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Weihnachtsbaumaktion: Die Wunschsammlerin aus Bitburg - Karin Becker-Bujara hilft seit 20 Jahren armen Familien in der Region

Weihnachtsbaumaktion: Die Wunschsammlerin aus Bitburg - Karin Becker-Bujara hilft seit 20 Jahren armen Familien in der Region

Sie hilft da, wo es wirklich nötig ist: Karin Becker-Bujara unterstützt mit ihrer Weihnachtsbaumaktion sozial schwache Familien aus dem Bitburger Raum - und das seit bereits 20 Jahren. Jetzt startet das Projekt wieder - und die Initiatorin wird zum Jubiläumsjahr mit der Goldenen Caritasnadel ausgezeichnet.

Bitburg. Karin Becker-Bujara kann einfach nicht anders. Sie sei so erzogen worden, sagt sie. Und erinnert sich daran, wie sie schon als Kind mit ihren Eltern an Heiligabend ins Speicherer Waisenhaus gefahren sei und Sachen dorthin gebracht habe. "Wenn es einem selbst gut geht, dann kann man anderen Menschen auch helfen", sagt sie.
Und tut das bis heute: Seit mittlerweile 20 Jahren organisiert sie die Bitburger Weihnachtsbaumaktion (siehe Extra) in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband Westeifel. Ihr bisheriges Werk: fast 500 000 Euro an Spenden und 10 000 Geschenke hat sie dank fleißiger Helfer und großzügiger Geber zusammengetragen - und damit rund 1000 Kinder glücklich gemacht.
Für ihr Engagement für benachteiligte Familen im Eifelkreis Bitburg-Prüm wird Karin Becker-Bujara dieses Jahr mit der Goldenen Caritasnadel ausgezeichnet. Vorab hat sie mit dem TV gesprochen: über die Aktion, die jetzt auch wieder startet - "im Dezember mach ich dann nichts anderes" -, und ihre schönsten Erinnerungen, aber auch über das, was ihr immer wieder nahe geht.
1994 hat Karin Becker-Bujara die Initiative ergriffen, mit einem Baum auf dem Weihnachtsmarkt "hab ich klein angefangen und bin groß durchgestartet", sagt sie. "Heute fragen die Leute schon Ende September, wann ich denn wieder meinen Baum habe", erzählt sie. Und wenn der dann steht und mit Wünschen behangen ist, sei sie manchmal nur kurz was erledigen, komme zurück und die Äste seien geräumt. Aber an Wünschen mangelt es nicht: "Ich habe immer noch was", sagt Karin Becker-Bujara.
"Es gibt so viel Armut in der Region", sagt sie. Kleidung und Schulsachen würden immer gebraucht. Aber den Leuten fehle es manchmal auch an Dingen, "die für uns selbstverständlich sind": Es gebe Familien, die keine Bettdecken hätten oder sich das Besteck teilen müssten. "Mit Schrecken" sehe sie die Veränderung in den 20 Jahren, in denen sie das jetzt mache: "Der Bedarf wird immer größer", sagt sie. "Und was mir besonders auffällt: Es werden immer mehr alleinerziehende Frauen." Seit ein paar Jahren setzt sie sich auch für ältere Menschen ein: "Das hab ich mit übernommen, nachdem meine Mutter das jahrelang gemacht hat."
Das immer wieder zu sehen, nehme sie schon auch mit. Deshalb ist Karin Becker-Bujara manchmal ganz froh darum, dass sie nicht weiß, um welche Familie es sich handelt - die Aktion läuft über die Caritas und anonym. Nur die Hintergründe kennt sie: zum Beispiel, aus welchen Gründen eine Familie in die Schieflage geraten ist. "Und es berührt mich immer besonders, wenn es um Tod oder Krankheit in der Familie geht." Aber einen gewissen Abstand brauche sie: "Ich wollte immer nur Mittelsperson sein."
Ist sie - und freut sich über die Hilfsbereitschaft der Menschen: "Die ist so groß - Wirtschaftskrise hin oder her", sagt Karin Becker-Bujara. Eine Spenderin werde sie nie vergessen, erzählt sie: "Weil die sich für den Wunsch eines Kindes so eingesetzt hat." Zehn oder 15 Jahre sei das schon her. Dieses Kind hatte nur einen Wunsch: Es wollte Kaugummizigaretten. Nichts anderes. "Aber weit und breit gab es keine", erzählt Karin Becker-Bujara. "Und die Spenderin hat nicht aufgegeben - und an einer Tankstelle in Bleialf hat sie dann zwei Päckchen aufgetrieben."
Ob eine teure Jacke oder eine selbstgetrickte Mütze, ein Betrag von 20 oder 1000 Euro - "alles, was kommt, ist toll", sagt Karin Becker-Bujara. "Und auch, wie manche Menschen sich so viel Mühe beim Einpacken geben." Sie kontrolliert dann, "dass der Wunsch erfüllt ist, Geschwisterkinder ungefähr gleich beschenkt werden", und was am Ende noch fehlt, kauft sie von dem Geld, das gespendet wurde - alles, damit auch arme Familien in der Region sich an Weihnachten über etwas freuen können. Deshalb landen auf dem Schreibtisch von Karin Becker-Bujara nicht nur jede Menge Wunschzettel - sondern auch: Dankeschönschreiben.Extra

Das Konzept: Die Caritassammelt die Wünsche armer Familien im Kreis Bitburg-Prüm und gibt sie anonym weiter an Karin Becker-Bujara, die sie auf Geschenkzettel an den Weihnachtsbäumen im Autohaus Schaal (Graf-Zeppelin-Straße 4), bei Reifen Becker (Saarstraße 60) und im Kinderladen Kleiner Luppes (Saarstraße 24) aufhängt. Spender können dort Wünsche entsprechend ihrem Budget auswählen, die Geschenke kaufen und wieder abgeben. Beschenkt werden Menschen, die von der Caritas beraten werden. Jedes Jahr werden neue Familien berücksichtigt. Wer helfen will, kann auch auf folgendes Konto spenden: Volksbank Bitburg, Empfänger: Weihnachtsbaumaktion, IBAN: DE29 5866 0101 0202 0564 46. eib