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Was die Verkehrsluftfahrt in Deutschland mit Bitburg zu tun hat

Geschichte : Bitburg und die „ferne Geliebte“ 

Häusergeschichten, Teil 2, Trierer Straße 30: Wie ein Büro in Bitburg Wegbereiter für den Luftverkehr in Deutschland wurde

Die Nachkriegsgeschichte der Verkehrsluftfahrt in Deutschland nahm einmal in Bitburg ihren Anfang: 1949 betrieb Hans Max Bongers in der Trierer Straße 30 ein Büro für Wirtschaft und Steuern. Seine eigentliche Passion galt jedoch dem Luftverkehr. Der aus Norddeutschland stammende Diplom-Kaufmann war vor dem Krieg als Verkehrsleiter bei der Lufthansa beschäftigt und im Luftverkehr erfahren wie kaum ein anderer. 1945 jedoch wurde das Unternehmen aufgelöst. Die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs stellten im Potsdamer Abkommen klar: „Die Herstellung und der Besitz, die Unterhaltung oder der Betrieb durch Deutsche von Flugzeugen aller Art sind verboten.“

Zu dieser Zeit lebte Bongers in Bollendorf, der Herkunft seiner Ehefrau Elisabeth, einer Ärztin, die er 1921 in München kennen­lernte. In seinen als Buch erschienenen Erinnerungen schrieb er: „In der an Industrie armen Südeifel bestanden für einen neuen Beruf keine guten Voraussetzungen. Ich konnte versuchen, die vielen kleinen Gewerbetreibenden von Fall zu Fall zu beraten. Also besorgte ich mir beim Finanzamt in Bitburg eine Lizenz zur Beratung von Steuerpflichtigen. Ich ging mit einem Anwalt eine Bürogemeinschaft ein. Zunächst residierten wir im ersten Stock eines Gasthauses, später in einer Villa neben dem Amtsgericht. Schließlich brachte ich es zu einem eigenen Büro. Ich war bestrebt, zu meiner Luftverkehrsvergangenheit Abstand zu gewinnen. Allerdings wühlte der Stachel Luftverkehr ständig weiter in mir. Die Sehnsucht nach der fernen Geliebten blieb stets spürbar.“

Erst Anfang der 50er Jahre gab es Bestrebungen, wieder ein Luftfahrtunternehmen zu gründen. Bongers‘ Bonus: Er hatte keine NSDAP-Vergangenheit und genoss daher das Vertrauen der Amerikaner. 1951 erteilte der damalige Bundesverkehrsminister Seebohm Bongers den Auftrag, ihn in Fragen eines künftigen deutschen Luftverkehrs zu beraten, jedoch ohne großes Aufsehen und nur in kleinem Stil. Als erfahrenster Mann auf dem Gebiet gründete er daraufhin das in Fachkreisen später legendär gewordene „Büro Bongers”. Er richtete sich in Bitburg einige Räume notdürftig ein und begann mit seiner Arbeit. Von hier aus suchte Bongers sich ein Team mit den besten Köpfen der ehemaligen Lufthansa zusammen und begann mit der Grundlagenarbeit. Mit dabei: Ingenieur Gerhard Höltje, der von einer sicheren Beschäftigung bei den Amerikanern in Berlin-Tempelhof aus nach Bitburg wechselte und dort den Bereich Technik übernahm. Das bald darauf nach Köln verlagerte Büro Bongers wurde so zur Wiege der neuen Lufthansa. Vieles, was dort erdacht wurde, setzte anschließend die neu gegründete „Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf (LUFTAG)“ in die Tat um. Hans M. Bongers wurde kaufmännischer und Gerhard Höltje technischer Vorstand.

„Die große Pause nach 1945 war beendet. Bis August 1951 versah ich mit der linken Hand noch mein Büro in Bitburg. Später übergab ich es einem in Bitburg tätigen Steuerberater“, schrieb Bongers in seinem Buch. Nur ein Jahr später benannte sich die Kölner LUFTAG um. Sie hieß nun wieder „Deutsche Lufthansa” und entwickelte sich zu einer der größten Fluggesellschaften der Welt.

Bongers blieb der Lufthansa treu und arbeitete später im Aufsichtsrat von Lufthansa und Tochtergesellschaft Condor. Er behielt seinen Wohnsitz in Bollendorf und fand dort nach seinem Tod 1981 die letzte Ruhe. Die Hans-Bongers-Straße, passenderweise auf dem Bitburger Flugplatzgelände, erinnert heute an den großen Pionier der Verkehrsluftfahrt nach dem 2. Weltkrieg und ihrer Keimzelle in einem kleinen Büro in Bitburg.

 Bevor der Luftverkehrsexperte Hans Max Bongers in Köln das „Büro Bongers“ gründete, betrieb er ein Büro in der Trierer Straße 30 in Bitburg. Auf dem Bitburger Flugplatzgelände erinnert die Hans-Bongers-Straße an den Pionier der Verkehrsluftfahrt.
Bevor der Luftverkehrsexperte Hans Max Bongers in Köln das „Büro Bongers“ gründete, betrieb er ein Büro in der Trierer Straße 30 in Bitburg. Auf dem Bitburger Flugplatzgelände erinnert die Hans-Bongers-Straße an den Pionier der Verkehrsluftfahrt. Foto: TV/Archiv Thomas Konder
 Die Erinnerungen von Hans Max Bongers – auch an die Bitburger Jahre – wurden als Buch veröffentlicht.
Die Erinnerungen von Hans Max Bongers – auch an die Bitburger Jahre – wurden als Buch veröffentlicht. Foto: TV/Archiv Thomas Konder

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