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Weiterer Flugplatztraum geplatzt

Weiterer Flugplatztraum geplatzt

Nachdem feststand, dass es in Bitburg keinen internationalen Flughafen geben wird, wollten Land und Kommunen die Fläche zur Erzeugung von Wärme und Strom aus erneuerbaren Energien nutzen. Nun zeigt eine Machbarkeitsstudie, dass der ehemalige US-Luftwaffenstützpunkt dafür nicht geeignet ist.

Bitburg. Seit die Amerikaner die Airbase Bitburg vor 20 Jahren verließen, beflügelte die drei Kilometer lange Startbahn die heimischen Lokalpolitiker zu immer neuen hochfliegenden Ideen. Doch ein ums andere Mal waren sie gezwungen, auf den harten Boden der Tatsachen zurückzukehren. Besonders unsanft war die Landung, als 2012 feststand, dass ein luxemburgischer Projektentwickler keine 30 Millionen Euro Startkapital für den internationalen Bitburg Airport heranschaffen würde. Dies war das Ende des Traums vom Fliegen im großen Stil. Stattdessen bekam ein Plan, den die Gegner des Großprojekts schon lange gehegt hatten, Rückenwind aus Mainz. Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) kündigte an, dass sie das Gelände der ehemaligen Airbase einer "alternativen und wertschöpfenden Nutzung" zuführen will. Ein vom Land gefördertes Gutachten sollte klären, welche Chancen ein Park für regenerative Energien, Recycling und Stoffkreisläufe hätte. Nun liegt das Ergebnis der Machbarkeitsstudie vor und es ist ernüchternd. Die Wissenschaftler, die mit finanzieller Förderung des Wirtschaftsministeriums (70 000 Euro) für den Zweckverband Flugplatz Bitburg untersucht haben, ob ein "Stoff- und Energiekreislaufpark" an dieser Stelle möglich und lohnenswert wäre, kommen zu dem Schluss: Nein, das wäre er nicht. Zum einen scheinen die ansässigen Betriebe kein Interesse daran zu haben, Teil eines solchen Parks zu werden, dessen Grundidee darin besteht, aus vor Ort anfallenden Abfällen, aus Wind, Erdwärme oder Sonne, Energie zu erzeugen, die dann auch wieder vor Ort verbraucht wird. "Wir haben die Firmen angeschrieben, doch der Rücklauf war außerordentlich zäh", sagt Helmut Berscheid, Geschäftsführer des Zweckverbands. Nur zehn Prozent der Unternehmen haben die Fragebögen ausgefüllt. Weder die Abgabe von Abfällen, noch der Bezug regenerativer Energie scheint die Unternehmer zu reizen. Ohnehin fällt im Gewerbegebiet am Flugplatz zu wenig Altholz oder Grünabfall an. Zu wenig jedenfalls, um damit genügend Wärme oder Strom für einen geschlossenen Stoff- und Energiekreislauf zu erzeugen. Zudem müsste der größte Teil bei einem Abfallunternehmen eingekauft werden. Trotz optimistischer Schätzung sei so kein wirtschaftliches Fernwärmenetz möglich und die Wärme zu teuer, um für Betriebe attraktiv zu sein. Auch die üblichen erneuerbaren Energieformen haben die Experten betrachtet. Und das Ergebnis entspricht ebenfalls nicht dem, was man sich in Mainz erhofft hatte: Windkraft käme am Flugplatz nur infrage, wenn dort nicht mehr geflogen würde. Die Experten sehen sechs mögliche Anlagenstandorte, verweisen allerdings darauf, dass es im Umkreis bessere gebe. Fotovoltaik wird durch die Senkung der EEG-Förderung wirtschaftlich immer uninteressanter. Und für die Stromerzeugung mit Hilfe von Wärme aus der Erdtiefe ist die Eifel rund um Bitburg nicht geeignet. Die Wirtschaftsministerin bedauert das Ergebnis: "Wir haben alle Möglichkeiten für einen Stoff- und Energiekreislaufpark prüfen lassen", sagt sie. Auch die Verantwortlichen im Zweckverband Flugplatz Bitburg sind enttäuscht. "Das wäre für uns der große Wurf gewesen", sagt Verbandsvorsteher Landrat Joachim Streit. So ist ein weiterer Flugplatztraum geplatzt. Meinung

Das Ende einer Vision"Endbericht" steht unter dem Titel der Machbarkeitsstudie, die deutlichere Worte kaum finden könnte. Dies ist wohl das Ende einer Vision, in der der Flugplatz Bitburg zum grünen Energiepark wird. Ärgerlich ist dies vor allem beim Blick zurück. Eine Gesamtlösung für die riesige Fläche ist nun ferner denn je. Leider haben auch kleinere, aber gewinnbringende Nutzungen (wie durch die Firma John Deere) derzeit keine Chance, weil die Räumungsklage und der Streit zwischen Bund und Flugplatz GmbH alles lahmlegen. Hoffentlich hat die Auseinandersetzung bald ein Ende, damit man anfangen kann, auf und neben der Rollbahn mit realen Vorhaben Geld zu verdienen. k.hammermann@volksfreund.de