Was tun, wenn's brennt?

Was wäre, wenn ein Feuer in einem Kinderheim ausbricht und Dutzende Menschen um ihr Leben bangen müssten? Was dann zu tun wäre, haben die Feuerwehren der VG Speicher am Wochenende bei einer Übung demonstriert. Rund 60 Feuerwehr-Leute waren dabei im Einsatz.

Speicher. Ein grauer, kalter Samstagnachmittag. In den Straßen von Speicher ist nicht viel los. Die letzten Besorgungen fürs Wochenende werden erledigt. Ein paar Spaziergänger wundern sich über die Musik, die in Disko-Lautstärke aus einem Haus wummert. Vielleicht hat jemand sturmfrei. Weiter runter in der Kapellenstraße ist es ruhig. Das Tröten einer Pressluft-Hupe aus dem Innenhof des Kinderheims in der Ortsmitte zerschneidet die Stille. Einmal. Zweimal. Dreimal. Ob sich da jemand einen Spaß erlaubt? Doch dann ertönt auch die Sirene der Speicherer Feuerwehr. Innerhalb weniger Minuten bildet sich eine Menschentraube auf der anderen Straßenseite des Kinderheims. Einige schauen fragend bis besorgt. Andere lächeln wissend. Einige Minuten später kommen mehrere Feuerwehrautos angerauscht. Mit Blaulicht, allerdings ohne Horn. Ein kleines Kind beobachtet das Geschehen aufmerksam. "Aber warum ohne tatütata?", will es wissen. Eine berechtigte Frage. Ein Feuerwehrmann, der sich mit anderen Uniform-Trägern in der Menschentraube befindet, erklärt es dem Kind: "Das ist nur eine Übung. Und mit tatütata würde es zu laut." Das erklärt auch, warum die Feuerwehrleute bei ihrer Ankunft so freudestrahlend aus ihren Einsatzfahrzeugen springen. Konzentration und Kompetenz

"Wir gehen von einer Brandstiftung im hinteren Trakt des Kinderheims aus", erklärt Arnold Faber, Wehrleiter der VG-Feuerwehr. Hintergrund der Echt-Übung: Einerseits soll die neue Brandschutzordnung des Kinderheims getestet werden. Andererseits sollen die alarmierten Wehren in der Verbandsgemeinde ihr Zusammenspiel, ihre Verzahnung, unter Beweis stellen. Und nicht zuletzt die Einsatzleitung kann durch solch eine Übung ihre Kompetenz unter Beweis stellen. Im Innenhof des Kinderheims. Ein 13-Jähriger liegt auf dem Boden, die Beine angewinkelt, regungslos. Die Maschinerie der Feuerwehr kommt in Gang. Aus jeder Richtung flirren Wortfetzen: "Menschenrettung", "Atemschutz", "Brandschutzbekämpfung", "Registrierung". Obwohl jeder weiß, dass es sich "nur" um eine Übung handelt, herrscht Konzentration. Die einen steigen eine Leiter hoch, um die Kinder übers Fenster zu evakuieren, die anderen rollen Wasserschläuche aus, um den imaginären Brand zu löschen. Dann kommt die Nachricht: 19 Kinder werden noch vermisst. Männer mit Atemschutzgeräten stürmen ins Haus. Jedes "gerettete" Kind wird auf den kalten Boden im Innenhof gelegt. Nach wenigen Minuten sind alle vermissten Kinder und ein verletzter Feuerwehrmann aus dem Kinderheim evakuiert. Und dennoch fehlt ein Kind. Im Haus ist das Mädchen nicht mehr, da sind sich die Feuerwehrmänner sicher. Kurze Rücksprache mit dem Heimleiter. Jemand hat sie draußen rumlaufen sehen. Erleichterung. Die Atemschutzmasken werden ausgezogen. Zum Vorschein kommen verschwitzte Gesichter. Während die Schläuche wieder eingerollt werden, legen einige die Leiter wieder an der Hauswand an. "Wenn wir schon da sind und so eine lange Leiter dabei haben, dann können wir auch noch die Bälle vom Dach holen", erklärt ein zufriedener Wehrleiter Faber.