Weniger Bäume = weniger Krähen?

Weniger Bäume = weniger Krähen?

Sie sind verflixt schlau, stehen unter Naturschutz und nerven viele Spaziergänger. Die Rede ist von den Saatkrähen, die Bitburgs Waisenhauspark jährlich mit ihren Exkrementen verschmutzen. Dazu kommt der Lärm, der von den rund 300 Tieren verursacht wird. Der Plan der Stadt: Einige Bäume könnten fallen.

Bitburg. Bald ist wieder Frühling. Dann wird es wärmer. Die Natur blüht auf. Vögel zwitschern. Doch nicht so im Bitburger Waisenhauspark. Dort geben die schwarzgefiederten Saatkrähen schon jetzt ein ohrenbetäubend lautes Krächzkonzert. Das Problem: Sie sondern ihre verdauten Hinterlassenschaften auf Bänken, Gehwegen und dem Gelände des benachbarten Kindergartens ab. Alles wird verschmutzt.
Fangen oder gar töten darf man die Tiere aber nicht, sie stehen unter Naturschutz. 300 Krähen nisten allein im Bitburger Waisenhauspark. Doch gerade für den Spielplatz an der integrativen Kindertagesstätte muss eine Lösung her. Denn "gelangt Vogelkot in die Augen, können schmerzhafte Verletzungen auftreten", heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.
Laut Pressesprecher Werner Krämer plant die Stadt die Entwicklung eines neuen Baumkonzeptes für den Waisenhauspark. Dahinter steckt ein Plan, wo und welche Bäume gefällt werden können. "Insbesondere im Spielplatzbereich der integrativen Kindertagesstätte wurden die Nester aber bisher stets entfernt, so dass hier für die Kinder Gefahren vermieden wurden", sagt Krämer. Selbst für die Entfernung von Nestern braucht die Stadt Bitburg eine besondere Genehmigung. "Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord erlaubt uns das Entfernen einer genau festgelegten Anzahl von Nestern, die an besonders gefährlichen Stellen sind."
Ganze 13 Nester durften 2011 und 2010 aus den Bäumen im Waisenhauspark genommen werden. Die Anzahl wird jedes Jahr neu festgelegt. Die Stadt muss das allerdings tun, bevor die Tiere anfangen zu brüten. Denn danach greift der Artenschutz wieder. "Die Nester über dem Spielplatz der Kindertagesstätte werden in Kürze entfernt", erklärt Krämer, "bleibt zu hoffen, dass sich die Verschmutzung dadurch in Grenzen hält". Die Entfernung kostet die Stadt jährlich einen Betrag im dreistelligen Bereich.
Wirklich stören lassen sich die klugen Krähen von ein paar Brutstätten weniger nicht. Krämer: "Saatkrähen kehren in ihr Nest zurück, wenn es noch da ist. Ansonsten bauen sie einfach ein neues an anderer Stelle. Im Jahr 2012 waren es zur Brutzeit 140 Nester. Nach aktuellen Zählungen im Januar gibt es momentan im Waisenhauspark 68 Nester. Nach Ansicht der Landesregierung ist die Bitburger Krähenkolonie eine der größten im Land.
Auch in Trier wäre man die Rabenvögel gerne los. Dort verschmutzen sie vor allem den Nikolaus-Koch-Platz und den Theater-Parkplatz (der TV berichtete).
In Bitburg kennt man das Problem mit den schwarzen Tieren schon seit 1996, weiß Stadt-Pressesprecher Werner Krämer. "Da gab es unter dem damaligen Bürgermeister Horst Büttner bereits ein "Krähensymposium" im Rathaus. Auch damals fand man aufgrund des bestehenden Artenschutzes und natürlich auch aufgrund der Intelligenz der Tiere keine wirksame Lösung für eine Vertreibung aus dem Stadtgebiet." Letztendlich dürfe man eines nicht vergessen, so Krämer, "dass die Saatkrähe vom Aussterben bedroht und deshalb geschützt ist."
Extra

In Bitburg ist der Versuch, Krähen mit Hilfe eines Habichts am Nestbau zu hindern, gescheitert. Zunächst hatte die Stadt im Jahr 2011 versucht, die Vögel mit Krähenklatschen zu vertreiben. Das funktioniert so: Die Klatschen, die aus zwei Brettern und einem Zugseil bestehen, werden in den Bäumen befestigt. Zieht der Parkbesucher an dem Seil, knallen die Bretter aneinander. Die Aktion war nicht erfolgreich. Die Naturschutzbehörde der Stadt genehmigte daraufhin den Einsatz eines Falkners. Dieser besuchte mit einem Habicht namens Justus morgens und abends den Park - sieben Wochen lang. Weil Habichte als die natürlichen Feinde der Krähen gelten, suchten diese auch jedes Mal das Weite. Das Problem: Sobald Justus weg war, kamen die Krähen wieder. Der Einsatz des Falkners kostete rund 3000 Euro. uhe/eib

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