Was tun gegen den Winterblues? Antriebslosigkeit in der dunklen Jahreszeit: Dauner Facharzt gibt Tipps

Was tun gegen den Winterblues? Antriebslosigkeit in der dunklen Jahreszeit: Dauner Facharzt gibt Tipps

´Gerade in der dunklen Jahreszeit fühlen sich viele Menschen schlapp und antriebslos. Warum das so ist, und was man dagegen tun kann, darüber hat der TV mit einem Chefarzt an den AHG Kliniken in Daun gesprochen.

Daun/Bitburg. Ist das Wetter trüb, sinkt die Stimmung. Das kennt jeder. Aber für manche ist die dunkle Jahreszeit, die im November beginnt, eine echte Herausforderung. Denn diese Zeit macht sie deprimiert, antriebs- und lustlos.
Dr. med. Michael Rolffs, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Chefarzt an den AHG Kliniken in Daun, erklärt, warum: "Die reduzierte Lichteinwirkung spielt hier eine große Rolle. Darüber werden bestimmte Prozesse im Gehirn gesteuert, zum Beispiel die Bildung von Melatonin." Diese Bildung von Melatonin wird durch Licht gehemmt, weshalb in der dunklen Jahreszeit mehr Melatonin produziert wird. Die Folge: Der Melatoninspiegel bleibt auch am Tag erhöht. Und das Schlafhormon, das bei Dunkelheit ausgeschüttet wird und müde macht, wirkt auch tagsüber. Genau umgekehrt wie beim Melatonin verhält es sich mit dem Stimmungsaufheller Serotonin. Dieser Botenstoff wirkt antriebssteigernd und wird bei körperlicher Aktivität vermehrt gebildet.
Hat man zu wenig Serotonin und zu viel Melatonin, fördert das die Entstehung einer Depression. "Wir sprechen hier von einer saisonal abhängigen Depression", sagt Rolffs. Die Symptome seien ähnlich wie bei reaktiven und endogenen Depressionen, die Ursache dagegen ausschließlich saisonal bedingt. Was nicht heißt, dass Patienten mit endogenen oder reaktiven Depressionen nicht auch in der dunklen Jahreszeit zusätzlich belastet sein können.
Was kann man tun? "Möglichst viel nach draußen, ans Licht gehen", sagt Rolffs. Spaziergänge, Sport, allgemein Bewegung, helfe gegen den Winterblues. Viel Bewegung lässt den Serotoninspiegel steigen. Saisonale Depressionen kann man auch mit einer Lichttherapie bekämpfen. Dafür werden spezielle Lampen empfohlen, die möglichst 10 000 Lux stark sein sollten. Man sollte sich im Abstand von etwa 80 Zentimetern mit geschlossenen Augen vor die Leuchte setzen und in Richtung Lichtquelle schauen.
Aber woran merkt man, dass die Depression nicht ausschließlich saisonal bedingt ist, sondern auch andere, tiefer liegende Ursachen hat? Rolffs: "Wenn man merkt, dass sich durch Bewegung im Freien und Lichttherapie nichts ändert und ein Stimmungstief nicht tagesformabhängig ist, sondern über einen längeren Zeitraum anhält, dann sollte man einen Hausarzt oder Facharzt aufsuchen."
Durch gezielte Befragung könne man abklären, ob eine weitergehende Therapie mit Gesprächen beim Psychotherapeuten oder Medikamenten, oder beidem notwendig sei. Zudem müsse abgeklärt werden, ob nicht organische Ursachen vorlägen, wie zum Beispiel eine Schilddrüsenerkrankung.

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