Was steckt hinter dem seltsamen Kasten in Holsthum?

Windkraft : Kleiner Kasten, große Wirkung

Auf einer Lichtung hinter dem Holsthumer Sportplatz steht seit Monaten ein seltsamer Anhänger ohne Räder. Ein Windkraftunternehmen untersucht damit, ob sich dort die Errichtung von Anlagen lohnt.

Viele Wanderer sind schon daran vorbeigelaufen und haben sich gefragt, was das wohl ist. Heinz Faust hat die Antwort. „Das ist ein Gerät zur Windmessung“, erklärt der Holsthumer Ortsbürgermeister und bezieht sich damit auf den weißen, kastenförmigen Anhänger, der am Rand eines Maisfelds auf einer Lichtung am Holsthumerberg steht.

Die auf Windkraft spezialisierte Projektentwicklungsgesellschaft Juwi habe diesen Hänger bereits im vergangenen Herbst aufgestellt, sagt Faust: Geplant sei, das Gerät mindestens ein Jahr dort stehen zu lassen.

Bei dem Apparat handelt es sich um ein Lidar-Messgerät, das Laserimpulse bis zu 200 Meter hoch in den Luftraum aussendet. Diese Impulse werden wiederum von kleinen Luftteilchen zurückgestreut. Anhand der Unterschiede bei der Reflektion kann das Gerät so die Windgeschwindigkeit und auch die Windrichtung in verschiedenen Höhen messen. Das Unternehmen Juwi will mit Hilfe dieser Apparatur prüfen, ob am Holsthumerberg tatsächlich genug Wind weht, um Windenergieanlagen wirtschaftlich zu betreiben.

Nach den Angaben in dem Entwurf zur Fortschreibung des Flächennutzungsplans für Windkraft in der Verbandsgemeinde Südeifel ist das der Fall. Denn dort ist das Gebiet östlich der Ortslage Holsthum als Vorrangfläche für Windkraft ausgewiesen. Und da zu den Kriterien für die Ausweisung solcher Standorte eben auch die Windgeschwindigkeit gehört, müssten dort eigentlich gute Standortbedingungen sein. Zumindest wenn man sich nach dem rheinland-pfälzischen Windatlas richtet, der auch als Grundlage für den Flächennutzungsplan-Entwurf dient.

Allerdings gilt dieser Windatlas als recht ungenau, sodass die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort von den Angaben des landesweiten Kartenwerks durchaus abweichen können. „Es kann also durchaus sein, dass Juwi am Ende gar kein Interesse mehr daran hat, dort Anlagen zu errichten“, erklärt der Holsthumer Ortsbürgermeister.

Rudolf Otten wäre es sehr recht, wenn die in dem weißen Hänger erfassten Daten zu dieser unternehmerischen Entscheidung führen würden. Der Holsthumer hat sich bereits vor einigen Jahren gemeinsam mit weiteren Bürgern aus Ernzen, Ferschweiler und Bollendorf gegen die Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraft auf dem Ferschweiler Plateau gewehrt (der TV berichtete). Das Plateau liegt allerdings westlich von Holsthum und damit auf einer anderen Seite als die Vorrangfläche am Holsthumerberg. Und trotzdem bereitet ihm die Vorstellung, dass dort Windmühlen errichtet werden könnten, Bauchschmerzen.

„Dort ist das Quellgebiet des Dahlembachs“ sagt Otten. Und er habe die Befürchtung, dass das „sehr saubere und klare Wasser“ durch den Bau der Anlagen verunreinigt werden könnte. Zudem verweist er auf Überreste eines historischen Bauwerks am Rand dieser Vorrangfläche. Wie Otten erklärt und auch in der Kulturdatenbank des Landes beschrieben ist, handelt es sich bei dieser rund 34 Meter langen und 42 Meter breiten Anlage direkt oberhalb der Bachquelle mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein römisches Quellheiligtum. „Wir haben es hier also mit einem archäologisch durchaus wertvollen Tempel zu tun“, erklärt der Lehrer aus Holsthum, der am Biesdorfer Gymnasium Latein und Geschichte unterrichtet. Er hoffe deshalb, dass es nicht zum Bau von Windrädern kommt.

Ob und vor allem wann in dem Waldgebiet südöstlich des Sportplatzes Windkraftanlagen errichtet werden, hängt aber nicht nur von den Ergebnissen der Windmessung ab, sondern in erster Linie vom Flächennutzungsplan. Dessen Entwurf wurde zwar bereits vom Verbandsgemeinderat und der Mehrheit der Gemeinden in der Südeifel abgesegnet, doch könnte es sein, dass das Verfahren noch einmal aufgerollt werden muss.

Der Grund: Die Kreisverwaltung hatte kritisiert, dass bei der Offenlegung der Pläne Detailkarten gefehlt haben – und das sowohl beim Verfahren in der Südeifel wie auch bei jenen in den Verbandsgemeinden Bitburger Land und Prüm (der TV berichtete). Weil die Kreisverwaltung nun mal auch die Behörde ist, die am Ende den Entwurf genehmigen muss, ist derzeit unklar, welches Gewicht dieser Einwand haben wird. In der Südeifel schließt man eine erneute Offenlegung der Pläne und die damit verbundene Verzögerung des ohnehin schon langwierigen Verfahrens inzwischen nicht mehr aus. Bis die Vorrangflächen für Windkraft am Ende tatsächlich ausgewiesen sein werden, wird also noch viel klares Wasser den Dahlembach hinunterfließen.

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