Was uns auf der Stirn geschrieben steht

Was uns auf der Stirn geschrieben steht

Augen, Mund und Ohren verraten einiges über die Persönlichkeit eines Menschen - das sagt jedenfalls Nikola Pricha. Gelernt hat die Stahlerin das von Susanne Steinhaus. Jetzt hat sie die Gesichtsleserin nach Bitburg eingeladen.

Bitburg-Stahl. Wer eine breite Nase hat, kann gut im Team arbeiten. Schmale Lippen hingegen sprechen von emotionaler Verschlossenheit. Und auch die Ohren können etwas über den Charakter eines Menschen aussagen - jedenfalls, wenn man Nikola Pricha glaubt.
Die Therapeutin aus Stahl beschäftigt sich seit etwa anderthalb Jahren mit dem Gesichtslesen, als Ergänzung zur Tiefenpsychologie. Stirnfalten, Kieferform, Wangenmuskulatur - all das könne Aufschluss über den Charakter des Gegenübers geben, sagt sie. Wie man die Merkmale richtig deutet, hat sie von Susanne Steinhaus erfahren. Prichas erste Begegnung mit ihr war auf einer Gesundheitsmesse.
Ein Blick zurück: An einem Tischchen sitzt sie, die blondgelockte Frau aus dem Bergischen Land. Pricha bleibt an ihrem Stand stehen, man kommt ins Gespräch. Die Psychotherapeutin findet Steinhaus sofort sympathisch, willigt schnell ein sich das Gesicht lesen zu lassen. Sie setzt sich auf einen Stuhl, wenige Minuten nur, während Steinhaus sie genau betrachtet: jedes Fältchen, jedes Grübchen, jede Narbe. Was sie dabei herausbekommt über Pricha, wird diese nachhaltig beeindrucken. Sie fragt die Stahlerin zum Beispiel, ob sie unter Müdigkeit leide. Das tut sie. Sie erkundigt sich außerdem, ob die Eifelerin ein neugieriger Mensch sei. Darauf lasse nämlich ihr "Baumgesicht" schließen. "Ich bin tatsächlich interessiert an vielen Dingen", sagt Pricha: "Und sie hat auch anderes herausgefunden,was ich ihr nie erzählt habe."
Überwältigt von dieser Erfahrung, ("Da hat so viel gestimmt - da muss was dran sein") schreibt sie sich bei einem von Steinhausers Seminaren ein. Später belegt sie ein zweites.
Inzwischen sehe auch sie mehr in den Menschen, sagt sie. Kann das Gesichtslesen also jeder lernen? Ja, sagt die Eifelerin. Sie ist sich sicher: Eigentlich sei das eine uralte, intuitive Fähigkeit. Nur im Laufe der Jahre wäre sie bei vielen verschüttgegangen. So auch bei ihr? Naja, sagt die Psychotherapeutin: Sie habe sich schon immer für Gesichter interessiert, sich mit ihnen beschäftigt. An den Rand der Disney-Comics, die sie als Kind gelesen hat, habe sie beispielsweise immer geschrieben, wie sich die Figuren fühlten. Wenn Mickey die Mundwinkel nach unten zog, stand da: "Mickey ist traurig", hingen sie nach oben: "Mickey ist fröhlich."
So einfach sei das mit dem Gesichtslesen natürlich nicht. Ein einzelnes Merkmal - Nase, Mund, Stirn - sage noch wenig über einen Charakter aus, erklärt sie. Nur wer das Gesamtbild betrachte, könne verlässliche Aussagen treffen. Zum Beispiel Aussagen über die Gesichter von Prominenten wie Till Schweiger. Und was liest Pricha dem Schauspieler von der Stirn ab? Er habe ein typisches "Königsgesicht", sagt sie: "Solche Leute neigen dazu, mal was anzustellen." cha
Wer erfahren will, was Nase, Augen und Co. mutmaßlich über den eigenen Charakter aussagen, kann am 20. Januar einen Vortrag im Bitburger Simonbräu besuchen. Halten wird ihn aber nicht Nikola Pricha, sondern Susanne Steinhaus. Der Eintritt kostet fünf Euro. Im Anschluss daran werden die beiden Frauen am 11. Februar einen Workshop anbieten.