GESUNDHEIT: „Was hier geleistet wird, ist vorbildlich“

GESUNDHEIT : „Was hier geleistet wird, ist vorbildlich“

Nach zwei Jahren neigt sich das vom Bund geförderte, kreisweite Projekt „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ dem Ende zu. Die Verantwortlichen sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden, wollen es dabei aber nicht belassen.

Er sei eigentlich kein Zahlenmensch, habe sich aber für seinen Vortrag ein wenig mit Statistiken beschäftigt, sagt Peter Heinen. Der Facharzt für Neurologie ist ärztlicher Leiter der Gedächtnisklinik St. Vith/Ostbelgien und Referent der Abschlussveranstaltung zum kreisweiten Projekt „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz“. Bundesweit hat das Bundesfamilienministerium 500 dieser lokalen Allianzen über eine Projektdauer von zwei Jahren gefördert. Und dass der Bedarf an Allianzen und Netzwerken für demenzkranke Menschen und deren Angehörige groß ist, zeigen die Zahlen, mit denen sich der Facharzt in seinem Vortrag befasst.

„Das Hauptrisiko, an Demenz zu erkranken, ist das Lebensalter“, sagt Heinen. Und da die Menschen im Schnitt immer älter würden, steige folglich auch der Anteil der Demenzkranken. Der Arzt hat die für Deutschland geltenden Statistiken auf den Eifelkreis heruntergebrochen und kommt somit auf rund 2000 Menschen, die bereits jetzt an Demenz erkrankt sind. Mit Blick auf den demografischen Wandel geht der Mediziner davon aus, dass sich diese Zahl in den kommenden 20 Jahren mehr als verdoppeln werde. Statistisch, so Heinen, erkranke im Eifelkreis pro Tag ein Mensch an Demenz.

Was das für die Betroffenen und deren Angehörige bedeutet, weiß Brunhilde Hell nur zu gut. Die Mitarbeiterin der Kreisverwaltung leitet das kreisweite und vom Bund mit 10 000 Euro geförderte Projekt. Im September 2016 wurde es gestartet, zwei Jahre später endet es nun. Aus diesem Grund hat die Kreisverwaltung die vielen Akteure dieser Allianz zur Abschlussveranstaltung eingeladen. Wobei sowohl Brunhilde Hell als auch Landrat Joachim Streit betonen, dass das Ende des Projekts nicht das Ende des daraus entstandenen Netzwerks sei. Es sei dem Kreis ein großes Anliegen, diese Allianz, die sich unter anderem aus kreisweiten Pflege- und Betreuungseinrichtungen, Sozialdiensten, medizinischen Einrichtungen, Vereinen, Schulen, Ehrenamtlichen und nicht zuletzt vielen Angehörigen von Demenzkranken zusammensetzt, auch weiterhin am Leben zu halten, erklärt Hell. Auch wenn der Bund jetzt aus der Unterstützung zurückzieht. „Wir können leider aufgrund des Haushaltsgesetzes keine Anschlussförderung geben und sind deshalb darauf angewiesen, dass der Kreis dieses Projekt nun weiter fördert“, sagt Kornelia Folk, die im Bundesfamilienministerium für das Thema Demenz zuständig ist. Folk ist sichtlich beeindruckt: „Was hier im Kreis alles geleistet wird, ist vorbildlich.“

Was das in den vergangenen zwei Jahren im Einzelnen alles war, darüber berichtet Hell in ihrer Präsentation. So gab es zum einen zahlreiche Vorträge und Veranstaltungen zu verschiedenen Themen wie beispielsweise Gedächtnis- und Koordinationstraining oder aber dem Umgang mit freiheitsentziehenden Maßnahmen. Des Weiteren wurden generationsübergreifende Angebote geschaffen, an denen auch Schulen beteiligt waren. Worauf die Projektleiterin zudem verweist, sind die Ärzte und Krankenhäuser, die als Projektpartner gewonnen werden konnten, und nicht zuletzt die kulturellen Angebote. Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist Hell dabei das Erzählkonzert mit klassischer Musik für Kinder und Senioren. „Ich hatte noch lange danach eine Gänsehaut“, schwärmt die Projektleiterin von der Veranstaltung. Die Mitarbeiterin der Kreisverwaltung ist überzeugt: „Wenn wir die Menschen wieder in unsere Mitte holen, ihnen mit Offenheit begegnen, ihnen Chancen auf ein glückliches, normales Leben geben, ihnen und ihren Angehörigen einen Platz in unserer Gesellschaft bieten, wird es für uns alle viel wärmer und menschlicher werden.“