. „Die Bewältigung der Krise bleibt aber eine große Herausforderung für uns, wir müssen unsere Geschäftsmodelle anpassen.“ Der Ausbau digitaler Angebote, Bringdienste und verbesserte Service-Angebote seien die wichtigsten Themen in den kommenden Monaten, sagt Lars Messerich.

Die verschiedenen Branchen seien unterschiedlich hart betroffen, sagt Andreas Theis, Vorstand der Volksbank Eifel. „Insbesondere die Reisebranche, aber auch die Gastronomie, das Hotelgewerbe und die vielen kleinen Einzelhandelsbetriebe leiden unter der nun fast sechs Monate andauernden Verunsicherung der Verbraucher.“

Die schlechte Auftragslage im Gastgewerbe und gerade auch in der Veranstaltungsbranche werde sich in den kommenden Monaten voraussichtlich nicht verbessern, sagt Andreas Theis. „Dadurch ist die Gefahr von Betriebsschließungen gegeben.“

Die Volksbank Eifel stehe zu ihrer Verantwortung gegenüber der regionalen Wirtschaft - auch in Krisenzeiten. „Viele der Umsatzrückgänge und Liquiditätsdefizite können durch Tilgungsaussetzungen und Corona-Hilfsprogramme weitestgehend aufgefangen werden“, berichtet Andreas Theis. Eine Tendenz zu einer Zunahme von Pleiten sei nicht eindeutig erkennbar: „So, wie sich die Lage darstellt, trifft es derzeit Betriebe, die auch ohne Corona bereits am Schlingern waren. Aufgrund der Krise allein zeichnet sich bisher keine Insolvenzwelle ab.“

Ähnlich beurteilt auch die Kreissparkasse Bitburg-Prüm die Lage: „Der Mittelstand in unserer Region zeigt sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation robust“, sagt Ingolf Bermes, Vorsitzender des Vorstandes der KSK. Hauptgründe dafür seien die vielschichtige Struktur und die solide Basis, die sich die Betriebe in den vergangenen Jahren aufgebaut hätten. „Doch wie sich die allgemeine Lage weiterentwickelt und welche Auswirkungen sie in Zukunft auf die Betriebe haben wird, kann aktuell niemand sagen“, resümiert Bermes.

„Vielen unserer Kunden konnten wir zunächst mit Tilgungsaussetzungen weiterhelfen“, berichtet Rainer Nickels, Vorstandsmitglied der KSK Bitburg-Prüm. „Damit haben wir zu einer Liquiditätsentlastung in den Unternehmen beigetragen.“ Auch KfW-Kredite, Landes- sowie Hausbankdarlehen habe die KSK vermittelt. „Wir werden die Menschen und den Mittelstand in unserer Region weiterhin unterstützen“, sagt Nickels.