Wehre bringen Schäden
Zum Artikel "Sauberer Strom - fischarmer Strom" (TV, 10. September) meint dieser Leser:
Die Kyll war einmal ein hervorragendes Fischwasser. Sie wurde in diversen Fachzeitschriften hoch gelobt, insbesondere Fliegenfischer aus ganz Europa fischten an gepflegten und naturnahen Streckenabschnitten. Die Fischerei war für den Tourismus eine wichtige Größe. Äsche und Bachforelle reproduzierten sich selbst, es gab sie noch weitgehend ohne zusätzlichen Besatz. Dies ist Historie.
Seit dem ersten Energie Einspeisungsgesetz (EEG) wurden an fast allen Wehren der Kyll die Kronen massiv mit Beton erhöht. Vor allem in Zeiten mittlerer und niedriger Abflüsse fließt nun das gesamte Wasser von den Wehren geleitet durch die Turbinen, um einen bescheidenen Beitrag zur Stromerzeugung zu leisten.
Den Ansprüchen der Natur, der Unterwasserfauna, wird mit einer solchen Art der Stromerzeugung schwerer Schaden zugefügt. Fischwanderungen flussauf werden fast unmöglich oder enden flussab für viele Fische in der Turbine. Mitglieder unseres Verbands haben erst kürzlich einen toten Blankaal aus der Kyll gefischt, dessen Körper hinter dem Kopf fast ganz durchtrennt war. Eine typische Verletzung nach einer Turbinenpassage.
Nun haben auch endlich Politik und verantwortliche Behörden erkannt, dass die ungezügelte Wasserkraft rückgeführt werden muss. Die Europäische Wasser-Rahmenrichtlinie verlangt bis 2015 auch den guten ökologischen Zustand der Kyll. Nun versucht man, die geforderte Durchgängigkeit durchzubringen. Dies stößt auf massiven Widerstand der Kraftwerksbetreiber. Exemplarisch sind in dem Bericht die Aussagen des Verantwortlichen der Stadtwerke Trier, Betreiber des größten Wasser-Kraftwerks an der Kyll, das 840 Quadratkilometer Einzugsgebiet von der Mosel, vom Rhein, von Nordsee und Atlantik absperrt. Wir, der Angelverband Eifel (AVE), fordern die Durchwanderbarkeit aller Querverbaue, und zwar von unten nach oben, aber auch die hindernislose Verbindung der Nebengewässer an den Fluss.
Noch eine Anmerkung zu der Aussage: "Ohne Wehre gäbe es schwere Schäden." Dies ist Nonsens. Die Stauhaltungen sind in der Praxis immer randvoll, wo sollen sie da bei Hochwasser zusätzlichen Rückhalt schaffen? Auch eine Rückfrage beim Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbewirtschaft bestätigt, dass die Wehre der Kyll ausschließlich dem Anstauen und Ableiten des Wassers auf die Turbinen dienen. Der beste Hochwasserschutz ist ein vitales Fließgewässer mit naturnahen Auenbereichen.
Josef Bützer; Roth bei Prüm
(Anmerkung der Redaktion: Der Autor ist Vorsitzender des Angelverbands Eifel)
Natur