Weniger Fichten, mehr Licht, gesunde Umwelt

Weniger Fichten, mehr Licht, gesunde Umwelt

Der Naturpark Nordeifel, die Landesforsten und der Bund für Umwelt und Naturschutz setzen sich gemeinsam für die ökologische Verbesserung von Quellenstandorten ein. Jüngstes Projekt: Die Renaturierung der Mehlenbach-Zuflüsse.

Wascheid/Prüm. Ob laubbedecktes Pfützchen oder sprudelnde Bilderbuchquelle, die Zuläufe des Mehlenbachs liegen weit verstreut in einem Seitenarm der Schneifel. Oberhalb des Mehlenbachtals wurden sie in den vergangenen drei Jahren erfasst und kartiert. Nicht allein, um zu wissen, wo der 14 Kilometer lange Nebenfluss der Prüm seinen Ursprung hat, sondern auch, um mit kleinen Veränderungen im Forst den natürlichen Zustand der empfindlichen Quellbiotope wiederherzustellen. An drei Standorten wurde jetzt mit der Renaturierung der Mehlenbachquellen begonnen.Überall quillt Wasser


"Interessant ist, dass man dort nicht von einer einzigen Quelle sprechen kann. Überall im Wald quillt Wasser aus dem Erdreich, dank der Untersuchungen der letzten Jahre kennen wir nun ihren Zustand und konnten in Zusammenarbeit mit dem Forstamt Prüm die ersten Stellen von Fichten und ihren Schösslingen befreien", sagt Ulrich Klinkhammer, Mitarbeiter des Naturparks Nordeifel.
2500 Euro haben die Arbeiten nach Auskunft von Siglinde Gramoll (Bund für Umwelt und Natur Rheinland-Pfalz, BUND) gekostet. An einigen Quellen im Einzugsgebiet des Mehlenbachs - die meisten übrigens schwer zugänglich - sei noch etwas zu machen. Untersuchungen des BUND-Projekts "Wasserläufer" zeigen, dass 27 Prozent der Waldquellen des Mehlenbachs noch in einem naturnahen Zustand, 45 Prozent in einer fast natürlichen Verfassung sind - um die restlichen werden sich Land, Forstamt und Naturpark nach und nach kümmern.
Siglinde Gramoll beurteilt die Voraussetzungen im Prümer Land positiv: "Insgesamt sind die meisten Quellen im Prümer Forst in einem guten Zustand", sagt sie. Das liege eben auch daran, dass sie sämtlich erfasst und kartiert seien. Das sei eine Ausnahme im Vergleich zu anderen Regionen. Der Naturpark Nordeifel hatte mit der Ortung und Erfassung aller Quellen 2014 begonnen (der TV berichtete), "es ist super, dass der Naturpark das angegangen ist", sagt Siglinde Gramoll. "Und auch der Forst hat das im Fokus. Das war eine gute Zusammenarbeit."
Besonderen Verdienst hat an der vorbildlichen Erfassung übrigens die Bio-Geografin Stephanie Schumacher. Ausgestattet mit Erfassungsbögen durchstreifte sie über viele Wochen die Wälder oberhalb des Mehlenbachtals und machte etwa 20 Quellen aus - auf Basis ihrer Untersuchungen konnte nun das Forstamt aktiv werden, dabei war der Aufwand verhältnismäßig gering.Entfichtung wirkt positiv


"Durch die Entnahme von Fichten fällt wieder mehr Licht in den Quellenbereich, gleichzeitig wird die Ansiedlung von nässetoleranten heimischen Baumarten, wie beispielsweise der Schwarzerle oder der gemeinen Esche, gefördert", sagt Siglinde Gramoll.
Positive Auswirkungen hat die Entfichtung auch direkt auf die Artenvielfalt (siehe Extra) in und an der Quelle.
Zahlreiche Wasserlebewesen ernähren sich von zersetzten Laubblättern, während die Nadeln von Fichten zu einer Versauerung des Gewässers führen.
"Die aktuellen Renaturierungen sind relativ einfache Eingriffe. Irgendwann werden auch größere wie die Entfernung von Verrohrungen anstehen.
Wann und wo das aber passiert, ist noch nicht klar. Wir sind froh, dass man jetzt schon aktiv werden konnte", sagt Klinkhammer. Anne Stollenwerk, Chefin der rheinland-pfälzischen Geschäftsstelle des Naturparks Nordeifel, lobt auch den Einsatz: "Der Forst leistet hier hervorragende Arbeit."
Sie freue sich über die Kooperation aller Einrichtungen und des Landes: "Dieses Beispiel zeigt, wie verschiedene Institutionen voneinander profitieren und gemeinsam Maßnahmen zum Wohle unserer Biotop- und Artenvielfalt umsetzen können".Extra

Nach Schätzungen des BUND gibt es in Rheinland-Pfalz etwa 100 000 Quellen - nur ein Prozent ist aktuell erfasst. Beim Projekt "Wasserläufer" des BUND wurden etwa 1000 Quellen von 150 Ehrenamtlern beschrieben und kartiert. Das Biotop Quelle ist ein sehr empfindlicher Lebensraum. Da das Quellwasser konstant kühl bei einem Jahresmittel von acht bis zehn Grad Celsius liegt, hat sich eine ganze Gruppe von Tieren und Pflanzen auf die konstanten Bedingungen spezialisiert. Besonders Quellschnecken zeugen dabei von einem intakten Zustand. aff

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