Wasserproben aus der Sauer geben Rätsel auf

Kostenpflichtiger Inhalt: Nach Großbrand in Echternach : Wasserproben aus der Sauer geben Rätsel auf

Bei einem Feuerwehreinsatz in Echternach sind vergangene Woche Löschmittel in die Sauer gelaufen. Während sich Angler fragen, wann sie wieder Fische essen dürfen, finden deutsche Behörden einen Stoff im Wasser, der dort nicht sein dürfte.

Perfluoroctansulfonsäure – der Name der Chemikalie, die jüngst bei einer Wasserprobe in der Sauer festgestellt wurde, ist schwer auszusprechen. Den Fachleuten von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord ist der Stoff aber wohlbekannt.

Seit etwa fünf Jahren hat es die Umweltbehörde mit PFOS zu tun. Denn die Verbindung, die bis vor wenigen Jahren noch in Löschschäumen zum Einsatz kam, ist mittlerweile verboten, und zwar in ganz Europa. Mittel, die mehr als eine „unbeabsichtigte Spurenverunreinigung“ enthalten, dürfen seit einer EU-Verordnung nicht mehr verkauft und benutzt werden.

Die jüngsten Wasseranalysen der Stadtwerke Trier aber legen den Schluss nahe, dass solche illegalen Schäume vergangene Woche noch beim Großbrand in Echternach versprüht wurden. Denn kurz nach dem Brand seien, so schreibt ein Sprecher der SGD Nord „die Messwerte beim Parameter PFOS“ deutlich erhöht gewesen.

Beim Echternacher Flugzeughersteller Euro Composites war am 1. Oktober eine Fabrikhalle in Flammen aufgegangen. Am Morgen nach dem großen Feuerwehreinsatz schwamm dann ein Schaumteppich auf der Sauer. Über drei bis vier Stunden waren Löschmittel, und Chemikalien wie Phenolharz und Thermoöl in den Fluss gelaufen.

Doch warum war dort PFOS drin? Dafür gibt es, fragt man Christoph Winckler, den Feuerwehrinspekteur des Kreises Trier-Saarburg, nur drei Möglichkeiten. Die erste: Belasteter Löschschaum wurde nach Inkrafttreten der Verordnung nicht entsorgt. Die zweite: In den Löschmitteltanks der Luxemburger befanden sich noch Rückstände von PFOS-haltigem Schaum. Und Möglichkeit Nummer drei: Ein Hersteller nutzt die Chemikalie weiterhin.

Dass deutsche Rettungskräfte den illegalen Schaum versprüht haben, hält Winckler für ausgeschlossen. Diese seien an den Löscharbeiten in der Produktionshalle kaum beteiligt gewesen. Der Feuerwehrchef ist sich daher sicher: Der verbotene Stoff stammt aus luxemburgischen Schläuchen.

Das heißt aber nicht, dass in Echternach ausschließlich verbotenes Löschmittel zum Einsatz kam. Im Gegenteil: Hauptsächlich ist wohl zugelassener Schaum in die Umwelt gelangt. Dies belegen Wasserproben, die eine deutlich erhöhte Konzentration der Chemikalie H4-PFOS aufweisen, einem Ersatzstoff für Perfluoroctansulfonsäure, wie ein Sprecher der SGD erklärt.

Inzwischen hat sich der Schaum verzogen. Neuere Proben zeigen nach Angaben der Umweltbehörde auch „keine Auffälligkeiten“ mehr. Bereits am 4. Oktober seien „übliche Hintergrundwerte“ von sechs Nanogramm pro Liter gemessen worden.

Zum Vergleich: In mit solchen Schadstoffen stark verunreinigten Gewässern, wie sie rund um die Air Base Spangdahlem zu finden sind, werden seit Jahren hundertfach  höhere Konzentrationen erfasst. So schwimmen etwa in jedem Liter des Märchenweihers bei Binsfeld zwischen 1500 und 4200 Nanogramm Schadstoffe mit. Die SGD Nord warnt daher auch vor dem Verzehr von Fischen aus dem See.

Eine solche Empfehlung hatte die Umweltbehörde zunächst auch für die Sauer heraugegeben. Dieser Gewässeralarm wurde aber bereits am 8. Oktober aufgehoben.  Alle Tests auf giftige Stoffe seien negativ ausgefallen. „Ein Grund zur Besorgnis“ sei nicht mehr „erkennbar“, schreibt ein Sprecher.

Dei deutschen Behörden waren mit ihren Untersuchungen aber offenbar schneller als ihre luxemburgischen Kollegen. Nach wie vor erwarte die SGD Nord ein Gutachten aus dem Großherzogtum zur möglichen Belastung der Sauer mit sogenannten leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen.  Vorliegen werden die Analyseergebnisse aber wohl erst in „einigen Wochen“, schätzt man in Koblenz

Auch Sportfischer Claude Strotz hätte gerne Klarheit über die Schadstoffe in der Sauer. Denn der Sprecher der  „Fédération luxembourgeoise des pêcheurs sportifs – section mouche“ (FLPS)“ würde „gerne wissen, ob wir in der Sauer gefangene Fische noch essen dürfen.“ Bevor alle Ergebnisse feststehen, wollen er und seine Anglerkollegen damit lieber noch warten.

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