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Wenn Bitburg mal richtig baden geht

Wenn Bitburg mal richtig baden geht

Das Cascade hat lange vor seiner Eröffnung im Dezember 1995 für Schlagzeilen gesorgt. Leidenschaftlich haben Bitburgs Kommunalpolitiker über das Für und Wider eines großen Erlebnisbades gestritten. Heute ist es aus dem Freizeitangebot von Stadt und Umland nicht mehr wegzudenken. Zum 20. Geburtstag gibt es am Samstag eine große Party.

Bitburg. Das Cascade war in den Schlagzeilen, da war es noch nicht gebaut. Ob die Stadt ein größeres modernes Schwimmbad braucht oder nicht war das Streitthema Ende der 80er Jahre in Bitburg. Befürworter und Gegner lieferten sich hitzige Debatten - und das nicht nur im Stadtrat. Es gab Unterschriftenlisten, Kampagnen und Bürgerinitiativen. Die eine für, die andere gegen die Pläne für ein neues Schwimmbad.
Als das "umstrittenste Projekt der Kreisstadt der vergangenen Jahrzehnte" (TV vom 28. Februar 1994) prägte das Vorhaben auch die Amtszeit von Bürgermeister Horst Büttner, der für den Neubau kämpfte. Kein leichtes Spiel. Schwimmoper, Millionen-Grab und Spaßtempel waren Schlagworte, mit denen die Gegner ins Feld zogen, die die Idee für völlig übertrieben hielten. Von Größenwahn war die Rede. Schließlich hatte die Stadt ja ein Hallenbad. Eins, das für den Schulsport und ein paar Sportschwimmer reichte. Nicht mehr, nicht weniger.Macken und Makel


Dieses Bad, in den 60er Jahren gebaut, hatte inzwischen so einige Macken und Makel. Sanierungsstau. Und: Das Bad machte Jahr für Jahr rund 300 000 Euro Verluste. "Das war ja Ausgangspunkt der Debatte", sagt Altbürgermeister Horst Büttner: "Meine Philosophie war, dass wir eine Einrichtung schaffen sollten, die Familien mit Kindern, Jugendliche wie auch Erwachsene und Senioren gleichermaßen anspricht."
Es wurden Modelle durchgerechnet: eine Sanierung des Altbaus, den "Schuhkarton", wie er auch genannt wurde, Abriss und Neubau und die Variante, die schließlich umgesetzt wurde: ein Neubau, in den der bestehende Altbau integriert wurde.
Die Debatte um die Pläne für ein Erlebnisbad war auch Geburtsstunde der Liste Streit, die 1989 erstmals zwei Sitze im Stadtrat erobert hat, die die Jungspunde Joachim Streit, heute Landrat, und Rudolf Rinnen, bezogen. Als "Schwimmbad-Partei" wurde sie anfangs von den etablierten Fraktionen belächelt. Heute sind sie zweistärkste Fraktion nach der CDU, die in der Schwimmbadfrage gespalten war. "Das war ein hochpolitisches Thema", sagt Büttner.
Am Ende stellte der Stadtrat mit deutlicher Mehrheit von Büttners damaliger Fraktion, der freien Bürgerliste (FBL), der SPD und der Liste Streit sowie Teilen der CDU die Weichen für das 28 Millionen Mark teure Projekt.Fünf Millionen Gäste


Im Dezember 1995 feierte das Cascade Eröffnung. 190 000 Gäste kamen im ersten Jahr, darunter auch etliche Trierer, Wittlicher, Luxemburger und Belgier. Seit Bestehen haben mehr als fünf Millionen Gäste das Cascade besucht. Mit 250 000 Schwimmern kalkuliert das Bad für 2016.
Dennoch macht die städtische Betriebs- und Verwaltungsgesellschaft Bitburg mbH (BVB), an deren Spitze als Geschäftsführerin Elfriede Grewe steht, im Schnitt Verluste von rund 800 000 Euro im Jahr. Die Hoffnungen der Befürworter von damals, dass ein modernes Bad sich wirtschaftlich selbst trage, haben sich nicht erfüllt.
Andererseits: Kein Schwimmbad schreibt schwarze Zahlen. Grewe, die sich auch überregional in Arbeitskreisen von Badbetreibern engagiert, sagt, dass das Cascade, das immerhin 75 Prozent seiner Betriebskosten erwirtschaftet, damit zu den Besten zählt.
35 Menschen arbeiten in Voll- und Teilzeit in dem Erlebnisbad. Die Fluktuation ist gering. "Einige sind noch von Anfang an hier dabei", sagt die Geschäftsführerin stolz. Zu diesen treuen Mitarbeiterinnen zählt Kassiererin Marlies Heaton: "Es war richtig, dass die sich damals für den Neubau entschieden haben. Hier gab es doch sonst nichts für Kinder und Jugendliche."
Was sich über die Zeit - neben dem Neubau des Saunagartens und der Sanierung der Umkleiden - geändert hat, ist für Saunameisterin Gudrun Müller, ebenfalls seit 20 Jahren im Team, das Alter der Besucher: "Inzwischen kommen auch zunehmend jüngere Erwachsene."
Die Party zum 20. Geburtstag des Cascade beginnt am Samstag, 19. Dezember, um 9 Uhr mit einer Tombola im Eingangsbereich.