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Wenn aus der Würde eine Bürde wird

Kostenpflichtiger Inhalt: Ehrenbürgerschaft der Stadt Prüm : Hitler soll die Auszeichnung entzogen werden

Die Stadt Speicher hat Adolf Hitler 2014 die Ehrenbürgerschaft symbolisch aberkannt. Anders in Prüm, wo „dem Führer“ der Status bislang nicht entzogen wurde. Das könnte sich bald ändern.

Adolf Hitler hat niemals einen Fuß nach Prüm gesetzt. Dennoch hat der Stadtrat dem damaligen Reichskanzler im April 1933 die Ehrenbürgerschaft verliehen. Die Gemeinde reiht sich damit in die schier endlose Liste deutscher Orte ein, die dem Massenmörder diese Würde zuteil werden ließen.

Anders als die meisten Gemeinden haben die Prümer Hitler diese Auszeichnung aber auch nach Kriegsende nie aberkannt. Während Trier und Speicher „den Führer“ bereits symbolisch von der Liste fegten, hielt man diesen Schritt in Prüm lange nicht für nötig. Erlischt die Ehrenbürgerwürde nach rheinland-pfälzischem Kommunalbrevier doch ohnehin mit dem Tod. Nun scheint aber doch Bewegung in die Sache zu kommen.

Auf Anfrage unserer Zeitung teilt der parteilose Stadtbürgermeister Johannes Reuschen mit, das leidige Thema beim nächsten Gespräch mit den Beigeordneten und Stadtratsfraktionen anzusprechen. „Einer offiziellen Streichung bedarf es zwar nicht, da er kein Ehrenbürger mehr ist“, meint Reuschen. Der Stadtrat könne aber „einen symbolischen Beschluss fassen, in dem zum Ausdruck kommt, dass er sich von der damaligen Verleihung des Ehrenbürgerrechts distanziert“.

Mangelnde Distanz zur Schreckensherrschaft der NSDAP und deren Vorsitzendem könne man Prüm zwar nicht vorwerfen, findet Reuschen.

So habe sich der Stadtrat Prüm schon „mehrfach deutlich“ von den Gräueltaten der Nazis abgegrenzt – etwa bei der Einweihung des Dechant-Josef-Zilliken-Wegs, eines Eifeler Priesters, der seinerzeit gegen das Regime kämpfte und im Konzentrationslager starb. Sowie 2019 am 70. Jahrestag der Kraterexplosion am Kalvarienberg, bei der der Opfer der Nationalsozialisten rund um Prüm gedacht wurde.

Dennoch sieht Reuschen nun offenbar doch Handlungsbedarf in Sachen Hitler. Überdies erwägt er beim Gespräch mit den Politikern nicht nur die Aberkennung der Ehrenbürgerwürde des Diktators anzusprechen, sondern auch die von dessen Wegbereiter Paul von Hindenburg.

Der frühere Reichspräsident der Weimarer Republik hatte den Österreicher zum Kanzler ernannt und Deutschland dadurch in eine Diktatur gestürzt. Der Berliner Stadtrat hat dem umstrittenen Mann daher jüngst die Ehrenbürgerwürde entzogen. Zuvor kamen der Hauptstadt etwa Dortmund, Kiel, München und Leipzig und jüngst auch die Kommune Hermeskeil, die im Dezember 2019 einstimmig beschloss, Hindenburg die Auszeichnung abzuerkennen.

In Speicher hingegen steht dies erst mal nicht zur Debatte. Warum, das begründet Stadtbürgermeister Erhard Hirschberg (CDU) so: Die Stadt habe Hindenburg zwar vor 87 Jahren zum Ehrenbürger ernannt. Die Urkunde habe diesem aber nie ausgehändigt werden können, weil er im August 1934 starb.

Sein Sohn Oskar von Hindenburg bedankte sich zwar für das Schreiben bei den Speicherern. Dadurch dass der Reichspräsident aber starb, bevor er das Dokument in Händen hielt, ist nach Hirschbergs Ansicht „der formelle Akt der Ehrenbürgerschaft nicht wirksam vollzogen worden“. Und was man nicht hat, kann einem auch nicht weggenommen werden.