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Wegen Hochwasser wurde im Eifelkreis am 14. Juli der Katastrophenfall ausgerufen

Hochwasser Eifel : Der Mann, der den Katastrophenfall ausrief

Tausende Einsatzkräfte haben über Tage im Eifelkreis alles gegeben, um das Schlimmste zu verhindern. Und doch stellt dieses Hochwasser alles auf den Kopf. Auch bei denen, die an vorderster Front im Einsatz waren.

Die Bilder machen noch immer fassungslos. Auch Tage nach dem verheerenden Unwetter. Auseinander berstende Brücken, geflutete Orte, einstürzende Häuser. Verzweifelte Menschen. Bilder, die auch Willi Schlöder, stellvertretender Brand- und Katatsrophenschutzinspekteur, nie vergisst.

„Das, was bei diesem Unwetter passiert ist, war bis dahin doch unvorstellbar“, sagt Schlöder, gerade zurück aus Bad Neuenahr, wo er mit einem Dutzend Wehrleuten aus der Eifel mitanpackte, kaum dass der Einsatz in der Heimat so weit beendet war.

Die Bilder von dort, wo das Unwetter auch Todesopfer forderte, übertreffen laut Schlöder sogar all das Unvorstellbare, was die Menschen im Eifelkreis erlebt haben.

Über das, was er im Nachgang zu diesem Unwetter nicht vergessen wird, haben wir mit Schlöder gesprochen, der vergangenen Mittwoch den Katastrophenfall mit höchster Alarmstufe im Eifelkreis ausgerufen hat – und seither an vorderster Front im Einsatz war.

Wie geht es Ihnen?

Schlöder: „Ich komme  gerade aus Bad Neuenahr. Die Stadt existiert im Kern gar nicht mehr. Da liegt über Kilometer Müll, Unrat, Schrott entlang der Straße. Etliche Häuser werden abgerissen, da sie stark einsturzgefährdet sind, es gibt immer noch keinen Strom, kein Wasser. Die Bundeswehr bahnt sich mit Amphibienfahrzeugen ihren Weg.“

Unvorstellbar ist auch das, was die Menschen in den vergangenen Tagen im Eifelkreis erlebt haben. Haben Sie damit gerechnet?

Schlöder: „Es gab Wetterwarnungen seit Montag vergangener Woche. Und wir hatten 2018 im Eifelkreis wegen Hochwasser schon ein Mal den Katastrophenfall ausgerufen. Aber das, was dann über uns herein brach, ging über alles hinaus, was Menschen hier je erlebt haben. Wir hatten Pegelstände in unseren Flüssen, die bis dahin keiner für möglich gehalten hat.“

Was werden Sie nicht vergessen?

Schlöder: „Die Nacht auf Donnerstag, als wir Angst hatten drei Männer zu verlieren, die mehr als fünf Stunden abgeschnitten auf dem Dach ihres Einsatzwagens trieben. Die Luftbilder von Irrel, was aussah wie eine irreale Seenlandschaft, der Ort: völlig geflutet.
Und auch die Autos und Wohnwagen, die mit an den Brücken hingen, etwa bei Waxweiler. Und die Verzweiflung der Menschen, die so viel verloren haben. Manche ihre ganze Existenz.“

Wie viele ehrenamtliche Stunden haben die Wehrleute im Eifelkreis wegen des Hochwasser geleistet?

Schlöder: „Tausende Stunden. Ungezählt. Wir haben gerade erst angefangen, das aufzuarbeiten, die Einsatzpläne. Die haben wie ich von Mittwoch an erst mal mehr als 40 Stunden im Dauereinsatz gestanden. Ohne Schlaf, ohne Pause. Ständig unter Strom. Man will helfen, man muss helfen. Da gibt es keinen anderen Gedanken.“

Gibt es Verletzte unter den Einsatzkräften?

Schlöder: „Ich habe von einem Wehrmann gehört, der in Kyllburg in einen Kanalschacht gestürzt ist, wo bereits der Deckel herausgespült war. Er muss sich eine Knieverletzung zugezogen haben. Es wird noch mehr Verletzungen geben. Aber auch das, wird gerade erst aufgearbeitet. Wir waren bis jetzt einfach noch ständig unterwegs. Viele Wehrleute sind das auch immer noch, weil sie in ihren Orten mitanpacken bei den Aufräumarbeiten.“

Wie ist dieser über Tage andauernde Groß-Einsatz aus Ihrer Sicht insgesamt gelaufen?

Schlöder: „Die Wetterwarnungen kamen, anders als dies nun in Teilen kritisiert wird, früh genug. Wir waren gewarnt. Wir haben die Verbandsgemeinden gewarnt. Es wurden Sandsäcke gefüllt, an die entsprechenden Stellen verteilt, die wird von 2018 kannten, die Campingplätze wurden geräumt. Wir haben Vorkehrungen getroffen. Alles getan, was in unserer Macht stand. Aber das, was dann über uns hereinbrach war ein Unwetter, das einfach alles übertraf, was wir in der Eifel  kannten.
Ich habe direkt am Mittwochabend den Katastrophenfall ausgerufen, als die Einsätze sich mehrten war klar: Wir brauchen Verstärkung. Die Bundeswehr war schon direkt am nächsten Tag da, das ging alles sehr schnell. Auch die Zusammenarbeit in der Blaulichtfamilie hat gut funktioniert. Ich bin dankbar, dass das Unwetter bei uns im Kreis niemanden das Leben gekostet hat. Menschenrettung war unsere oberste Priorität.“

Worauf sind Sie stolz?

 Willi Schlöder, stellvertretender Brand- und Katastrophenschutzinspekteur.
Willi Schlöder, stellvertretender Brand- und Katastrophenschutzinspekteur. Foto: e_bit <e_bit@volksfreund.de>/Dagmar Dettmer

Schlöder: „Was mich wirklich zu tiefst rührt, ist die unglaubliche Hilfsbereitschaft der Menschen, die deutlich spürbar ist. Angefangen von den Rettungskräften, die eine Woche alles gegeben haben bis hin zu Nachbarn, die nun beim Aufräumen helfen. So viele, darunter auch etliche Firmen, stehen nun mit ihren Mitarbeitern bereit, um Schäden zu beseitigen. Diese Hilfsbereitschaft ist überwältigend.“