Wasser marsch!?

IRREL/GEROLSTEIN/DAUN. Schüler sollen in den Schulstunden trinken dürfen, so will es die Informationszentrale Deutsches Mineralwasser (IDM) in Bonn. Hildegard Kern-Mossal, Lehrerin an der Regionalen Schule in Irrel, unterstützt das Projekt. Ablehnung kommt dagegen aus Gerolstein und Daun.

"Ich habe festgestellt, dass die Kinder sich besser konzentrieren können, wenn sie während des Unterrichts trinken dürfen", sagt Hildegard Kern-Mossal. Im Wahlpflichtfach Naturwissenschaften haben sich die zwölf Schüler der achten Klasse der Regionalen Schule Irrel mit dem Projekt Wasser, speziell Mineralwasser befasst und zunächst ermittelt, wie viel jeder trinkt. Dabei stellten sie fest, dass viele über den Tag verteilt zu wenig trinken, einer der Schüler allerdings bis zu sechs Liter zuckerhaltige Limonade konsumiert. Für sieben- bis 13-jährige Kinder werden von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung rund 1,2 Liter und für 13- bis 15-Jährige mindestens 1,3 Liter Flüssigkeitzufuhr pro Tag empfohlen. Da das Trinken im Unterricht allgemein nicht üblich ist, fordert die IDM und die deutsche Gesellschaft für Ernährung, das Trinken nicht nur in den Pausen zu erlauben. "Viele Kinder und Jugendliche leiden unter Flüssigkeitsmangel", heißt es im Informationsmaterial der IDM. Der Zusammenhang zwischen ausreichendem Trinken und Konzentrationsfähigkeit sei in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen worden. Das, was Kinder während eines Tags zu wenig trinken, entspreche in etwa der Menge, die sie im Unterricht zu sich nehmen können, sagen Ernährungswissenschaftler der Universität Bonn. Bisher dürfen die Irreler Kinder bei einigen Lehrern während Klassenarbeiten trinken, bei Hildegard Kern-Mossal ohnehin. "Die Kinder sind auch ruhiger", hat sie festgestellt. Marcel Feltes aus Prümzurlay und Sebastian Kandels aus Eisenach sind begeistert, dass sie nach Bedarf ihr mitgebrachtes Wasser trinken dürfen: "Wenn es anstrengend ist, oder bei der Hitze jetzt, hilft uns das schon", sagen sie. Hans-Peter Leinen, Rektor der Realschule in Daun sieht die Aktion eher als Reklame der Getränkeindustrie. Für ihn steht fest: "Wenn man arbeitet oder mit jemandem spricht, nimmt man keine Nahrung zu sich." Das gelte auch fürs Trinken. "Die Schüler haben genug Möglichkeiten, außerhalb des Unterrichts zu trinken." In Ausnahmefällen, wie bei notwendiger Medikamenteneinnahme oder bei Hitze nach dem Sportunterricht zum Beispiel sei es selbstverständlich, dass die Schüler auch zu Beginn des Unterrichts etwas trinken dürfen. "Normale Umgangsformen gebieten es, im Unterricht nicht zu trinken", sagt der Direktor des St. Matthias-Gymnasiums in Gerolstein, Heribert Steinmetz. Deshalb sei dies auch nicht in der Hausordnung festgehalten, weil es selbstverständlich ist, dass während des Unterrichts nicht getrunken wird. "In den naturwissenschaftlichen Räumen ist es strikt untersagt. Grundsätzlich soll in den Pausen getrunken werden, außer wenn medizinische Gründe vorliegen", sagt Steinmetz. Zwar sei sie über das Projekt nicht informiert, sagt Miriam Lange, Pressesprecherin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier. Sie sieht es aber pragmatisch: "Warum nicht, darüber sollen die Lehrer frei entscheiden."