Waschen, schneiden, färben, zahlen

Bitburg · Die Friseur-Innung Westeifel hat in Bitburg die Trends für Frühjahr/Sommer 2015 präsentiert. Die aktuelle Frisurenmode verzichtet auf klassische Strähnchen und setzt dafür andere Akzente: mehr Strukturen, mehr Dynamik und mehr Flexibilität. Und ab August auch mehr Lohn.

Bitburg. Wäre dieser Text eine modische Frisur, so wäre es wichtig, den Übergang zwischen Vorspann und Haupttext möglichst weich zu halten. Die Textur wäre insgesamt recht locker und die Sätze würden leicht übereinander fallen. Manche dieser Sätze wären etwas länger, andere dafür umso kürzer.
Man würde sich die Freiheit nehmen, mal Frisör und mal Friseur zu schreiben. Überhaupt wäre der ganze Text so, dass man damit individuell experimentieren könnte. Je nach Lust und Laune würde man einen neuen Absatz auch mal mit indirekter Rede beginnen. Oder, wenn einem gerade danach ist, gleich mit einem Zitat.
"Wichtig ist einfach, dass Struktur drin ist", sagt Guido Wirtz, Obermeister der Friseur-Innung Westeifel, die ihre Mitglieder ins Bitburger Hotel Eifelbräu eingeladen hat, um dort die neuen Frisurentrends für das Frühjahr und den kommenden Sommer vorzustellen. Rund 50 - überwiegend weibliche - Vertreter der Branche sind der Einladung gefolgt, um zu erfahren, worauf sie sich einstellen müssen.
Wie Wirtz erklärt, dominierten in diesem Jahr "stark strukturierte Texturen", "Dynamik und Volumen" sowie "individuelle Frisuren". Zudem würden Farbakzente nicht mehr durch typische Strähnchen, sondern mit Hilfe der "Freihand-Painting-Technik" gesetzt. Und während der Innungsmeister anhand eines Fachmagazin-Fotos die dadurch entstehende "Weichheit der Strähne" verdeutlicht, sorgt Tanja Reuland mit ihrem Messer für die Weichheit der Übergänge.
Modellierschere im Einsatz

 Letzter Schliff: Valentin Haier fönt sein Model. TV-Foto: Uwe Hentschel

Letzter Schliff: Valentin Haier fönt sein Model. TV-Foto: Uwe Hentschel


Auch sie ist Friseurin und macht genau wie ihr Berufskollege Valentin Haier das, was beide am besten können: Haare schneiden. An zwei Modellen setzen sie die aktuellen Trends um. Jeder auf seine Art. Tanja Reuland setzt bei der Bearbeitung der Haarspitzen auf ein Messer. Valentin Haier benutzt dafür eine Modellierschere, die er vor und nach jedem Einsatz gekonnt wie einen Revolver um einen seiner Finger kreisen lässt.
Leicht und locker ist die Frisur, vergleichsweise hart der Übergang von den Frisuren zum Mindestlohn, auf den der Innungsmeister zwischendurch dann auch noch kurz eingeht. Seit Januar dieses Jahres liegt die Einkommensuntergrenze bei 8,50 Euro. Wie Wirtz erklärt, gelte dieser gesetzliche Mindestlohn jedoch für die Friseurbranche aufgrund einer entsprechenden Verordnung nach dem Arbeitnehmerentsendegesetz erst ab August. Bis dahin, so der Innungsmeister, würden die Angestellten nach dem Tarifvertrag bezahlt. Und in diesem Vertrag seien derzeit acht Euro als Mindestlohn festgelegt.
Wirtz betont, wie sehr die Einhaltung der Mindestlöhne kontrolliert werde und dass mit hohen Geld- und sogar Gefängnisstrafen zu rechnen sei, wenn man der Dokumentationspflicht nicht nachkomme. Dann gibt der Moderator des Abends sein Mikrofon an den Friseurkollegen Haier weiter.
Der hat seinen Fön gerade ausgeschaltet und erläutert nun dem Publikum die letzten Feinheiten seiner Arbeit. Vor ihm sitzt eine Frau mit platinblonder Kurzhaarfrisur. Sie ist fertig. Für den Sommer 2015.

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