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CDU-Neujahrsempfang im Eifelkreis: Was die Gesellschaft zusammenhält

CDU-Neujahrsempfang im Eifelkreis : Was die Gesellschaft zusammenhält

Beim Neujahrsempfang der CDU im Eifelkreis gibt es in Bitburg viel Applaus für Ralph Brinkhaus, der für eine Politik aus der Mitte heraus wirbt.

Für klare Worte ist er bekannt. Und so bezieht der CDU-Kreisvorsitzende Michael Billen auch gleich bei der Begrüßung seines Gastes Position. „Ich bin sehr froh, dass Sie gewählt wurden“, sagt Billen an die Adresse von Ralph Brinkhaus gewandt.

Brinkhaus hatte sich im September 2018 in einer Kampfabstimmung um den Posten des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag gegen Volker Kauder durchgesetzt. Die Wahl wurde auch als Niederlage von Bundeskanzlerin Angela Merkel gewertet, die sich im Vorfeld für Kauder ausgesprochen hatte.

 Ralph Brinkhaus beim Neujahrsempfang der CDU im Eifelkreis Bitburg-Prüm.
Ralph Brinkhaus beim Neujahrsempfang der CDU im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Foto: TV/Dagmar Dettmer

In Bitburg lobt Brinkhaus vor mehr als 450 Gästen beim CDU-Neujahrsempfang im Eifelbräu vor dem Hintergrund despotischer Regierungschefs die Kanzlerin: „Sie hat nie der Versuchung nachgegeben, der Wut das Wort zu reden. Wir können froh sein, dass es eine gibt, die die Ruhe bewahrt und sich nicht drei mal am Tag auf die Brust trommelt und erklärt, wie toll sie ist.“ Das, was die Welt und die Gesellschaft zusammenhält, ist Thema seiner Rede.

 CDU-Neujahrsempfang Bitburg mit Ralph Brinkhaus und Michael Billen
CDU-Neujahrsempfang Bitburg mit Ralph Brinkhaus und Michael Billen Foto: TV/Dagmar Dettmer

Ähnlich wie zuvor bereits Billen („Eine Partei, die Europa abschaffen will, darf bei der Europawahl keine Stimme bekommen“), macht sich auch Brinkhaus für Europa stark: „Wir müssen aufpassen, dass Europa nicht in die Hände derjenigen fällt, die das kaputt machen wollen.“ Deutschland brauche Europa nicht nur schon allein aus wirtschaftlichen Gründen, sondern die EU sei „das größte Friedensprojekt der Welt“. Und Frieden sei, da brauche man nicht weit zu reisen, eben alles andere als selbstverständlich. Die Bedeutung der EU für ein friedliches Miteinander bringt Brinkhaus auf die Formel: „Menschen, die miteinander reden, schießen nicht aufeinander.“

 CDU-Neujahrsempfang Bitburg mit Ralph Brinkhaus und Michael Billen
CDU-Neujahrsempfang Bitburg mit Ralph Brinkhaus und Michael Billen Foto: TV/Dagmar Dettmer

Das Gefühl, das die Briten zum
Brexit bewogen hat, erklärt der Bundestagspolitiker in Kürze mit einem Verweis auf die heile 50er-Jahre-Welt in der Fernsehserie „Der Doktor und das liebe Vieh“. „Sicher“, sagt Brinkhaus zum Brexit, „war das auch Protest und Angst, aber vor allem ist es für mich Ausdruck, dass man diese, vermeintlich heile Welt zurückhaben will“. Alle Populisten würden genau das ihren Wählern versprechen: die als sicher und schön erinnerte Vergangenheit zurückzubringen. Der Wahlspruch Trumps („We make America great again“) sei da nur ein Beispiel.

 CDU-Neujahrsempfang Bitburg mit Ralph Brinkhaus und Michael Billen
CDU-Neujahrsempfang Bitburg mit Ralph Brinkhaus und Michael Billen Foto: TV/Dagmar Dettmer

Im Kern seiner Ansprache wirft Brinkhaus die Frage auf, was die Gesellschaft zusammenhält. Denn „der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft“, getragen durch die vielen, die sich ehrenamtlich engagieren, sei ein Schatz, der verloren zu gehen droht. Das zeige unter anderem die Verrohrung der Sprache, wie man sie in den sozialen Medien beobachten könne oder die Tatsache, dass Menschen mehr und mehr über- statt miteinander sprechen.

Für Brinkhaus ist es deshalb höchste Zeit, „dass wir wieder anfangen, dieses Land von der Mitte aus zu denken“. Der Charakter einer Gesellschaft zeige sich daran, wie sie mit Schwachen umgeht. Diese müssen unterstützt werden. „Aber wir müssen auch erwarten, dass beispielsweise ein Arbeitsloser alles dafür tut, um seine Lage zu verbessern und wenigstens regelmäßig beim Arbeitsamt vorspricht.“ Denn Solidarität sei keine Einbahnstraße: „Jede Unterstützung, die wir gewähren, ist nur möglich, weil auf der anderen Seite Menschen aufstehen und arbeiten.“

Die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft stehe und falle mit der Stärke der Mitte einer Gesellschaft. Deshalb findet Brinkhaus das Baukindergeld eine richtige und  wichtige Initiative. Wohnen muss bezahlbar sein. Ein weiteres wichtiges Thema ist für Brinkhaus die Situation der Pflege: Hier haben wir einen ehrgeizigen Gesundheitsminister, der damit genau das anspricht, was alle früher oder später bewegt: Wie wird für mich, für meine Eltern, im Alter gesorgt.“ Darauf müssten Antworten gefunden werden. Sein Fazit: „Man kann sich vor der Zukunft nicht schützen, aber man kann sich für sie stark machen.“

Für den Ostwestfalen, der versichert, mindestens so dickköpfig zu sein wie die Eifeler, gibt es am Ende jede Menge Applaus und zwei Flaschen Hochprozentiges aus der Eifel. Mit Blick auf den Schnaps gibt CDU-Kreis-Vorsitzender Billen zum Abschluss die Devise aus: „42 Prozent sind doch ein Ziel.“