Weg mit dem Möbelhaus

Trotz der finanziellen Bedenken, die SPD-Mitglieder wiederholt äußerten, hat der Speicherer Stadtrat am Montagabend Maßnahmen beschlossen, die zusammen fast eine Million Euro kosten. Ein neuer Platz soll das Stadtbild verschönern.

Speicher. Selbst Speicherer, die ihre Stadt lieben, würden sich womöglich manchmal wünschen, im reichen Bayern zu leben oder in Luxemburg, wo man nicht jeden Euro einzeln rumdrehen muss. Die Geldnot der Töpferstadt zog sich am Montagabend wie ein roter Faden durch die vierstündige Stadtratssitzung, im Laufe derer die Ratsmitglieder sich immer wieder fragten: Machen wir\'s ganz oder halb oder vielleicht lieber gar nicht? Insbesondere SPD-Mitglieder äußerten angesichts der schwierigen Finanzlage und des noch ausstehenden Kita-Neubaus Bedenken. Dennoch beschloss der Rat mehrheitlich folgende Ausgaben, die das Stadtbild verändern werden:
Ein neuer Platz: Dort, wo an der Kapellenstraße das ehemalige Möbelhaus Felten steht, sollen bis Dezember die Arbeiten an einem neuen Platz beginnen, der nicht nur zum Parken, sondern auch zum Verweilen gedacht ist. Das leer stehende Haus wird abgerissen. An seine Stelle treten fast 60 extrabreite Parkplätze (die auch für amerikanische Limousinen geeignet sind), sowie Bäume, Bänke, Lichtstrahler und eine von der Firma Plein gestiftete Bronzestatue. Diese zeigt einen "Riazemann" - also einen jener Männer, die Speicherer Töpferwaren in Kiepen bis nach Dresden brachten und verkauften.
Um einen Gefahrenpunkt zu entschärfen, soll der Bürgersteig auf der gegenüberliegenden Straßenseite verbreitert und Tempo 30 eingeführt werden. Die Baumaßnahmen kosten nach bisheriger Schätzung 265 000 Euro. 160 000 Euro erhält die Stadt vom Land, 105 000 Euro muss sie selbst zahlen. Während Oswald Krumeich, Petra Roth und andere SPD-Mitglieder betonten, dass die Kita oberste Priorität haben müsse und Zweifel äußerten, ob man sich diese "immense Ausgabe" leisten könne, sagte Manfred Rodens (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher, dass es eine günstige Gelegenheit sei, etwas für das Stadtbild und die Verkehrssicherheit zu tun. "Die Kita wird dadurch keinen Schaden leiden", versprach er.
Ein neuer Discounter: Auch für einen anderen Platz, der sich laut Verwaltung in einem "desolaten Zustand" befindet, zeichnet sich eine Lösung ab. Netto wolle auf dem Gelände des alten Aldimarktes (Kapellenstraße 60) eine Filiale errichten, sagt Rodens. Die Kreisverwaltung habe bereits grünes Licht gegeben. Der Stadtrat hat entschieden, das Speicherer Einzelhandelskonzept so anzupassen, dass dem neuen Markt nichts entgegensteht.
Ein neuer Straßenbelag: Fast eine Stunde nahm sich der Rat Zeit, um sich über den Zustand des Merscheider Wegs zu informieren - über Netz-, Längs- und Querrisse, Ausmagerungen, Schlaglöcher und Stolperfallen im Bürgersteigpflaster. Nach Auskunft des beauftragten Experten ist eine Sanierung dringend erforderlich. Noch sei der Unterbau der Straße in Ordnung. Sollte im Laufe der Zeit jedoch durch Ritze Wasser eindringen, müsse der Straßenkörper komplett erneuert werden. Trotz des Vorschlags der SPD, die Sanierung ein oder zwei Jahre aufzuschieben, sprach sich die Mehrheit des Rats dafür aus, die Durchgangsstraße zu erneuern. Und zwar so gründlich, dass sie bis zu 40 Jahre lang hält. Die Kosten in Höhe von 715 000 Euro trägt zu 65 Prozent die Gemeinde. Für den Rest müssen die Anwohner aufkommen. "Alles auf die lange Bank zu schieben wäre falsch", sagt Karin Plein (CDU).
Eine neue Mauer: Der Rat hat entschieden, die kaputte Friedhofsmauer für 63 000 Euro zu erneuern. Da sie längs der Straße stadtbildprägend ist, soll sie komplett aus Sandstein gebaut und nicht bloß verblendet werden. Wenn im hinteren Teil des Friedhofs eine Sanierung nötig wird, will der Rat eine günstigere Variante wählen.
Neue Rasengräber: Auf dem Speicherer Friedhof werden Wege angelegt, die 27 neue Rasengräber erschließen. Kosten: 10 000 Euro.
Eine bessere ärztliche Versorgung: Auf Antrag der SPD-Fraktion empfiehlt der Stadtrat dem Verbandsgemeinderat einstimmig, sich für eine bessere ärztliche Versorgung einzusetzen. Unter anderem soll es eine Infoveranstaltung mit ortsansässigen Medizinern geben und eine Arbeitsgruppe, die nach Lösungen sucht, um dem Ärztemangel zu begegnen.