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Wenn Bitburg baggert ...Wie die Großbaustelle am Spittel die Gemüter bewegt

Wenn Bitburg baggert ...Wie die Großbaustelle am Spittel die Gemüter bewegt

Noch ist der Ärger um den Innenstadtring nicht verraucht, da sorgt eine Großbaustelle in der Bitburger Fußgängerzone für neuen Frust. Der TV hat sich unter den Betroffenen umgehört. Manche sagen fatalistisch: "Es muss ja gemacht werden." Andere sind sauer. Eine gute Nachricht für alle ist: Die Arbeiten werden 190 000 Euro günstiger als gedacht.

Die Schaufensterpuppen scheinen durch den Bauzaun zu beobachten, wie der Bagger ein Loch in die Hauptstraße macht. Es lässt sie kalt. Ganz anders geht es Heike Panke. "Es ist eine Katastrophe", sagt die Filialleiterin des Gerry-Weber-Shops in der unteren Hauptstraße - "wir sind hier wirklich abgeschottet". Außer ihr (und den Schaufensterpuppen) ist niemand im Laden.Nur ein schmaler Pfad bleibt


Und das passiert derzeit öfter mal - ist das Geschäft doch wegen der Bauarbeiten deutlich schlechter zu erreichen als sonst: Vom Borenweg führt nur ein schmaler Pfad am Bauzaun entlang bis zum Eingang. Eine Sackgasse. Panke schätzt, dass die Hälfte der Kunden baustellenbedingt ausbleibt und sie hofft, dass die Arbeiten am neuen Postplatz schnell vorangehen.
Dort werden marode Kanäle erneuert. Wenn das erledigt ist, sollen für 1,06 Millionen Euro - und das ist weniger als zunächst gedacht (siehe Extra) - Postplatz und ein Stück Hauptstraße neu gestaltet werden.
Auch für den Stadtfrieden dürfte es wichtig sein, dass alles glatt läuft. Die Stimmung unter den betroffenen Händlern - und auch so manchem Kunden - ist seit Monaten schlecht: Erst kam der Ring, dann die Baustelle. "Die Leute sind genervt", sagt Karl Braun vom gleichnamigen Schuhgeschäft. Gerade für ältere Kunden sei die Fahrt nach Bitburg zum Abenteuer geworden.
Stephanie Roth, die sich in einem Modegeschäft beraten lässt, zählt zwar nicht zur älteren Generation, ist aber auch sauer. "Man findet keinen Parkplatz, fährt Umwege und der Lärm ist erdrückend", sagt sie.
Nickel Fashion und Mc Paper klagen ebenfalls über Lärm und Dreck, über den Ring und über den Zeitpunkt. "Warum macht man das jetzt in der Urlaubszeit, wo die Besucher kommen?", fragt Charlotte Düntzer von Mc Paper.
Ein paar Meter weiter nördlich, im oberen Teil der Hauptstraße weiß man natürlich um die Baustelle, spürt sie aber offenbar nicht. "Wir haben keine Probleme mit der Kundenfrequenz", sagt Lars Messerich, der dort mehrere Modegeschäfte betreibt.
Erstaunlich gelassen reagiert auch diejenige, die bisher am stärksten betroffen sein dürfte. Jammern habe keinen Zweck. "Es muss ja gemacht werden", sagt Tina Hucht von den Bit-Stuben, die wegen der Baustelle bei herrlichem Frühsommerwetter wochenlang auf die Terrasse verzichten musste. "Wir sind froh, dass die Arbeiten so schnell und gut vorangehen", sagt sie - in der Hoffnung, Tische und Stühle bald wieder rausstellen zu können. Auch bei Douglas klagt niemand. Das Geschäft laufe normal.
Und dann ist da ja noch die Zukunft. "Wir hoffen, dass wir hier einen schönen Ecken haben, wenn es fertig ist", sagt Karl Braun vom Schuhgeschäft. Bis Ende des Jahres sollen dort, wo jetzt die Bagger rollen, Sitzbänke, ein Wasserspiel und neue Gastronomie zum Verweilen einladen. Es soll ein Platz entstehen, der die Menschen nach Bitburg lockt. Ob sie dann über einen Ring dorthin gelangen, wird sich im Herbst entscheiden.Meinung

Zähne zusammenbeißen
Es stimmt: Eine Baustelle macht Dreck und Lärm, sieht nicht gut aus und verscheucht womöglich auch den ein oder anderen Kunden. Aber das ganze Jammern nützt überhaupt nichts. Es macht die Stimmung nur noch schlechter. Und ändert rein gar nichts - außer, dass sich vielleicht noch ein paar weitere Kunden abschrecken lassen, weil sie angesichts all der Negativäußerungen davon ausgehen, dass man Bitburg besser meidet. Dabei ist es in der Autostadt im Vergleich zu Trier oder anderen größeren Städten immer noch unglaublich einfach, von A nach B zu kommen und einen Parkplatz zu finden, ehe man ganz entspannt ohne drängelnde Menschenmassen seine Erledigungen macht. Daran ändert auch die Baustelle wenig. Also: Zähne zusammenbeißen und durch. Wenn alles gut läuft, ist da statt der Bagger bald ein schicker Platz, der so viele Leute anlockt, dass die Spittelanlieger glücklich sind, am Spittel zu liegen. Und wer weiß - vielleicht hat sich ja auch das Reizthema Innenstadtring ab Herbst erledigt. k.hammermann@volksfreund.deExtra

Die Bauarbeiten werden 190 000 Euro günstiger als gedacht. Erste Schätzungen sahen vor, dass sie 1,249 Millionen Euro kosten. Nach der Auftragsvergabe und dadurch, dass die Stadt die Bauüberwachung selbst übernimmt, können die Zahlen nach unten korrigiert werden: Ausbau von Spittel (726 000 Euro), Poststraße (100 000 Euro) und Hauptstraße (197 000) kosten zusammen nun 1,059 Millionen Euro. kah