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Weiße Fläche: Förderverein sieht schwarz

Weiße Fläche: Förderverein sieht schwarz

IRREL. Der Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde (VG) Irrel lässt die Nutzung der geplanten Steinbruch-Fläche Rockelshostert offen. Was Steinbruch-Gegner stört, betrachten Verwaltung und Ortsgemeinde als derzeit beste Lösung.

Um die geplante Reaktivierung des Steinbruchs "Auf Rockelshostert" in Irrel ist es ruhig geworden. Was im Jahr 2004 Schlagzeilen in Serie produzierte (der TV berichtete), schlummert scheinbar friedlich vor sich hin. Doch der aktuelle Entwurf des Flächennutzungsplans ließ den Förderverein Fauna-Flora-Habitat Rockelshostert aufhorchen. Dort ist der geplante Abbaubereich als weiße Fläche (ohne konkrete Bestimmung) dargestellt. Im Begleittext heißt es: "Wenn die Voraussetzungen für eine Darstellung als Flächen für die Gewinnung von Bodenschätzen vorliegen, wird diese im Rahmen eines Änderungsverfahrens nachgeholt." "Dieses Vorhaben berücksichtigt nicht das klare Votum des Ortsgemeinderates Irrel", kritisieren Matthias Schneider und Hans Heser vom Förderverein die Passage. "Bei dem geplanten Abbaugebiet handelt es sich um eine bedeutungsvolle FFH-Fläche mit prioritären Lebensräumen und einem wertvollen Bestand an Fauna und Flora." Unterdessen hat Rechtsanwalt Jochen Kerkmann im Auftrag des Fördervereins an die VG einen Brief geschrieben: "Das rheinland-pfälzische Umweltministerium kann über den Antrag der Firma Kohl-Bau auf FFH-Ausnahmeprüfung zurzeit nicht entscheiden, da das hier betroffene Gebiet noch nicht von der Europäischen Kommission in die Liste der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung aufgenommen und entsprechend veröffentlicht worden ist." Vor diesem Hintergrund sei es geboten, das betroffene Gebiet als Fläche für die Natur auszuweisen, was auch mit den übergeordneten Planzielen der VG einhergehe. Die staatliche Anerkennung Irrels als Luftkurort sei unter anderem an ein für die Gesundheitsförderung geeignetes therapeutisches Klima und eine landschaftlich bevorzugte Lage mit einem dem Kurbetrieb entsprechenden Ortscharakter gebunden. "Beide Punkte werden durch die angestrebte Planung erheblich gefährdet", schreibt Kerkmann. "Die Nutzung eines Steinbruchs inmitten dieser auf Touristik und Fremdenverkehr ausgelegten Region wird unzweifelhaft dazu führen, dass der Fremdenverkehr in erheblichem Maße zurückgeht." Hans Heser äußert sich enttäuscht darüber, dass der VG-Rat die weiße Fläche im Planentwurf abgesegnet habe und die Bautätigkeit in Irrel vorangetrieben werde, ohne die drohende Entwicklung zu berücksichtigen: "Die Behörden versuchen, das Problem auszusitzen. Die Natur hat leider keine durchschlagende Lobby."FFH-Gebiet noch nicht ausgewiesen

Über die Anregungen bei der Offenlage des Planentwurfs im Dezember entscheidet der VG-Rat in seiner Sitzung am 2. März. "Die Tendenz geht dahin, die weiße Fläche beizubehalten, weil sie uns später eine einfachere Abwägung ermöglicht", erklärt Bürgermeister Hans-Michael Bröhl (CDU). Die Fläche liege zwar in einem faktischen FFH-Gebiet, das aber noch nicht ordnungsgemäß ausgewiesen sei. Es komme dabei auch auf die Neuaufstellung des Regionalen Raumordnungsplans an, der unter anderem die Ressourcensicherung berücksichtige und dem Flächennutzungsplan übergeordnet sei. Die Darstellung im Raumordnungsplan werde die VG übernehmen. Falls der Plan jedoch keine Aussage zu der Fläche enthalte, nehme die VG das Abwägeverfahren wieder auf. "Die Anregungen der Bürger und der Träger öffentlicher Belange gehen keineswegs verloren, sondern werden bei dieser Abwägung berücksichtigt", versichert Bröhl. Auch Irrels Ortsbürgermeister Ernst Ziwes (CDU) favorisiert die Darstellung als weiße Fläche: "Vor dem rechtlichen Hintergrund bleiben wir dabei."