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Wechselvolle Geschichte eines Wahrzeichens

Wechselvolle Geschichte eines Wahrzeichens

Die Prümer und ihre Kapelle auf dem Kalvarienberg, eine lange, wechselvolle Geschichte mit einer Konstanten: In allen Jahrhunderten haben sich die Menschen der Abteistadt stark für ihre Kapelle eingesetzt.

Prüm. Die alte Kapelle auf dem Gipfel des Kalvarienberges war zweieinhalb Jahrhunderte lang das von weither sichtbare Wahrzeichen des Prümer Landes. Sie wurde Kreuzkapelle genannt, da hier ein kleiner Partikel des heiligen Kreuzes aufbewahrt wurde. In den Jahren 1689 bis 1696 hatte Jacob Arimond, der Dechant des Prümer Liebfrauenstifts, sie als krönenden Abschluss des Kreuzweges erbauen lassen, dessen III. Station mit der Jahreszahl 1527 noch immer an seiner ursprünglichen Stelle am unteren Berghang steht.

Nachdem das Rheinland von den Franzosen unter Napoleon annektiert worden war, versteigerte die französische Regierung die Kapelle 1803 zugunsten ihrer Staatskasse. Den Zuschlag erhielt der Färber Jakob Goldschmidt aus Prüm für 700 Franken. Der neue Eigentümer verwandte aber dann die gesammelten Opfergaben nicht für die Kapelle, sondern steckte das Geld in die eigene Tasche. Die Prümer konnten sich damit nicht abfinden und bemühten sich bei den kirchlichen und staatlichen Behörden um Abhilfe. Da diese hierzu keine Bereitschaft erkennen ließen, musste schnell etwas geschehen, weil die Kreuzkapelle inzwischen als Scheune entwürdigt wurde und abgerissen werden sollte.

Daraufhin nahmen der katholische Prümer Staatsprokurator Konrad Moriz und der evangelische Hypothekenbewahrer Julius Friedrich Walther die Sache in die Hand. Sie kauften am 30. August 1832 für 300 Taler die Kapelle und boten jedem, der es wünschte, einen Anteil zu einer beliebigen Summe. 139 Gesellschafter fanden sich zusammen. Dazu kamen noch 58 sogenannte "Schenker", die freiwillige Arbeiten leisteten oder kleinere Beträge als Geschenk gaben. Fortan war die Gesellschaft Prümer Bürger Eigentümer, die 1866, 34 Jahre später, die Kreuzkapelle an die katholische Kirchengemeinde übereignete.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kalvarienbergkapelle nur leicht beschädigt. Doch die im Untergrund direkt vor der Kapelle gelagerten 500 Tonnen Sprengmunition schafften das, was die Bombardierungen nicht erreicht hatten.

1949 wurde die Kapelle durch die Explosionskatastrophe so zugerichtet, dass nur noch die Umfassungsmauern übrig blieben. Zwar schwer beschädigt standen sie noch immer auf dem Bergplateau. Alle Bemühungen in den darauffolgenden Jahren, die Kapelle wieder aufzubauen oder zumindest die Mauerreste und die verschüttete Krypta zu sichern, hatten keinen Erfolg. Stattdessen wurde die Ruine abgerissen und die Stelle eingeebnet. So endete die Geschichte der Kreuzkapelle nach der Explosionskatastrophe und der anschließenden Vernichtung der verbliebenen Ruine.

Immer wieder wurde vergeblich daran erinnert, die verschwundene Kapelle wiederaufzubauen. Doch es dauerte bis zum Anfang der achtziger Jahre, bis ernsthafte Überlegungen begannen, einen Neubau zu planen. Die Prümer, die die Kapelle wieder am historischen früheren Platz auf dem Berggipfel sehen wollten, konnten sich nicht durchsetzen. Als neuer Standort wurde ein Grundstück am stadtseitig gelegenen Hang des Kalvarienberges vorgegeben. Im Oktober 1983 wurde mit den Bauarbeiten am Berghang begonnen. Schon nach wenigen Monaten, am 15. Juli 1984, dem 35. Gedenktag der Explosionskatastrophe, konnte die neue kleine Kalvarienbergkapelle "Unserer lieben Frau" eingeweiht werden. EXTRA Der vollständige Artikel "Prüm früher - heute: Die Kapellen auf dem Kalvarienberg" von Erich Reichertz steht neben vielen weiteren Beiträgen in der Zeitschrift "Der Prümer Landbote". Wer Interesse an einem Abo hat, kann sich beim Geschichtsverein unter Telefon 06551/3799 melden. Anfragen per E-Mail: geschichtsverein-pruemerland@t-online.de