Wenn das Zelt bedrohlich wackelt

Wenn das Zelt bedrohlich wackelt

70 Jahre sind eine lange Zeit- und die will gewürdigt werden. Am Sonntag feierten der Caritasverband Westeifel und die Sozialstation Südeifel ein Fest mit buntem Programm und viel Kuchen. Besonders die große Tombola zog die Leute ins Zelt. Das war allerdings nicht sonderlich standfest und das Wetter sehr windig: Wackelnde Zeltwände und instabile Balken feierten mit.

Bitburg. Menschen plaudern ausgelassen und viele Kuchen wandern über die Theke. Die Stimmung auf dem Fest der Caritas ist gemütlich. Viele sind der Einladung des Verbandes gefolgt, Ehemalige, Mitarbeiter, Patienten und auch Flüchtlinge. Denn: den 70. Geburtstag kann man schließlich nicht alle Tage feiern. So alt ist der Verband geworden. Da lohnt sich doch ein Blick zurück:
Mechthild Hansen steht am Kuchenverkauf, sie ist Teamleiterin in Bitburg und seit 30 Jahren bei der Caritas. "Wir feiern heute auch 40 Jahre ambulante Pflege", erzählt die 54-jährige Nattenheimerin. Ebenfalls lange mit dabei ist Caritasdirektor Winfried Wülferath, der frühere Sozialarbeiter ist seit 1993 Direktor, kennt den Verband und seine Geschichte gut: "Nach dem Krieg begann die erste Fürsorge, es wurden Beratungsdienste eingerichtet, Kuren angeboten, die Familienpflege aufgebaut. Seit 1989 sind wir ein eingetragener Verein", erzählt der 54-jährige aus Gerolstein. "Genau, und 1976 wurde in Speicher die erste Sozialstation gegründet", ergänzt Hansen. Seit dieser Zeit sei viel passiert, der Verband kontinuierlich gewachsen, erzählt Wülferath. "Wir haben 400 hauptamtliche und 500 ehrenamtliche Mitarbeiter und versuchen, uns stetig zu verbessern. Aktuell ist die Flüchtlingshilfe ein großes Thema", erklärt er.
Ein sichtbares Thema. Im Zelt sitzen einige Flüchtlinge in der ersten Reihe. Es wird wenig geredet, damit man auch nichts verpasst. Christoph Biegel, Leiter der Caritas-Sozialstation, moderiert die Tombola. Der 16-jährige Anas Shalhawi hat ein Gewinnerlos und freut sich. "Ich habe etwas gewonnen", sagt er und zeigt auf die rote Tasche, "es gefällt mir gut hier." Shalhawi erzählt, dass er aus Syrien komme und in Neuerburg im Flüchtlingsheim untergebracht sei. Während er und die anderen, aus Afghanistan stammenden Flüchtlinge gespannt die Losziehung verfolgen, wird es draußen immer windiger. Das Zelt wackelt, die Stützpfeiler verrutschen und einige Leute - Besucher und Mitarbeiter - nehmen Position an den Pfeilern ein, um sie zu stabilisieren. So geht die Tombola weiter, trotz unruhigem Getuschel möchte niemand aufstehen. Alle warten auf den Hauptpreis: ein E-Bike. Während Biegel einen Gewinner nach dem anderen aufruft, lässt der Wind die Zeltwände im hinteren Bereich immer stärker flattern, auch die Preise fliegen durch die Gegend. Dann geht alles schnell: Ein Stützbalken aus Metall löst sich aus der Verankerung und kippt nach innen. Sofort sind Helfer zur Stelle - sie stützen und verankern ihn wieder. Nichts passiert!
Caritasdirektor Winfried Wülferath verkündet den Hautpreis: "Das E-Bike geht an den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Südeifel, Moritz Petry." Und damit ist die Tombola beendet. Gabriele Piccolo-Bers, die Leiterin des Familienservice, resümiert: "Ein gelungener Tag, das Wetter hat dem Ganzen nicht geschadet." Die stellvertretende Direktorin Andrea Ennen ergänzt: "Eine schöne Möglichkeit, sich einmal anders und außerhalb der Arbeit zu begegnen, es ist ein unbeschwertes Zusammensein." Was war nun der Höhepunkt des Festes? "Es gibt keinen, das ganze Fest ist der Höhepunkt. Vor allem die Begegnungen untereinander und der Kontakt mit den Menschen", sagt der Caritasdirektor. Draußen leert sich alles, zwei ältere Damen verlassen das Fest und ihre Worte sind deutlich hörbar: "Das war richtig schön, von dem Kuchen hätte ich gerne das Rezept" - "Der war wirklich lecker, aber sie hätten ruhig mal ein besseres Zelt aufstellen können!"

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